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„Wir sind jedes Jahr total begeistert!“ Das Medienfestival 2014 kommt.

„Wir sind jedes Jahr total begeistert!“ Das Medienkulturzentrum Dresden zeigt, dass von „digitaler Demenz“ bei Kindern und Jugendlichen keine Rede sein kann

Am 15. und 16. November 2014 wird  Daktylos Media auf dem Medienfestival für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Dresden seine Meta Morfoß App der Öffentlichkeit vorstellen und die erste Lesequest der Welt gemeinsam mit Kindern und ihren Familien testen. Das App-Testing wird eine Station von vielen auf dem Festival sein, welches unter dem Motto „Ausprobieren, Informieren, Staunen“ alle einlädt, mit Medien aller Art kreativ zu werden. Veranstaltet wird das Ganze vom Medienkulturzentrum Dresden. Kirsten Mascher, Leiterin des Projektbüros des Medienkulturzentrums, erzählt im Gespräch mit Daktylos Media über die Ziele und Hintergründe dieses Riesenevents.

Pong Invaders Reality auf dem MB21-Festival 2011 / CC-BY-NC MB21 Marco Prill
Pong Invaders Reality auf dem MB21-Festival 2011 / CC-BY-NC MB21 Marco Prill

Feiert den Deutschen Multimediapreis mb21 auf dem Medienfestival 2014

Daktylos Media (DM): Was erwartet uns dieses Jahr beim Medienfestival, was sollte man auf keinen Fall verpassen?

Kirsten Mascher (KM): Na, das Medienfestival selbst! In diesem Jahr findet das Festival in den Technischen Sammlungen in Dresden statt. Das Museumsangebot und unser Angebot lassen sich wunderbar miteinander verknüpfen. Das Haus wird komplett mit medialen Projekten, Aktionen und Workshops bestückt sein. Es gibt ganz viel zum Selbermachen, kreativ Werden, Staunen, Ausprobieren, Informieren. Wir haben zum Beispiel einen Laser-Cutter und einen 3D-Drucker vor Ort, man kann kleine Roboter löten, Siebdruck-Aufkleber oder Laptop- und Handytaschen aus verschiedenen Materialien herstellen. Am Samstagabend werden wir im Innenhof der technischen Sammlungen auch wieder ein Street Game spielen: „Johann Sebastian Joust“. Ein anderes schönes Projekt ist „Drawdio“, hier wird der eigene Körper mit Hilfe der Technik zum Musikinstrument. Außerdem freuen wir uns über den MotionComposer, eine Art interaktive Bühne, in der kleinste Bewegungen Töne auslösen. Und dann werden natürlich die Siegerprojekte des Deutschen Multimediapreises mb21 sowie die Projekte der CrossMedia Tour  ausgestellt. Wir laden auch junge Preisträger unserer europäischen Partner-Wettbewerbe aus Ungarn, Österreich und der Schweiz nach Dresden ein.

DM: Du hast es schon angerissen: Auf dem Medienfestival werden jedes Jahr die Preisträgerinnen und Preisträger des Deutschen Multimediapreises mb21 ausgezeichnet. Was ist das Ziel des mb21?

KM: mb21 ist bundesweit der einzige Multimedia-Preis dieser Art für die Altersgruppe fünf  bis 25 Jahre. Er wird vom Medienkulturzentrum Dresden und dem Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrum veranstaltet. Wir zeichnen Ideen und Produkte von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Bereich Multimedia aus. Wir schauen dabei vor allem auf Kreativität und Ideenreichtum und fragen: Wer und was steckt hinter dem Projekt? Wie werden die Medien auf originelle Art und Weise miteinander verknüpft? Auch die Produktionsbedingungen spielen eine Rolle: Hat beispielsweise eine Sonderschule mit einer anderen Schule zusammengearbeitet?

DM: Wer nimmt am Deutschen Multimediapreis mb21 teil und was wird da eingereicht?

Kirsten Mascher, Leiterin des Projektbüros am Medienkulturzentrum Dresden. Foto: privat.
Kirsten Mascher, Leiterin des Projektbüros am Medienkulturzentrum Dresden. Foto: privat.

KM: Die jüngeren Kinder reichen gern Stop-Trick-Animationen ein, bei denen beispielsweise die Kuscheltiere aus dem Kindergarten zum Leben erweckt werden. Oder wir erhalten entzückende selbstgeschriebene Geschichten, die mit eigens produzierten Bildern und Tönen bestückt sind. In den älteren Altersgruppen finden YouTube Channels verstärkt ihren Weg zu uns. Hier artikulieren sich die Jugendlichen und stellen sich dar, hier wollen sie kommunizieren, anregen, aufregen, Fragen stellen. Außerdem sind wir jedes Jahr total begeistert, was an Computerspielen erstellt und eingereicht wird. Spielerische und praktische Zugänge finden Jugendliche auch in der Erstellung von Apps, zum Beispiel solche, die den Alltag erleichtern als auch mobile Spiele zur Stadterkundung. Und dann werden beim Wettbewerb auch Installationen eingereicht, in denen beispielsweise Mediales in den physischen Raum transportiert, Fragen gestellt und die Besucher der Installation irritiert und zum Nachdenken angeregt werden. Hier geht es in Richtung Medienkunst, mit der sich auch schon bereits zwölfjährige Teilnehmer beschäftigen. Und dann gibt es natürlich den Bereich der Computer-Animationsfilme, die uns jedes Jahr verzauben. Insgesamt kann man sagen, dass es manchmal die ganz einfachen Ideen sind, die den Benutzer oder Besucher mitreißen und begeistern.

DM: Was sagt ihr Eltern und Pädagogen, die Angst vor einem zu hohen Medienkonsum bei ihren Kindern haben oder neuen Geräten skeptisch gegenüberstehen und den Bildschirm lieber ausgeschaltet sehen?

Auf dem Medienfestival 2014 kann jeder die Meta Morfoß App testen. Foto: Daktylos Media
Auf dem Medienfestival 2014 können alle die Meta Morfoß App testen. Foto: Daktylos Media

KM: Wir empfehlen den Mediengebrauch zuzulassen und ihn zu begleiten, anstatt mit Verboten zu arbeiten . Denn dann enthalten wir unseren Kindern einen Bereich vor, der in unserem gesellschaftlichen Leben wichtig geworden ist. Medien gehören zu unserem Alltag dazu. Deshalb sollte der Umgang mit Medien neben anderen Beschäftigungen im Familienleben seinen Platz finden. Wir empfehlen, Medien gemeinsam „anzuschauen“, sich dafür zu interessieren, was ein Kind spannend findet und mit dem Computer macht. Ich denke, es ist wichtig im Gespräch zu bleiben, sich Dinge erklären zu lassen. Und Zeiten kann man ja festlegen: Es gibt Draußen-Zeiten, Essens- und Schlafenszeiten und eben auch Medienzeiten.

Medienkompetenz statt „digitaler Demenz“

DM: Was meinst du, wie ernst muss man Skeptiker nehmen, die vor der Digitalisierung der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen warnen, gar von einer „digitalen Demenz“ sprechen …

KM: Für uns zeichnet sich jährlich beim Deutschen Multimediapreis und in unserer täglichen Arbeit ein anderes Bild. Es ist wichtig hinzuschauen, was Kinder und Jugendliche zu sagen haben und mit Medien machen. Und es ist für uns alle wichtig, medial auf dem Laufenden zu bleiben, um neue Entwicklungen zu verstehen, einordnen zu können und auf Risiken aufmerksam machen zu können. Nicht alle Kinder und Jugendliche werden von ihrem sozialen Umfeld so unterstützt, dass sie kompetent mit Medien umgehen können. Deshalb ist es ganz wichtig, dass Schule, außerschulische Einrichtungen und das Elternhaus offen sind und medienpädagogische Unterstützung erhalten.

SolarKreaturen basteln auf dem MB21-Festival 2012. Foto (c) Philipp Baumgarten
SolarKreaturen basteln auf dem MB21-Festival 2012. Foto (c) Philipp Baumgarten

DM: Warum bekommen deiner Meinung nach in Deutschland diese Stimmen so viel Gewicht in den Medien?

KM: Eigentlich wiederholt sich die Geschichte. Es tauchen immer wieder „neue“ Medien auf und eine damit verbundene Unsicherheit. Das Buch war auch eine Zeit lang in der Gesellschaft nicht gut angesehen. Sich mit neuen Medien auseinanderzusetzen hat etwas mit dem Alter zu tun und ob jemand damit aufwächst oder sich die Kenntnisse später mühsam aneignen muss. Ein Ziel unserer Arbeit ist, die Auseinandersetzung mit Medien zu unterstützen, die Strukturen und Funktionsweise von Medien zu erkennen. Dann kann man auch einschätzen, wo die positiven und negativen Seiten liegen und wie man sie nutzen kann. Medienkompetenz ist gleich Handlungskompetenz.

Das Team des Medienkulturzentrums steht bereit fürs Medienfestival 2014. Foto: Medienkulturzentrum Dresden
Das Team des Medienkulturzentrums steht bereit fürs Medienfestival 2014. Foto: Medienkulturzentrum Dresden

Medienpädagogik – jeden Tag aufs Neue staunen

DM: Was macht dir am meisten Spaß bei deiner Arbeit?

KM: Mich reizt, dass es immer was Neues gibt. Wir treffen ständig auf neue interessante Themen, das ist wundervoll. Es ist jedes Jahr überwältigend, mit welchen Themen Kinder und junge Erwachsenen sich auseinandersetzen. Da hat Pessimismus überhaupt keinen Platz. Man sieht eher, was sie sich für wichtige Gedanken machen und wie ernst sie sich mit bestimmten Themen auseinandersetzen. Das ist die schöne Seite. Die negativen Seiten meiner Arbeit sind, dass man sich ständig weiterbilden, sich ständig in die neuen Techniken reinarbeiten muss, das ist manchmal nervig. Manchmal möchte man einfach mal bei einer Sache verweilen und etwas ausbauen. Dies versuchen wir dann aber teilweise in zusätzlichen Projekten.

DM: Vielen Dank für das Interview. Und ganz viel Spaß und Erfolg beim Medienfestival! Wir sehen uns!

logo MKZD_wybór drugi_drukZur Info:
Das Medienkulturzentrum Dresden ist ein soziokultureller Verein, der seit 1993 medienpädagogisch arbeitet. Die Arbeit gliedert sich in vier Bereiche:
Die Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle (SAEK) sind offene Sendekanäle, wo man den Umgang mit der Technik im Bereich Fernsehen und Radio und journalistische Grundlagen erlernen und mit eigenen Beiträgen loslegen kann.
Der sächsische Kita-Bildungsserver ist ein Portal für Fachkräfte aus dem Kitabereich und für Eltern.
Das Projektbüro (Leiterin: Kirsten Mascher) organisiert Großprojekte wie die CrossMedia Tour in Dresden und den Deutschen Multimediapreis mb21. Das Büro ist verantwortlich für alles, was Neue Medien anbelangt. Arbeitsthemen sind beispielsweise der kreative Umgang mit Computerspielen, mobiles Lernen oder der Umgang mit dem Internet.
Das Trickfilmstudio Fantasia ist ein eigener Verein, aber unter dem Dach des Medienkulturzentrums ansässig.
Die Arbeit des Medienkulturzentrums Dresden wird über die Stadt Dresden, die Sächsische Landesmedienanstalt und über verschiedene Stiftungen finanziert. Den Deutschen Multimediapreis mb21 finanziert das Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend und die Stadt Dresden. Das Medienkulturzentrum ist Mitglied in verschiedenen Netzwerken: Netzwerk deutscher Medienzentren, Netzwerk für Medienpädagogik in Sachsen und Netzwerk Medienbildung Dresden.

„Ich freue mich darüber, wie nachhaltig die Kinder mit den iBooks lernen”

Die meisten Kinder wachsen heute selbstverständlich mit mindestens einem Smartphone oder Tablet im Haushalt auf. Nach und nach wird der Schulpolitik bewusst, dass man die Wissensvermittlung an die heutige Lebenswelt der Kinder anpassen muss. So will beispielsweise Sachsen ab 2015 mit dem Pilotprojekt “Klassenzimmer der Zukunft” Tablets im Unterricht einsetzen. Bisher tut dies nur etwa ein halbes Prozent aller Schulen in Deutschland regelmäßig. Im Interview mit Daktylos Media erzählt die Grundschullehrerin und iPad-Expertin Andrea Muschkowski, wie Kinder an ihrer Düsseldorfer Grundschule mit den smarten Geräten lernen.

Daktylos Media (DM): Liebe Frau Muschkowski, wir freuen uns sehr und danken Ihnen dafür, dass Sie sich bereit erklärt haben, uns über Ihre Arbeit mit dem iPad in der Grundschule zu erzählen! Bitte stellen Sie sich kurz vor!

Andrea Muschkowski
Andrea Muschkowski
Foto: privat

Andrea Muschkowski (AM): Mein Name ist Andrea Muschkowski und ich unterrichte seit zehn Jahren die Fächer Deutsch, Mathematik, Sachunterricht, Sport und katholische Religion an einer Grundschule im Düsseldorfer Norden. Außerdem entwickele ich Unterrichtsmaterialien für das Fach Deutsch und biete Fortbildungen zum Thema “Lehren und Lernen mit dem iPad” an.

DM: Wann und wie sind Sie das erste Mal mit einem Tablet in Berührung gekommen und wie kam es dazu, dass Sie mit iPads im Unterricht arbeiten?

AM: Im November 2011 stand fest, dass unsere Schule an der Initiative „Medienpass NRW“ teilnehmen und im Zuge dessen durch den Schulträger mit 22 iPads ausgestattet wird. Der Förderverein schaffte drei Lehrergeräte zur Unterrichtsvorbereitung an und zwei Kolleginnen und ich setzten sich mit dem iPad als neues, mobiles Endgerät auseinander, erprobten Apps, entwickelten Unterrichtsmaterialien und planten kleinere Projekte. Mit viel Vorfreude und dem Anliegen, unseren Schülerinnen und Schülern Medienkompetenzen zu vermitteln, kam es im Februar 2012 dann endlich zum Rollout der Schülergeräte und zur konkreten Umsetzung geplanter Vorhaben.

DM: Welche Projekte gab es schon an Ihrer Schule?

AM: In einem ersten Schritt wurden gemeinsam mit den Kindern Regeln im Umgang mit den iPads erarbeitet, ausgewählte Apps handlungsorientiert erprobt sowie erste Unterrichtsprojekte initiiert. Beispielsweise recherchierten die Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer Unterrichtsreihe zum Thema „Der heimische Wald“ im Internet, erstellten erste digitale Mindmaps oder fotografierten und filmten mit den iPads während eines Waldbesuchs oder dokumentierten Interviews mit dem Waldpädagogen. Mit diesen Informationen und den selbst erzeugten Medien entwickelten die Kinder ihre ersten digitalen Präsentationen (Keynotes). Mit Hilfe der Kamera übten sie ihren Vortrag anhand ausgewählter Kriterien. Später präsentierten sie ihre Ergebnisse stolz vor der Klasse via AppleTV.

DM: Wie setzen Sie multimediale Inhalte gezielt für Ihre Arbeit ein?

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Unterricht mit dem iPad in einer Düsseldorfer Grundschule
Foto: Andrea Muschkowski

AM: Ich finde es sinnvoll, sich auf wenige, grundlegende Apps wie beispielsweise Pages, Keynote, iMovie, GoodNotes, BookCreator, Popplet und BaiBoard zu beschränken und damit Content selbstständig zu entwickeln. Das iPad sollte als ein ergänzendes (all in one) Werkzeug, das effizientes, intuitives und vor allem handelndes, mobiles, aber auch barrierefreies Lernen ermöglicht, verstanden und eingesetzt werden. Vor diesem Hintergrund sehe ich vor allem in der Auseinandersetzung mit interaktiven Büchern (iBooks) eine große Chance, da diese kompetenzorientiertes, individuelles und vor allem auch nachhaltiges Lernen in besonderem Maße ermöglichen. Deutschsprachige iBooks für Kinder im Grundschulalter existieren allerdings kaum beziehungsweise sie genügen meinen inhaltlichen und didaktischen Ansprüchen häufig nicht. Deshalb entwickele ich selbst seit 2012 regelmäßig thematische iBooks, die interaktiv und multimedial sind und die unterschiedlichen Sinne und Lerntypen berücksichtigen. Sie integrieren verschiedene Filme, Fotogalerien, Hörtexte, Hyperlinks sowie interaktive Quiz und Aufgaben mit Multi-Touch-Elementen. Für mich als Lehrerin ist es eine große Freude zu beobachten, wie hochmotiviert, eigenverantwortlich und nachhaltig die Schülerinnen und Schüler mit den iBooks lernen.

DM: Meinen Sie, dass man „lesemüde“ Kinder über das Tablet für Literatur und Lesen begeistern kann?

AM: Lesen ist eine Basiskompetenz für die Teilnahme am gesellschaftlichen und kulturellen Leben. Da Kinder in ihrer Grundschulzeit über sehr unterschiedliche Lesefähigkeiten verfügen, ist es die Aufgabe der Schule, ihnen Unterstützungen – vor allem durch die Herstellung einer für sie angenehmen wie auch nützlichen Lesekultur – anzubieten. Sicherlich können das Tablet und ausgewählte Apps oder Lese(lern)programme dazu beitragen, die Entwicklung der Lesefähigkeit zu unterstützen beziehungsweise die Lesekompetenzen der Schülerinnen und Schüler auszubilden, sofern sie dadurch das Lesen als freudvoll und bereichernd erfahren.

DM: Wie ist Ihre Erfahrung: Haben Kinder – möglicherweise Jungen – durch die neuen technischen Möglichkeiten einen besseren Zugang zu kulturellem Wissen und Bildung?

AM: Sicherlich können digitale Medien dazu beitragen, dass Kinder einen besseren beziehungsweise differenzierteren Zugang zu Wissen und Bildung erhalten. Bei der bloßen Nutzung von Medien können Schülerinnen und Schüler mediale Inhalten und Aussagen allerdings noch lange nicht angemessen einschätzen. Dafür brauchen sie die erforderlichen Medienkompetenzen. Kinder sollen zu Hause und in der Schule dazu angeleitet werden, Informationen und mediale Vermittlung zu hinterfragen und zu lernen, wie sie sich sicher und verantwortungsvoll in der „digitalen Welt“ bewegen können.

DM: Was meinen Sie, ist es möglich und erstrebenswert, dass der Wissenserwerb mithilfe der neuen Technologien stattfindet und nicht mehr über traditionelle Lehrformen wie den klassischen akademischen Unterricht?

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Biologieprojekt mit dem Arbeitsmittel iPad
Foto: Andrea Muschkowski

AM: Die Welt um uns herum verändert sich und damit einhergehend natürlich auch die Anforderungen an das Lehren und Lernen. Traditionelle Lehrformen sollten durch den Einsatz innovativer Technologien nicht ersetzt, sondern erweitert werden. Computer und Tablets sind kein Ersatz für die Bewegung in der Natur, das Schreiben mit einem Stift oder das Spielen eines Instruments. Ihr ausschließlicher Einsatz in der Grundschule wäre verheerend. Dennoch bieten neue Technologien eine Vielzahl an Möglichkeiten, selbstständiges, eigenverantwortliches, projektorientiertes, exploratives und kollaboratives Lernen zu implementieren. Bestenfalls gestalten Schülerinnen und Schüler ihr Lernen mit, verstehen Zusammenhänge und erwerben Kompetenzen, die in einer Welt, in der die Anzahl der verfügbaren Inhalte und Informationen unaufhörlich wachsen, immer wichtiger werden.

DM: Vielen Dank für dieses Interview. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Spaß und Erfolg bei Ihrer Arbeit!

Links zum Thema Tablets im Unterricht

Andrea Muschkowski: „Biologie im Sachunterricht der Grundschule. Eine multimediale Unterrichtsreihe zum Thema Schnecken – Grundschulkinder lernen interaktiv mit Hilfe eines thematischen iBooks“. In: Biologie 2.0 – Kompetenzorientierung und Medieneinsatz (PDF)

Lernen mit digitalen Medien. Medienbrief Nr. 02 des Zentrum für Medien und Bildung, 02/2013 (PDF)

Sachsen startet ins Klassenzimmer der Zukunft

Informationswebsite Tablet in der Schule

Lernen mit dem iPad – Tablets in Lehre und Unterricht (hier findet man Links zu Projektschulen)

Daktylos Media und ihre Lesequest bei Emilia und die Detektive

DaktylosMedia
Emilia und die Detektive: Lovely People & 5 Questions – Daktylos Media und ihre Lesequest
Daktylos Media trifft auf Emilia und die Detektive: Wir haben mit Meta an der Hand Emilias fünf berühmte Fragen beantwortet – viel Spaß beim Lesen!

Die DIY-Bloggerin schreibt über uns: “Da ich selber ein Freund von elektronischen Geräten bin und meine Kinder damit aufwachsen, was ich auch bewusst, aber begrenzt zulasse, war ich von Daktylos Media’s Idee sehr angetan, dass man ein Buch/eine Geschichte auf dem iPad spielerisch und aktiv lesen kann”.

Lesequests und Elternpaare als Gründer – Interview mit Anna und Nick von Daktylos Media (Blog Essential Unfairness)

Ich habe mich in den letzten Tagen ein paar Mal mit Anna von Daktylos Media unterhalten. Anna hat zusammen mit ihrem Mann vor kurzem einen Verlag für Kinderbuch-Apps gegründet. Aktuell haben die beiden eine Crowdfunding-Kampagne für ihr erstes Projekt bei Startnext.

Du hast letztes Jahr zusammen mit Deinem Mann Daktylos Media gegründet. Ich lese immer häufiger von Start-Ups im Familienbereich, wo sich die Eltern zusammen selbstständig machen. Um ehrlich zu sein beneide ich das ein wenig. :-) Wie ist es bei Euch zu diesem Entschluss gekommen?

Bis 2011 haben wir in Moskau gelebt. Dort habe ich die Internetredaktion für das Russland-Portal des Goethe-Instituts geleitet. Nick war Leiter des Projektmanagements in einem bekannten Architekturbüro. Die Idee, ein gemeinsames Projekt für Kinder und Familien aufzuziehen, lockte uns schon lange. Als dann unser drittes Kind unterwegs war, beschlossen wir die nächsten Jahre in Deutschland zu leben. Nick wollte gern etwas Neues, Eigenes machen, aber als selbständiger Berater für Immobilienentwicklung einzusteigen, war schwierig. Ich arbeite seit dem Umzug freiberuflich als Projektkoordinatorin, Übersetzerin und Autorin, war aber auf der Suche nach einer eigenen Idee, einem eigenen Projekt. Während meines Studiums hatte ich in Verlagen mitgearbeitet, was mir unheimlich viel Spaß machte, aber mit unserer Familiensituation sah ich da beruflich keine Chance. Nach einem Coaching im letzten Sommer kristallisierte sich dann die Idee heraus, interaktive Kinderbücher für mobile Geräte zu machen. Nick war begeistert von der Idee, einen solchen Verlag zu gründen, und stieg sofort mit ein.

Und wie klappt das Modell “Parentrepeneur” in der Praxis? Bin ich zu recht neidisch?

Zurzeit haben wir keinerlei Freizeit, auch an den Wochenenden arbeitet immer einer von uns, so gut sich das eben mit der Familie vereinbaren lässt. Aber wir machen etwas, was uns begeistert. Unsere Kinder spüren das und haben wirklich viel Verständnis. Wir arbeiten als Partner zusammen, täglich erkennen und erleben wir die Stärken des anderen und ergänzen uns wunderbar. Wir haben jeden Tag Sex, sobald die Kinder weg sind. Private Zeit zu zweit haben wir in dieser heißen Phase – der Finanzierungsphase unserer Crowdfunding-Kampagne für unsere erste App – so gut wie nicht. Wir meistern alles mit dem berühmten Eltern-Mantra: „Es ist alles nur eine Phase!“ Und mit ein bisschen Hilfe des Universums werden unsere Kinder nicht krank und läuft es bei dem Großen in der Schule einigermaßen von allein. Es ist noch nicht klar, wann wir Geldsäcke stapeln werden. Neidisch sein? Es kommt darauf an, wie man seine Prioritäten setzt.

Euer aktuelles Projekt ist eine interaktive App für Tablets, die sich an Kinder ab acht Jahren richtet. Meine Mädels sind allesamt schon ziemlich iPad-affin – sie bevorzugen jedoch meist kleine Anzieh- oder Malspiele. Was bietet “Meta Morfoß”, um Kinder in den Bann zu ziehen?

Meta prototypscreen

Die App macht spielerisch aufs Lesen neugierig. Wir haben ein besonderes Format entwickelt, die „Lesequest“. Man liest den Text und findet darin Schlüsselwörter. Wenn man diese antippt, werden die Illustrationen animiert und es passiert etwas im Bild. So kommt man in der Geschichte weiter. Die gesuchten Wörter kann man sich im Menü auch anzeigen lassen. Der Prototyp ist fertig und wir sehen, dass Kinder auf die farbenfrohen, ungewöhnlichen Zeichnungen unserer App anspringen. Unsere Kinder lieben die wunderbaren Erzählungen von Peter Hacks für Kinder. Meta Morfoß ist eine davon. Unser Sohn (10) hat sie verschlungen und über den Prototyp mehrmals wieder gelesen. Unsere erste Tochter – sechsjähriges Vorschulkind – spielt auch oft damit. Sie findet schon die Schlüsselwörter im Text und schaut sich darüber immer wieder gern die animierten Bilder an.

In einem Satz – worum geht es in der App?

In der Geschichte geht es um Meta Morfoß, ein Mädchen, das mit der Fähigkeit auf die Welt gekommen ist, sich in alles Mögliche verwandeln zu können.

An sich geht es darum, für Kinder Lesespaß und Technikfaszination zu verbinden.

Eure App soll eine Lücke im App Store schließen – obwohl es heutzutage ziemlich schwer ist, da noch eine Lücke zu finden. Wie unterscheidet Meta Morfoß sich von anderen Apps für Kinder?

Wenn man sich anschaut, was es bisher in den Stores an Lesestoff für Kinder auf dem Tablet gibt, dann sind das entweder E-Books oder Buch-Apps. E-Books sind technisch gesehen nicht wirklich neue Formate, es sind Bücher mit Beleuchtung, die nicht mehr in der Wohnung herumliegen. Unter den E-Books gibt es inzwischen auch viele schöne mit animierten Illustrationen, aber erstens lenken diese die Kinder, die dann nur noch mit Tippen und Wischen beschäftigt sind, vom Text ab, und zweitens sind diese enhanced Varianten meistens nur für Kinder im Kleinkind- oder Vorschulalter gedacht – für Kinder im Lesealter, so zwischen sechs und zwölf Jahren, gibt es auf Deutsch keine interaktiven Bücher. Was die Buch-Apps angeht, so sind darunter viele, die sich so nennen, aber die sich oft als reine Spiele herausstellen – das Lesen spielt keine Rolle mehr – und deren inhaltliche und gestalterische Qualität in unseren Augen schlecht ist. Spiele auf dem Tablet an sich sind gut, manchmal sind sie die einzige Rettung für die Eltern, wenn man einfach mal eine Verschnaufpause braucht. Aber zwischen dem Spielen und dem Lesen gibt es noch keine echte Brücke. Die schlagen wir mit dem Lesequest-Format, das ist neu und weltweit einmalig. Außerdem ist die App mehrsprachig, man kann in ihr zwischen Deutsch, Englisch und Russisch umschalten.

Ihr habt einige spannende Design-Entscheidungen getroffen, wie zum Beispiel den Verzicht auf gängige “Geschlechterklischees”. Auch der Stil der Illustrationen ist etwas Besonderes. Wie seid Ihr zu diesen “Design Choices” gekommen?

Zum einen spielt die Geschichte ja selbst permanent mit Geschlechterklischees und sozialen Normierungen. Meta ist kein „normales“ Mädchen, sie nimmt jeweils die Identität an, auf die sie gerade Lust hat, egal, ob das nun eine Wollsocke, ein Krokodil, Albert Einstein oder ein Engel ist, und egal, ob sie gerade in der Schule sitzen muss oder draußen spazieren geht. Außerdem gehört zu ihrer Familie noch eine Tante namens Herr Maffrodit (in Anspielung an Ovids berühmte Erzählung über den Hermaphroditen), die einen Schnurrbart hat und gerne strickt. Für so eine Geschichte brauchen wir Bilder, die dieses ironische Spiel mit dem Text widerspiegeln. Blonde Feen in Rosa oder knuffige Piraten passen dazu nicht. Bei der Auswahl des Illustrators war für uns nicht aussschlaggebend, ob er oder sie bereits Erfahrung mit der Illustration für Kindermedien hatte. Das wichtigste Kriterium bei der Auswahl war die Originalität der Zeichnungen und Farbgebung, ungewöhnlich sollten sie sein – und uns selbst natürlich gefallen. Außerdem wollen wir Kindern etwas Neues anbieten, sie anregen und ihren Geschmack mit entwickeln, was Inhalte und Gestaltung angeht.

Für alle Geeks unter meinen Lesern: Plant Ihr auch andere Plattformen wie Android zukünftig zu nutzen?

Unseren Prototyp haben wir für iOS programmieren lassen. Für Android werden wird eine eigene Version der fertigen App programmieren lassen. Die Meta Morfoß App wird man also im AppStore, bei Google Play und bei Amazon kaufen können.

Damit die App aber überhaupt realisiert werden kann, brauchen wir jetzt die Unterstützung der Crowd, also wirklich jeden! Wir haben noch 26 Tage Zeit. Jede noch so kleine Summe, die jetzt gespendet wird, hilft dabei, unser weltweit einzigartiges Projekt realisieren zu können.

Danke für das Gespräch, Anna!

Und hier der Link zur Kampagne: http://www.startnext.de/meta-morfoss-app

Interview: Stefan Epler

Zuerst erschienen am 26. März 2014 im Blog Essential Unfairness

Neue Illustrationen zur Meta Morfoss App

Während Nick und ich ganz und gar mit der Finanzierungsphase unserer Startnext-Kampagne beschäftigt sind, arbeitet KClogg fleißig weiter und schickt uns fast täglich neue Illustrationen.
Damit ihr einen Eindruck bekommt, hat er für euch zwei kleine Videos davon zusammengestellt.

“Manchmal verwandelte sie sich in eine Muschel und lag ganz still im Algenwald und träumte im warmen Unterwasser vor sich hin …”

Also, jetzt heißt es: Helft Meta, sich in eine Muschel zu verwandeln! >>> www.startnext.de/meta-morfoss-app

Und dieses Video habt ihr vielleicht schon gesehen, aber weil es so schön ist … ;)
#MetaMorfoßAlbertEinsteinDavidOistrach

Daktylos Media auf der Leipziger Buchmesse 2014

Die letzten Tage und Wochen waren so mit Ereignissen angefüllt, dass ich ständig das Gefühl hatte: 48 Stunden komprimiert in 24, Nachtruhe fällt weg, Grundstimmung dabei positiv und euphorisch.

Anfang Februar suchte ich im Programm der Leipziger Buchmesse mit dem Schlüsselwort „App“ und stieß auf eine einzige Veranstaltung: „Alles nur App-etitmacher oder doch mehr? Kinder-Tablets, Lese-Apps und Co. für die Bücherfans von morgen“ – wie für uns gemacht! Sofort schrieb ich René Wagner (hoerbuch-seminare.de) an, den Moderator, und stellte unseren Verlag und unser erstes Projekt vor. Er antwortete umgehend und lud mich mit aufs Podium ein. Freudenhüpfer im Dresdner Wohnzimmer! Von René erfuhr ich, dass meine Gesprächspartnerinnen Karen Ihm von der Stiftung Lesen und Henrike Friedrichs, Medienpädagogin an der Uni Bielefeld, sein würden. Mit der Stiftung Lesen hatte ich auch im Vorfeld schon zu tun, sie wird mit einer Rezension nach dem Release Eltern hoffentlich unsere Meta Morfoß App ans Herz legen.

Vor zwei Wochen bekam ich den Führerschein, und so lieh ich mir gleich letzte Woche ein Auto aus, um damit nach Leipzig zur Buchmesse zu brausen mit dem Vorsatz, ganz viele Leute zu treffen, Veranstaltungen zu besuchen und alles zu betwittern und bei Facebook abzubilden. Auf der Messe angekommen musste ich meine Pläne diesbezüglich etwas herunterschrauben: WLAN gab es zwar in jeder Halle, aber nur an jeweils einem Hotspot,  und für die Nutzung des flächendeckenden WLAN-Netzes hätte ich noch einmal einen zweistelligen Betrag zahlen müssen. Deutschland? Medienbranche? Leider funktionierte auch das Handy als Router fürs iPad nicht immer zuverlässig. Aber das alles beiseite, nach und nach fand ich in einen Rhythmus, traf Caspar Armster und Anna Karina Birkenstock vom Tilda Marleen Verlag, trank einen Cappuccino mit Louise Carleton-Gertsch (LCG Media), die ich schon so lange kennenlernen wollte, schaute bei Britta Jürgs vom AvivA Verlag vorbei (meiner ersten Arbeitgeberin in der Branche), und nicht zuletzt stattete ich natürlich dem Eulenspiegel Verlag einen Besuch ab. Abends kam ich nach einer kleinen Odyssee durch Leipzig (noch einmal werde ich nicht vergessen vor der Autofahrt mein Handy-Navi aufzuladen) doch endlich noch im pub’n pub an, wo ich viele nette Leute traf, die alle “was mit Büchern machen”. Am nächsten Morgen lernte ich auch Stefanie Leo von dem mittlerweile traditionsreichen Blog buecherkinder.de kennen. Ich hoffe sehr, dass sich mit ihr irgendeine fruchtbare Zusammenarbeit ergibt, Ideen habe ich schon …

Teil 1 der Videoaufzeichnung “Alles nur App-etitmacher?” auf der Leipziger Buchmesse 2014

Teil 2 der Videoaufzeichnung “Alles nur App-etitmacher?” auf der Leipziger Buchmesse 2014

Am Freitagnmittag dann startete unsere Veranstaltung auf dem Forum Hörbuch und Literatur in Halle 3. Hier konnte ich unseren Verlag, unsere Meta Morfoß App und die Crowdfunding-Kampagne vorstellen. Die Veranstaltung war gut besucht, alle Plätze waren besetzt, einige der Zuhörer*innen standen sogar. Viel mehr erzählen muss ich hier nicht – dafür haben wir ja alles auf Video aufgezeichnet. Vielen Dank an dieser Stelle an meine Freundin Olga Vostretsova, die sich um die Aufnahme gekümmert hat!

Finanzierungsphase: Los geht’s! Updates

Nachdem wir mit der Unterstützung von euch allen die benötigten Fans zusammen haben, nehmen wir heute die Eröffnung der Leipziger Buchmesse zum Anlass, mit Schwung in die Finanzierungsphase zu starten! Ab heute könnt ihr also unser Projekt www.startnext.de/meta-morfoss-app unterstützen und mit dabei sein, wenn eine neue Art von Kinderbuch-Apps entsteht. Zusammen gestalten wir ein Stück weit gemeinsam die Zukunft der Kinderbücher und digitalen Kindermedien! Wir freuen uns über jede Form der Unterstützung, sei es bei Startnext oder auf andere Art und Weise.

Die Leipziger haben ihre Buchmesse zu einem wunderbaren Literaturfest gemacht. Am 13. und 14. März werden wir natürlich auch dort präsent sein. Wir stellen unsere Lesequest vor und nehmen an einer Diskussionsrunde zur Zukunft der Kindermedien-Entwicklung teil:
Alles nur App-etitmacher oder doch mehr? Kinder-Tablets, Lese-Apps & Co. für die Bücher-Fans von morgen
14.03.2014 15:00 bis 16:00
Forum Hörbuch und Literatur Halle 3, B500
Mit Karen Ihm (Stiftung Lesen), Henrike Friedrichs (Medienpädagogin, Universität Bielefeld) und Anna Burck (Daktylos Media, Startnext-Projekt “Meta Morfoß”)
Moderation: René Wagner (Hoerbuchseminare.de)

Daneben nutzen wir in Leipzig jede Gelegenheit zum Austausch mit interessierten Lesern, Eltern und Branchenkollegen. Nach dem Wochenende berichten wir dann über unsere Messeeindrücke!

Nicht nur außen herum läuft es wie am Schnürchen, auch der Inhalt unserer App nimmt immer mehr Gestalt an. Hier präsentieren wir euch einen neuen Ausschnitt aus einem weiteren Screen unserer Meta Morfoß App, den unser Illustrator Maxim Litvinov aka KClogg gezeichnet hat: die Szene, in der Meta in der Schule vortragen soll, was sie über den Himmel weiß.

Meta in der Schule:
Meta in der Schule: “Die Sonne ist vermutlich eine Katze.”
(c) Daktylos Media

Interview mit smart-digits.com

Meta Morfoss (c) Daktylos Media
Meta Morfoss (c) Daktylos Media

Crowdfunding boomt mittlerweile auch in Deutschland. Wie wir bereits in unserem letzten Beitrag zum Thema beschrieben haben, mehren sich erfolgreiche Projekte. So z.B. aktuell das Buch “Das neue Spiel” von Michael Seemann, das über 20 T€ einsammeln konnte, oder auch die Finanzierungsrunde des eBook-Startups readfy. Wir möchten dies zum Anlass nehmen, einige weitere schöne Projekte vorzustellen, die in diesen Wochen ihr Funding beginnen. Ein Kinder-App-Projekt der ganz besonderen Art will Daktylos Media mit “Meta Morfoß” realisieren:

Das junge Unternehmen aus Dresden erfindet neue Formate für Buch-Apps: Die “Lesequest” ist eine Mischung aus E-Book und interaktivem Suchspiel. Die Leserin oder der Leser animieren die Illustrationen, indem sie die Schlüsselwörter auf jeder Seite der Erzählung finden und antippen. So sollen die Animationen nicht vom Lesen ablenken, sondern dazu motivieren. Das erste Projekt dieser Art soll eine App-Version des Kinderbuchs Meta Morfoß von Peter Hacks werden – das Crowdfunding dazu hat gerade auf Startnext begonnen.

Wir haben uns mit Anna Burck und Nikolay Barabanov von Daktylos Media über ihren Ansatz unterhalten:

Ihr seid ein junges Unternehmen im Bereich Kindermedien. Was hat euch zu eurer Beschäftigung mit diesem Thema gebracht?

Anna: Wir beobachten, wie unsere Kinder auf Computer, Smartphones und Tablets “abfahren”. Wir haben überlegt, wie wir diesen Spaß an der Technik mit dem Lesen als elementarer Kulturtechnik verbinden können. Deswegen haben wir einen Verlag für interaktive Kinderbücher gegründet.

Nick: Die neuen Technologien selbst haben keinen Inhalt in dem Sinne, dass sie gut oder schlecht sind, sie sind einfach ein Instrument. Wir möchten die Möglichkeiten dieses neuen Instruments für den kulturellen Bereich nutzen.

Interaktive Kindermedien sind ja ein Boom-Thema, seitdem iPads und andere Tablets die deutschen Wohnzimmer erobern. Wo seht ihr die Nische für eure Produkte? Was ist das besondere an eurer Idee der „Lesequests“ als neues App-Format?

Anna: Wir haben in den App Stores nach guten Buch-Apps gesucht und uns fiel auf, dass es da im Vergleich zum Spieleangebot sehr wenig Angebote gibt. Viele Apps, die sich “Buch” nennen, sind eher Spiele, das Lesen tritt in den Hintergrund. Schöne enhanced E-Books für Kinder, vor allem Bilderbücher mit animierten Illustrationen, gibt es natürlich inzwischen viele, aber oft sprechen sie eher jüngere Kinder an, denen man vorliest. Mit unserem Ansatz wollen wir etwas bieten für Kinder im Lesealter, das gute Literatur mit originellen Illustrationen und tollem Design verbindet und auf Mehrsprachigkeit ausgelegt ist.

Nick: Unter den digitalen Büchern gibt es zum einen E-Books in Verbindung mit den Lesegeräten, und zum anderen Buch-Apps für Tablets. Im ersten Fall bietet der Markt Lektüre, aber technologisch gesehen ist es der Schritt von den Tontafeln zum Papyrus. Im zweiten Fall bietet der Markt Spiele – das ist so, als ob man aus Goethes gesammelten Werken Origami faltet. In den Lesequests, wie wir unser App-Format nennen, gibt es keine Spiele, kein Puzzle, nichts zum Ausmalen. Das Besondere ist, dass die Bilder erst über das Lesen, über die Interaktion mit Schlüsselwörtern, animiert werden. Man sucht im Text diese Schlüsselwörter, die zur Ausgangsszene auf der Illustration passen, und wenn man sie antippt, passiert im Bild etwas. Erst wenn man eine Seite aufmerksam gelesen und alle Schlüsselwörter gefunden hat, geht es in der Geschichte weiter.

Eure jüngste App wollt ihr als Crowdfunding-Projekt realisieren. Warum habt ihr euch dafür entschieden? Worin seht ihr die Vorteile gegenüber anderen Finanzierungsformen?

Anna: Es ist unser erstes Projekt, für das wir auch versuchen auf die klassische Art einen Bankkredit zu bekommen, aber die Aussichten darauf sind begrenzt. Crowdfunding erscheint uns da als ideale Finanzierungsmöglichkeit. Die Risiken gehen hier für alle Beteiligten gegen Null und man ist unabhängig von Kreditgebern und frei von den daran geknüpften Bedingungen.

Nick: Crowdfunding erscheint uns daneben als optimaler Weg, Menschen zu erreichen, die wie wir das Lesen lieben und in den neuen Technologien eine Bereicherung für das Leben sehen, und für die, für die Solidarität ein fruchtbares Beziehungsmodell ist.

(c) Daktylos Media
(c) Daktylos Media

Bei Kindermedien für Tablets und Smartphones gibt es genauso die Skeptiker wie die Befürworter, was didaktischen Wert und kindgerechte Mediennutzung angeht. Was würdet Ihr skeptischen Eltern gerne mit auf den Weg geben?

Anna: Skepsis in unserer konsumorientierten Welt ist nicht schlecht. Man sollte sich aber beim Umgang mit Medien nicht von seinen Ängsten leiten lassen, sondern von seinem Vertrauen zu sich und seinem Kind. Man sollte Inhalte, egal welcher Medien, zusammen auswählen und darüber sprechen. Wenn man die Mediennutzung bewusst in den Alltag mit einplant wie andere Dinge auch, sollten irrationale Ängste verschwinden. Und schön ist natürlich, wenn Eltern mit ihren Kindern zusammen Filme schauen, Apps ausprobieren, sich gegenseitig vorlesen. In unserem Daktylos Media Blog rezensieren wir ja auch Kinderbücher und gute Buch-Apps, da können skeptische Eltern reinschauen und sich Anregungen holen.

Nick: Wir möchten wie alle Eltern, dass unsere Kinder gesund und glücklich aufwachsen. Und nur das sollte das Kriterium für die Bewertung von etwas als “nützlich” oder “schädlich” sein. Wenn man die neuen Technologien für die Entwicklung der Kinder nicht nutzt, nimmt man ihnen einen Teil der Möglichkeit, die unbegrenzte Vielfalt unserer Welt zu erfahren.

Детские приложения в немецком iTunes App-Store: Много игр и мало чтения
Детские приложения в немецком iTunes App-Store: Много игр и мало чтения

Mobile Apps sind wohl einer der dynamischsten und innovativsten Bereiche in der aktuellen Medienentwicklung. Wo sehr ihr wichtige Trends, die für euer Thema von Bedeutung sind?

Anna: Beim momentanen Stand der Basistechnologien können wir unsere Ideen mit nativen Apps am besten umsetzen. Ich bin aber sehr gespannt auf die Tigercreate Software, die in diesem Frühjahr herauskommen soll. Daneben sehen wir für die Zukunft auch großes Potential im systematischen Einsatz von Tablets im Schulalltag, aber ganz viel hängt natürlich auch von der Bildungspolitik ab.

Nick: Das Wichtigste ist die Verbreitung und die Erschwinglichkeit der Tablets als Basis für eine breite Verfügbarkeit. Dann ist wichtig, dass die mobilen Netze der neuen Generation kommen, die es möglich machen, bequem große Datenmengen zu übertragen. Gerade Deutschland ist hier noch Entwicklungsland.

Daneben beobachten wir mit Interesse die Versuche und die ersten Ergebnisse, faire Technologieprodukte zu entwickeln, zum Beispiel das Fairphone-Projekt, oder neue Finanzierungsmodelle für Content-Produktion zu schaffen.Wir denken für unsere Produkte darüber nach, einen Mechanismus zu entwickeln, mit dem ein App auch “second hand” genutzt werden kann, dass es also von den Nutzer*innen nach Gebrauch weiterverkauft werden kann.


Anna Burck (c) Daktylos Media
Anna Burck (c) Daktylos Media

Anna Burck ist bei Daktylos Media zuständig für Programmleitung und Redaktion, Marketing und Pressearbeit, Rechte und Lizenzen. Während ihres Studiums der Neueren deutschen Literatur und Russistik in Berlin und Moskau hat sie in Verlagen mitgearbeitet. Danach leitete sie in der internationalen Kulturarbeit Projekte im Bereich Online-Redaktion und Internetmarketing. Zurzeit arbeitet sie freiberuflich als Redakteurin, Autorin und Übersetzerin.

Nick Barabanov (c) Daktylos Media
Nick Barabanov (c) Daktylos Media

Nikolay Barabanov ist bei Daktylos Media zuständig für Projektmanagement, technische Koordination, Teamleitung und Vertrieb. Nikolay hat in St. Petersburg Architektur studiert und viele Jahre als Architekt und als Direktor für Projektmanagement in einem bekannten Moskauer Architekturbüro gearbeitet.

Gepostet von am FEB 18, 2014 mit Smart-digits.com

Crowdfunding für die Meta Morfoß App – Beginn der Startphase!

Startnext-banner

Ab heute läuft unsere Crowdfunding-Kampagne auf Startnext.de. Mit dem Funding wollen wir die Fertigstellung unserer Meta Morfoß App finanzieren.

Jetzt läuft die Startphase der Kampagne. Mit ihr lenkt man die Aufmerksamkeit auf das Projekt und sammelt Fans. Wenn wir 100 Fans für unser Projekt gesammelt haben, kann die Finanzierungsphase beginnen.Und hier ist nun endlich das lang erwartete Pitch Video!
Darin könnt ihr auch sehen, wie unser App-Prototyp funktioniert.

Unterstützt unser Projekt, das die wunderbare Erzählung Meta Morfoß von Peter Hacks in eine einmalige Buch-App für Kinder und Literaturliebhaber bringt!
Es gibt viele gute Gründe dafür. Hier sind einige:

  1. Unsere Meta Morfoß App verbindet gute Literatur – keine Adaption, keine Nacherzählung – mit originellen Illustrationen und gutem Design.
  2. Wir haben die “Lesequest” entwickelt, ein ganz neues App-Format. Die animierten Illustrationen lenken hier nicht wie bei anderen Kinderbuch-Apps vom Text ab, sondern können erst über das Lesen aktiviert werden.
  3. In der App kann man zwischen Deutsch, Russisch und Englisch umschalten. Und als Stretch Goal, also wenn mehr Geld gespendet wird als erwartet, planen wir noch weitere Sprachversionen hinzuzufügen, beispielsweise Spanisch!
  4. Auf Deutsch gibt es bisher keine innovativen Buch-App-Angebote für Kinder im Lesealter wie überhaupt Leseangebote für diese Altersgruppe in den Stores fehlen. Wir bieten eine Buch-App für Kinder ab acht Jahren. Nach oben gibt es keine Altersbegrenzung, auch für Literaturkenner und -liebhaber ist die Meta Morfoß App eine wunderbares Schatzkästlein auf dem Tablet!
  5. Unser originelles Experiment soll den Spaß am Lesen mit dem Spaß an der Technik verbinden.

Nun brauchen wir euch: Geht auf www.startnext.de/meta-morfoss-app und werdet unser Fan! Wir brauchen 100 Fans, damit die Finanzierungsphase starten kann. Fan unseres Projekts zu sein verpflichtet euch nicht zur Spende! Mit einem Facebook oder Google+ Account könnt ihr auch Fan werden ohne euch bei Startnext zu registrieren.

Mit wem wir arbeiten. Teil 1: Der Illustrator

Nachdem wir geklärt hatten, welchen Text wir für die App nehmen wollen, und uns für Meta Morfoß von Peter Hacks entschieden haben, kam die Frage: Wie sollen die Illustrationen dazu aussehen? Eine klare Struktur der App hatten wir noch nicht vor Augen, aber es war natürlich klar, dass dieses Buch Bilder haben sollte. Und wir begannen zu suchen. Die Website illustrators.ru ist eine wunderbare Ressource, hier kann man die Suchparameter einstellen, beispielsweise dafür, dass jemand mit Vektorgrafik arbeiten soll oder eine bestimmte Technik oder einen bestimmten Stil verwendet. Ebenso haben wir andere Portfolio-Ressourcen genutzt – eine gute Adresse ist da auch behance.net.

Nach einem Illustrator für ein Buch zu suchen ist eigentlich so, als ob man einen Anwalt, Babysitter oder Zahnarzt auswählt – man muss Vertrauen haben. Wir fanden ungefähr 10 Illustratorinnen und Illustratoren, die in die Auswahl kamen. Wir überlegten zuerst, eine Ausschreibung zu machen. Aber als wir dann zu zweit am Computer saßen und in den Bildern “blätterten”, trafen wir die Entscheidung sofort, wir lagen auf einer Wellenlänge. Und eigentlich ohne große Erörterungen sagten wir fast einstimmig: Neeee, das ist nicht das Richtige. Oder: Na guuut, lass es uns später noch mal anschauen. So siebten wir immer weiter aus und legten das Ausgesiebte beiseite, bis nur noch einer übrig blieb: Maxim Litvinov aka Кclogg.

(c) Max Litvinov aka Kclogg
(c) Max Litvinov aka Kclogg
(c) Max Litvinov aka Kclogg
(c) Max Litvinov aka Kclogg

Parallel arbeiteten wir an der Grundidee und -struktur der App. So erschienen auf jeder Seite (auf jedem Screen) die Illustrationen und wurden mit dem Text zu einem interaktiven Mechanismus verbunden.

Wir hatten noch kein Storyboard, wir lasen von neuem Hacks’ Text und schauten uns immer wieder Maxims Portfolio an, es blieb kein Zweifel mehr. Zwischendurch sagten wir uns: “Stell dir vor, wie er den Lehrer Dr. Pauli zeichnen wird!” Oder: “Schau mal, so sollte Meta aussehen!”

Jetzt wissen wir, dass die Illustrationen in der gemeinsamen Arbeit entstehen. Während wir mit Maxim am Prototypen arbeiteten, testeten wir den Zugang zueinander aus – wir suchten nach einer gemeinsamen Sprache, einer gemeinsamen Welle, versuchten zwei Vorstellungen miteinander zu vereinbaren, unsere Idee mit seinen schöpferischen Impulsen.

Dass wir über die Entfernung mit unseren Mitarbeitern arbeiten, also nicht direkt miteinander kommunizieren können, hat seine Vorteile. Wir laden Freiberuflerinnen und Freiberufler ein, die am besten zu unserem Projekt passen.

Meta Morfoss sketch (c) Daktylos Media
Meta Morfoss sketch (c) Daktylos Media

An einigen Figuren haben wir lange gesessen, es hat gedauert, bis Meta oder Herr Maffrodit, die Tante, ihre endgültige Form bekommen haben. Aber der Müllfahrer Karsunke und der Lehrer Dr. Pauli sind an einem Tag entstanden. Da wir einen bestimmten Stil, die 1970er Jahre, in die App bringen wollen, haben wir viel Zeit damit verbracht, die passende Mode für unsere Figuren zu finden.

Vor uns liegt noch viel Arbeit. Bisher haben wir für den Prototyp zwei funktionierende Screens (von zwanzig) erstellt. Also, ran an die Arbeit! Und wünscht uns Erfolg!!