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KClogg: Männlein, Käfer, komische kleine Tiere

Der Illustrator und Game-Designer Maxim Litvinov aka KClogg ist wohl mit dem Stift in der Hand auf die Welt gekommen. Für Daktylos Media illustrierte und animierte er die Meta Morfoß App. Im Interview erzählt der talentierte junge Künstler aus Nischni Nowgorod (Russland) über seine große Leidenschaft, das Zeichnen.

KClogg
KClogg bei der Arbeit. Foto: privat

Daktylos Media (DM): Lieber Max, wir sind sehr glücklich, dass wir dich für als Illustrator für unsere Meta Morfoß App gewinnen konnten. Wir sind total begeistert von deiner tollen Arbeit und es hat riesigen Spaß gemacht mit dir, danke! Wie kam es, dass du Illustrator geworden bist?

KClogg (K): Ich glaube, ich bin mit einem Stift in der Hand auf die Welt gekommen. Sogar meine frühesten Kindheitserinnerungen sind mit dem Zeichnen verbunden. Damals habe ich übrigens dasselbe wie heute auch gezeichnet: Männlein, Käfer, komische kleine Tiere. Seit meiner Kindheit dachte ich immer mal wieder darüber nach, eine professionelle Ausbildung zu machen, an einer Jugendkunstschule zu lernen oder mich auf die Kunstakademie vorzubereiten. Aber irgendwie konnte ich mich doch nie endgültig dazu entschließen.

Sax Pool. (c) Kclogg
Sax Pool. (c) Kclogg

DM: Was macht dir bei deiner Arbeit am meisten Spaß?

K: Mich interessieren einzelne Szenen, Bilder, außerhalb eines Sinnzusammenhangs, welche rein ästhetischen Wert bringen. Ich mag es nicht, erzählerische Sujets auszudenken. Mir gefällt der Moment, in dem eine Idee gerade erst aufkeimt und wenn ich dann während des Zeichnens sehe, dass alles wie gedacht Gestalt annimmt, ist das natürlich auch angenehm.

Meta Morfoß verwandelt sich in eine Dampflokomotive. Illustration: KClogg (c) Daktylos Media
Meta Morfoß verwandelt sich in eine Dampflokomotive. Illustration: KClogg (c) Daktylos Media

DM: Was hat dich in deinem Leben am weitesten voran gebracht?

K: Ich möchte hier nicht einzelne Stile, Künstler oder ihre Arbeiten herausstellen, denn ich bin ständig so oder so am Lernen und schöpfe meine Ideen überall da, wo ich Schönheit sehe. Als Beispiel könnte ich die Malerei der frühen Renaissance, Nintendo-Spiele und Trickfilme auf Cartoon Network nennen.

DM: Was meinst du, wie wird sich deine Tätigkeit in den kommenden drei Jahren verändern?

K: Ich stelle mir das so vor, dass es immer besser klappen wird das wiederzugeben, was mir in den Sinn kommt. Na, und die Bilder aus meiner Phantasie selbst verändern sich auch, je nach dem, was ich Neues sehe.

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Lollipop. Illustration: (c) KClogg

DM: Woran arbeitest du im Moment?

K: Gerade arbeite ich an einem Comic. Außerdem will ich viele neue Animationen machen, vielleicht auch in Gemeinschaftsprojekten. Ich erzähle nicht gern darüber, was noch nicht getan ist, denn es kann dann immer anders aussehen, als man geplant hatte.

DM: Vielen Dank für das Interview! 

„Wir sind jedes Jahr total begeistert!“ Das Medienfestival 2014 kommt.

„Wir sind jedes Jahr total begeistert!“ Das Medienkulturzentrum Dresden zeigt, dass von „digitaler Demenz“ bei Kindern und Jugendlichen keine Rede sein kann

Am 15. und 16. November 2014 wird  Daktylos Media auf dem Medienfestival für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Dresden seine Meta Morfoß App der Öffentlichkeit vorstellen und die erste Lesequest der Welt gemeinsam mit Kindern und ihren Familien testen. Das App-Testing wird eine Station von vielen auf dem Festival sein, welches unter dem Motto „Ausprobieren, Informieren, Staunen“ alle einlädt, mit Medien aller Art kreativ zu werden. Veranstaltet wird das Ganze vom Medienkulturzentrum Dresden. Kirsten Mascher, Leiterin des Projektbüros des Medienkulturzentrums, erzählt im Gespräch mit Daktylos Media über die Ziele und Hintergründe dieses Riesenevents.

Pong Invaders Reality auf dem MB21-Festival 2011 / CC-BY-NC MB21 Marco Prill
Pong Invaders Reality auf dem MB21-Festival 2011 / CC-BY-NC MB21 Marco Prill

Feiert den Deutschen Multimediapreis mb21 auf dem Medienfestival 2014

Daktylos Media (DM): Was erwartet uns dieses Jahr beim Medienfestival, was sollte man auf keinen Fall verpassen?

Kirsten Mascher (KM): Na, das Medienfestival selbst! In diesem Jahr findet das Festival in den Technischen Sammlungen in Dresden statt. Das Museumsangebot und unser Angebot lassen sich wunderbar miteinander verknüpfen. Das Haus wird komplett mit medialen Projekten, Aktionen und Workshops bestückt sein. Es gibt ganz viel zum Selbermachen, kreativ Werden, Staunen, Ausprobieren, Informieren. Wir haben zum Beispiel einen Laser-Cutter und einen 3D-Drucker vor Ort, man kann kleine Roboter löten, Siebdruck-Aufkleber oder Laptop- und Handytaschen aus verschiedenen Materialien herstellen. Am Samstagabend werden wir im Innenhof der technischen Sammlungen auch wieder ein Street Game spielen: „Johann Sebastian Joust“. Ein anderes schönes Projekt ist „Drawdio“, hier wird der eigene Körper mit Hilfe der Technik zum Musikinstrument. Außerdem freuen wir uns über den MotionComposer, eine Art interaktive Bühne, in der kleinste Bewegungen Töne auslösen. Und dann werden natürlich die Siegerprojekte des Deutschen Multimediapreises mb21 sowie die Projekte der CrossMedia Tour  ausgestellt. Wir laden auch junge Preisträger unserer europäischen Partner-Wettbewerbe aus Ungarn, Österreich und der Schweiz nach Dresden ein.

DM: Du hast es schon angerissen: Auf dem Medienfestival werden jedes Jahr die Preisträgerinnen und Preisträger des Deutschen Multimediapreises mb21 ausgezeichnet. Was ist das Ziel des mb21?

KM: mb21 ist bundesweit der einzige Multimedia-Preis dieser Art für die Altersgruppe fünf  bis 25 Jahre. Er wird vom Medienkulturzentrum Dresden und dem Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrum veranstaltet. Wir zeichnen Ideen und Produkte von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Bereich Multimedia aus. Wir schauen dabei vor allem auf Kreativität und Ideenreichtum und fragen: Wer und was steckt hinter dem Projekt? Wie werden die Medien auf originelle Art und Weise miteinander verknüpft? Auch die Produktionsbedingungen spielen eine Rolle: Hat beispielsweise eine Sonderschule mit einer anderen Schule zusammengearbeitet?

DM: Wer nimmt am Deutschen Multimediapreis mb21 teil und was wird da eingereicht?

Kirsten Mascher, Leiterin des Projektbüros am Medienkulturzentrum Dresden. Foto: privat.
Kirsten Mascher, Leiterin des Projektbüros am Medienkulturzentrum Dresden. Foto: privat.

KM: Die jüngeren Kinder reichen gern Stop-Trick-Animationen ein, bei denen beispielsweise die Kuscheltiere aus dem Kindergarten zum Leben erweckt werden. Oder wir erhalten entzückende selbstgeschriebene Geschichten, die mit eigens produzierten Bildern und Tönen bestückt sind. In den älteren Altersgruppen finden YouTube Channels verstärkt ihren Weg zu uns. Hier artikulieren sich die Jugendlichen und stellen sich dar, hier wollen sie kommunizieren, anregen, aufregen, Fragen stellen. Außerdem sind wir jedes Jahr total begeistert, was an Computerspielen erstellt und eingereicht wird. Spielerische und praktische Zugänge finden Jugendliche auch in der Erstellung von Apps, zum Beispiel solche, die den Alltag erleichtern als auch mobile Spiele zur Stadterkundung. Und dann werden beim Wettbewerb auch Installationen eingereicht, in denen beispielsweise Mediales in den physischen Raum transportiert, Fragen gestellt und die Besucher der Installation irritiert und zum Nachdenken angeregt werden. Hier geht es in Richtung Medienkunst, mit der sich auch schon bereits zwölfjährige Teilnehmer beschäftigen. Und dann gibt es natürlich den Bereich der Computer-Animationsfilme, die uns jedes Jahr verzauben. Insgesamt kann man sagen, dass es manchmal die ganz einfachen Ideen sind, die den Benutzer oder Besucher mitreißen und begeistern.

DM: Was sagt ihr Eltern und Pädagogen, die Angst vor einem zu hohen Medienkonsum bei ihren Kindern haben oder neuen Geräten skeptisch gegenüberstehen und den Bildschirm lieber ausgeschaltet sehen?

Auf dem Medienfestival 2014 kann jeder die Meta Morfoß App testen. Foto: Daktylos Media
Auf dem Medienfestival 2014 können alle die Meta Morfoß App testen. Foto: Daktylos Media

KM: Wir empfehlen den Mediengebrauch zuzulassen und ihn zu begleiten, anstatt mit Verboten zu arbeiten . Denn dann enthalten wir unseren Kindern einen Bereich vor, der in unserem gesellschaftlichen Leben wichtig geworden ist. Medien gehören zu unserem Alltag dazu. Deshalb sollte der Umgang mit Medien neben anderen Beschäftigungen im Familienleben seinen Platz finden. Wir empfehlen, Medien gemeinsam „anzuschauen“, sich dafür zu interessieren, was ein Kind spannend findet und mit dem Computer macht. Ich denke, es ist wichtig im Gespräch zu bleiben, sich Dinge erklären zu lassen. Und Zeiten kann man ja festlegen: Es gibt Draußen-Zeiten, Essens- und Schlafenszeiten und eben auch Medienzeiten.

Medienkompetenz statt „digitaler Demenz“

DM: Was meinst du, wie ernst muss man Skeptiker nehmen, die vor der Digitalisierung der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen warnen, gar von einer „digitalen Demenz“ sprechen …

KM: Für uns zeichnet sich jährlich beim Deutschen Multimediapreis und in unserer täglichen Arbeit ein anderes Bild. Es ist wichtig hinzuschauen, was Kinder und Jugendliche zu sagen haben und mit Medien machen. Und es ist für uns alle wichtig, medial auf dem Laufenden zu bleiben, um neue Entwicklungen zu verstehen, einordnen zu können und auf Risiken aufmerksam machen zu können. Nicht alle Kinder und Jugendliche werden von ihrem sozialen Umfeld so unterstützt, dass sie kompetent mit Medien umgehen können. Deshalb ist es ganz wichtig, dass Schule, außerschulische Einrichtungen und das Elternhaus offen sind und medienpädagogische Unterstützung erhalten.

SolarKreaturen basteln auf dem MB21-Festival 2012. Foto (c) Philipp Baumgarten
SolarKreaturen basteln auf dem MB21-Festival 2012. Foto (c) Philipp Baumgarten

DM: Warum bekommen deiner Meinung nach in Deutschland diese Stimmen so viel Gewicht in den Medien?

KM: Eigentlich wiederholt sich die Geschichte. Es tauchen immer wieder „neue“ Medien auf und eine damit verbundene Unsicherheit. Das Buch war auch eine Zeit lang in der Gesellschaft nicht gut angesehen. Sich mit neuen Medien auseinanderzusetzen hat etwas mit dem Alter zu tun und ob jemand damit aufwächst oder sich die Kenntnisse später mühsam aneignen muss. Ein Ziel unserer Arbeit ist, die Auseinandersetzung mit Medien zu unterstützen, die Strukturen und Funktionsweise von Medien zu erkennen. Dann kann man auch einschätzen, wo die positiven und negativen Seiten liegen und wie man sie nutzen kann. Medienkompetenz ist gleich Handlungskompetenz.

Das Team des Medienkulturzentrums steht bereit fürs Medienfestival 2014. Foto: Medienkulturzentrum Dresden
Das Team des Medienkulturzentrums steht bereit fürs Medienfestival 2014. Foto: Medienkulturzentrum Dresden

Medienpädagogik – jeden Tag aufs Neue staunen

DM: Was macht dir am meisten Spaß bei deiner Arbeit?

KM: Mich reizt, dass es immer was Neues gibt. Wir treffen ständig auf neue interessante Themen, das ist wundervoll. Es ist jedes Jahr überwältigend, mit welchen Themen Kinder und junge Erwachsenen sich auseinandersetzen. Da hat Pessimismus überhaupt keinen Platz. Man sieht eher, was sie sich für wichtige Gedanken machen und wie ernst sie sich mit bestimmten Themen auseinandersetzen. Das ist die schöne Seite. Die negativen Seiten meiner Arbeit sind, dass man sich ständig weiterbilden, sich ständig in die neuen Techniken reinarbeiten muss, das ist manchmal nervig. Manchmal möchte man einfach mal bei einer Sache verweilen und etwas ausbauen. Dies versuchen wir dann aber teilweise in zusätzlichen Projekten.

DM: Vielen Dank für das Interview. Und ganz viel Spaß und Erfolg beim Medienfestival! Wir sehen uns!

logo MKZD_wybór drugi_drukZur Info:
Das Medienkulturzentrum Dresden ist ein soziokultureller Verein, der seit 1993 medienpädagogisch arbeitet. Die Arbeit gliedert sich in vier Bereiche:
Die Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle (SAEK) sind offene Sendekanäle, wo man den Umgang mit der Technik im Bereich Fernsehen und Radio und journalistische Grundlagen erlernen und mit eigenen Beiträgen loslegen kann.
Der sächsische Kita-Bildungsserver ist ein Portal für Fachkräfte aus dem Kitabereich und für Eltern.
Das Projektbüro (Leiterin: Kirsten Mascher) organisiert Großprojekte wie die CrossMedia Tour in Dresden und den Deutschen Multimediapreis mb21. Das Büro ist verantwortlich für alles, was Neue Medien anbelangt. Arbeitsthemen sind beispielsweise der kreative Umgang mit Computerspielen, mobiles Lernen oder der Umgang mit dem Internet.
Das Trickfilmstudio Fantasia ist ein eigener Verein, aber unter dem Dach des Medienkulturzentrums ansässig.
Die Arbeit des Medienkulturzentrums Dresden wird über die Stadt Dresden, die Sächsische Landesmedienanstalt und über verschiedene Stiftungen finanziert. Den Deutschen Multimediapreis mb21 finanziert das Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend und die Stadt Dresden. Das Medienkulturzentrum ist Mitglied in verschiedenen Netzwerken: Netzwerk deutscher Medienzentren, Netzwerk für Medienpädagogik in Sachsen und Netzwerk Medienbildung Dresden.

„Ich freue mich darüber, wie nachhaltig die Kinder mit den iBooks lernen”

Die meisten Kinder wachsen heute selbstverständlich mit mindestens einem Smartphone oder Tablet im Haushalt auf. Nach und nach wird der Schulpolitik bewusst, dass man die Wissensvermittlung an die heutige Lebenswelt der Kinder anpassen muss. So will beispielsweise Sachsen ab 2015 mit dem Pilotprojekt “Klassenzimmer der Zukunft” Tablets im Unterricht einsetzen. Bisher tut dies nur etwa ein halbes Prozent aller Schulen in Deutschland regelmäßig. Im Interview mit Daktylos Media erzählt die Grundschullehrerin und iPad-Expertin Andrea Muschkowski, wie Kinder an ihrer Düsseldorfer Grundschule mit den smarten Geräten lernen.

Daktylos Media (DM): Liebe Frau Muschkowski, wir freuen uns sehr und danken Ihnen dafür, dass Sie sich bereit erklärt haben, uns über Ihre Arbeit mit dem iPad in der Grundschule zu erzählen! Bitte stellen Sie sich kurz vor!

Andrea Muschkowski
Andrea Muschkowski
Foto: privat

Andrea Muschkowski (AM): Mein Name ist Andrea Muschkowski und ich unterrichte seit zehn Jahren die Fächer Deutsch, Mathematik, Sachunterricht, Sport und katholische Religion an einer Grundschule im Düsseldorfer Norden. Außerdem entwickele ich Unterrichtsmaterialien für das Fach Deutsch und biete Fortbildungen zum Thema “Lehren und Lernen mit dem iPad” an.

DM: Wann und wie sind Sie das erste Mal mit einem Tablet in Berührung gekommen und wie kam es dazu, dass Sie mit iPads im Unterricht arbeiten?

AM: Im November 2011 stand fest, dass unsere Schule an der Initiative „Medienpass NRW“ teilnehmen und im Zuge dessen durch den Schulträger mit 22 iPads ausgestattet wird. Der Förderverein schaffte drei Lehrergeräte zur Unterrichtsvorbereitung an und zwei Kolleginnen und ich setzten sich mit dem iPad als neues, mobiles Endgerät auseinander, erprobten Apps, entwickelten Unterrichtsmaterialien und planten kleinere Projekte. Mit viel Vorfreude und dem Anliegen, unseren Schülerinnen und Schülern Medienkompetenzen zu vermitteln, kam es im Februar 2012 dann endlich zum Rollout der Schülergeräte und zur konkreten Umsetzung geplanter Vorhaben.

DM: Welche Projekte gab es schon an Ihrer Schule?

AM: In einem ersten Schritt wurden gemeinsam mit den Kindern Regeln im Umgang mit den iPads erarbeitet, ausgewählte Apps handlungsorientiert erprobt sowie erste Unterrichtsprojekte initiiert. Beispielsweise recherchierten die Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer Unterrichtsreihe zum Thema „Der heimische Wald“ im Internet, erstellten erste digitale Mindmaps oder fotografierten und filmten mit den iPads während eines Waldbesuchs oder dokumentierten Interviews mit dem Waldpädagogen. Mit diesen Informationen und den selbst erzeugten Medien entwickelten die Kinder ihre ersten digitalen Präsentationen (Keynotes). Mit Hilfe der Kamera übten sie ihren Vortrag anhand ausgewählter Kriterien. Später präsentierten sie ihre Ergebnisse stolz vor der Klasse via AppleTV.

DM: Wie setzen Sie multimediale Inhalte gezielt für Ihre Arbeit ein?

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Unterricht mit dem iPad in einer Düsseldorfer Grundschule
Foto: Andrea Muschkowski

AM: Ich finde es sinnvoll, sich auf wenige, grundlegende Apps wie beispielsweise Pages, Keynote, iMovie, GoodNotes, BookCreator, Popplet und BaiBoard zu beschränken und damit Content selbstständig zu entwickeln. Das iPad sollte als ein ergänzendes (all in one) Werkzeug, das effizientes, intuitives und vor allem handelndes, mobiles, aber auch barrierefreies Lernen ermöglicht, verstanden und eingesetzt werden. Vor diesem Hintergrund sehe ich vor allem in der Auseinandersetzung mit interaktiven Büchern (iBooks) eine große Chance, da diese kompetenzorientiertes, individuelles und vor allem auch nachhaltiges Lernen in besonderem Maße ermöglichen. Deutschsprachige iBooks für Kinder im Grundschulalter existieren allerdings kaum beziehungsweise sie genügen meinen inhaltlichen und didaktischen Ansprüchen häufig nicht. Deshalb entwickele ich selbst seit 2012 regelmäßig thematische iBooks, die interaktiv und multimedial sind und die unterschiedlichen Sinne und Lerntypen berücksichtigen. Sie integrieren verschiedene Filme, Fotogalerien, Hörtexte, Hyperlinks sowie interaktive Quiz und Aufgaben mit Multi-Touch-Elementen. Für mich als Lehrerin ist es eine große Freude zu beobachten, wie hochmotiviert, eigenverantwortlich und nachhaltig die Schülerinnen und Schüler mit den iBooks lernen.

DM: Meinen Sie, dass man „lesemüde“ Kinder über das Tablet für Literatur und Lesen begeistern kann?

AM: Lesen ist eine Basiskompetenz für die Teilnahme am gesellschaftlichen und kulturellen Leben. Da Kinder in ihrer Grundschulzeit über sehr unterschiedliche Lesefähigkeiten verfügen, ist es die Aufgabe der Schule, ihnen Unterstützungen – vor allem durch die Herstellung einer für sie angenehmen wie auch nützlichen Lesekultur – anzubieten. Sicherlich können das Tablet und ausgewählte Apps oder Lese(lern)programme dazu beitragen, die Entwicklung der Lesefähigkeit zu unterstützen beziehungsweise die Lesekompetenzen der Schülerinnen und Schüler auszubilden, sofern sie dadurch das Lesen als freudvoll und bereichernd erfahren.

DM: Wie ist Ihre Erfahrung: Haben Kinder – möglicherweise Jungen – durch die neuen technischen Möglichkeiten einen besseren Zugang zu kulturellem Wissen und Bildung?

AM: Sicherlich können digitale Medien dazu beitragen, dass Kinder einen besseren beziehungsweise differenzierteren Zugang zu Wissen und Bildung erhalten. Bei der bloßen Nutzung von Medien können Schülerinnen und Schüler mediale Inhalten und Aussagen allerdings noch lange nicht angemessen einschätzen. Dafür brauchen sie die erforderlichen Medienkompetenzen. Kinder sollen zu Hause und in der Schule dazu angeleitet werden, Informationen und mediale Vermittlung zu hinterfragen und zu lernen, wie sie sich sicher und verantwortungsvoll in der „digitalen Welt“ bewegen können.

DM: Was meinen Sie, ist es möglich und erstrebenswert, dass der Wissenserwerb mithilfe der neuen Technologien stattfindet und nicht mehr über traditionelle Lehrformen wie den klassischen akademischen Unterricht?

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Biologieprojekt mit dem Arbeitsmittel iPad
Foto: Andrea Muschkowski

AM: Die Welt um uns herum verändert sich und damit einhergehend natürlich auch die Anforderungen an das Lehren und Lernen. Traditionelle Lehrformen sollten durch den Einsatz innovativer Technologien nicht ersetzt, sondern erweitert werden. Computer und Tablets sind kein Ersatz für die Bewegung in der Natur, das Schreiben mit einem Stift oder das Spielen eines Instruments. Ihr ausschließlicher Einsatz in der Grundschule wäre verheerend. Dennoch bieten neue Technologien eine Vielzahl an Möglichkeiten, selbstständiges, eigenverantwortliches, projektorientiertes, exploratives und kollaboratives Lernen zu implementieren. Bestenfalls gestalten Schülerinnen und Schüler ihr Lernen mit, verstehen Zusammenhänge und erwerben Kompetenzen, die in einer Welt, in der die Anzahl der verfügbaren Inhalte und Informationen unaufhörlich wachsen, immer wichtiger werden.

DM: Vielen Dank für dieses Interview. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Spaß und Erfolg bei Ihrer Arbeit!

Links zum Thema Tablets im Unterricht

Andrea Muschkowski: „Biologie im Sachunterricht der Grundschule. Eine multimediale Unterrichtsreihe zum Thema Schnecken – Grundschulkinder lernen interaktiv mit Hilfe eines thematischen iBooks“. In: Biologie 2.0 – Kompetenzorientierung und Medieneinsatz (PDF)

Lernen mit digitalen Medien. Medienbrief Nr. 02 des Zentrum für Medien und Bildung, 02/2013 (PDF)

Sachsen startet ins Klassenzimmer der Zukunft

Informationswebsite Tablet in der Schule

Lernen mit dem iPad – Tablets in Lehre und Unterricht (hier findet man Links zu Projektschulen)

„Baut die beste Lese-App, die ihr euch vorstellen könnt!“ Interview mit Lolli

Dieser Tage hat uns eine besondere Mail erreicht: „Hallo Anna, ich sehe, ihr macht eine Menge Wind wegen eurer App. Ich finde das alles richtig gut. Ihr habt da Bock drauf und wisst, wovon ihr redet. Ich verfolge das ganz aufmerksam.“ Das schrieb uns Lolli, ein guter Bekannter aus wilden Jugendtagen. Bevor wir Daktylos Media überhaupt offiziell gründeten, hat er uns bereits mit vielen nützlichen Tipps für Startupper und Crowdfunder zur Seite gestanden und war dann auf Startnext einer der ersten Fans und Unterstützer unserer Meta Morfoß App. Nun schlug er vor, uns für den erfolgreichen Abschluss des Crowdfundings ein Darlehen in fünfstelliger Höhe zur Verfügung zu stellen. Für uns ist dies eine der größten Überraschungen in unserem Leben! Glücklicherweise erwischen sie einen manchmal und dann eröffnen sie völlig neue, völlig unerwartete Perspektiven. Dann fühlt man sich nicht mehr als Schildkröte, die versucht Rollschuh zu fahren, sondern als fabelhafter Drache, der endlich in die Luft steigen und losfliegen darf.

Im Interview mit Daktylos Media erzählt Lolli, warum er sich zu diesem für beide Seiten enormen Schritt entschlossen hat.

Meta Morfoss App Daktylos Media #MetaCrowd Lolli
Dank Lolli kann Meta Morfoß endlich einmal so richtig losdampfen!
Illustration: KClogg (c) Daktylos Media

„Mit nichts“ angefangen

Daktylos Media (DM): Lieber Lolli, du verfolgst von Anfang an unsere Idee, innovative Kinderbuch-Apps in die Welt zu bringen. Bald endet unsere Crowdfunding-Kampagne auf Startnext und nun kam dein überraschendes Angebot, dass du uns für einen erfolgreichen Abschluss mit einem Darlehen unterstützen willst. Wir sind baff und total glücklich und danken dir für dein großes Vertrauen in uns und unser Projekt!
Erzähl: Warum hast du dich für diesen Schritt entschieden?

Lolli (L): Ich hab selber mal „mit quasi nichts“ angefangen. Ich war sogar im Dispo bei der Sparkasse. Ich hatte aber die Idee mit dem Hostel und es gab damals zwei Leute, die mich unterstützt haben. Meine Mutter mit einem bestimmten Betrag und vor allem meine damalige Freundin. Sie ist das dritte Kind ihrer Familie. Und die erste Tochter hatte sich mal von ihrer Mutter Geld geborgt, und etwas mehr zurückgezahlt, danach die nächste Tochter und zuletzt eben meine Freundin, die mich und meine Idee mit dem Geld unterstützte. Ich hatte damals nichts, keine Sicherheiten und aus heutiger Sicht auch keine Ahnung. Aber es hat erfreulicherweise funktioniert. Ich betreibe mein Hostel nun seit mehr als 13 Jahren, es ist meine Lebensgrundlage und ein Job, der mir viel Spaß macht, mir viele Freiheiten und Gestaltungsmöglichkeiten gibt. Glücklicherweise war ich in der Lage, das geborgte Geld relativ schnell wieder zurückzuzahlen. Ich denke, man kann mit verhältnismäßig kleinen Summen eine Menge ermöglichen, und ich freue mich, wenn mutige Unternehmer eine Chance bekommen können.

Lolli Daktylos Media
Lolli mit seinem Sohn

Mit dem Crowdfunding für die Meta Morfoß App eine Lücke im Verlagsgeschäft füllen

DM: Was gefällt dir an der Meta Morfoß App? Was würdest du dir noch von uns wünschen?

L: Ich mag die Idee der anspruchsvollen Verbindung von Lesestoff mit den Möglichkeiten aktueller Technologien. Ich denke, hierin liegt ein großes Potential und eine Lücke, die innovative Gründer schneller und besser füllen können als große Verlage. Ich wünsche euch eine konsequente Umsetzung eurer Ideen. Baut die beste Lese-App, die ihr euch vorstellen könnt!

DM: Du hast auch Crowdfunding-Projekte durchgeführt. Würdest du „es wieder tun“ – und wenn ja, wie?

L: Ich hatte damit persönlich leider keine gute Erfahrung gemacht. Unser Projekt, die Kofinanzierung eines kostenlosen USE-IT Stadtplanes von Dresden für jugendliche Touristen, war zwar am Ende glücklicherweise erfolgreich. Aber der Aufwand dafür war immens. Es wäre effektiver gewesen, für den Betrag ganz normal arbeiten zu gehen und das damit verdiente Geld zu verwenden, als mit mehr Zeitaufwand Unterstützungen übers Crowdfunding zu sammeln.
Man hört immer solche Erfolgsgeschichten, wo irgendwelche Projekte Hunderttausende einsammeln. Das sind aber Leuchttürme. Für viele sehr gute Crowdfunding Projekte gibt es leider zu wenig Unterstützung.
Deswegen helfe ich euch auch gern, einfach, weil ich weiß, wie mühselig das ist und was ihr alles schon getan habt, um eurem Projekt zum Erfolg zu verhelfen. Auch wenn das natürlich nicht zählt: Ich finde, ihr habt den Erfolg verdient!

Was Start-ups für den Erfolg brauchen

DM: Was sind für dich drei wichtige Punkte für ein erfolgreiches Start-up?

L: Eine gute Idee haben und daran glauben. Auf Feedback und Erfahrungen reagieren und sein Projekt entsprechend an die Gegebenheiten immer neu anpassen. Gewinnen heißt einmal mehr aufzustehen, als man gefallen ist.

DM: Du bist selbst Unternehmer. Was genau machst du und wie sind dein Pläne für die nächste Zeit?

L: Ich betreibe das Hostel Lollis Homestay in Dresden und das Labyrinth Hostel in Weimar. Ich bin bei beiden Häusern allerdings nicht mehr im täglichen Ablauf involviert. Meine aktuelle Aufgabe ist das Backpacker Network Germany, der Verband der unabhängigen, privat geführten Hostels in Deutschland. Wir haben vor wenigen Wochen unsere neue Webseite gelauncht und da gibt es auch noch weiterhin viel Entwicklungspotential. Ich vertrete die Interessen der Hostels gegenüber der Politik, es gibt verschieden Treffen der Hostels, die ich organisiere, Flyer, Plakate, Pressearbeit, also ganz verschiedene Sachen, um die Idee des selbständigen, preisgünstigen und individuellen Reisens zu promoten. Wer in Deutschland preisgünstig übernachten will: Seht auf unsere Seite, wir haben ganz viele, ganz tolle Hostels in Deutschland, in denen ihr immer interessante Leute aus der ganzen Welt treffen könnt!

DM: Vielen Dank, Lolli, für dieses Interview! Wir hoffen, dass wir dir und deinem Sohn sehr bald die Meta Morfoß App aufs Tablet liefern können und wünschen dir alles Gute!

Daktylos Media und ihre Lesequest bei Emilia und die Detektive

DaktylosMedia
Emilia und die Detektive: Lovely People & 5 Questions – Daktylos Media und ihre Lesequest
Daktylos Media trifft auf Emilia und die Detektive: Wir haben mit Meta an der Hand Emilias fünf berühmte Fragen beantwortet – viel Spaß beim Lesen!

Die DIY-Bloggerin schreibt über uns: “Da ich selber ein Freund von elektronischen Geräten bin und meine Kinder damit aufwachsen, was ich auch bewusst, aber begrenzt zulasse, war ich von Daktylos Media’s Idee sehr angetan, dass man ein Buch/eine Geschichte auf dem iPad spielerisch und aktiv lesen kann”.

Uljana Wolf: „Schreiben und Übersetzen heißt, sich Meta-artiges Desaster einzuladen“

Die Schriftstellerin, Lyrikerin und Übersetzerin Uljana Wolf erzählt im Interview mit Daktylos Media über ihre Beziehung zu der Erzählung Meta Morfoß von Peter Hacks, über die Frösche in den Texten und den Einfluss der digitalen Medien auf das Schreiben. Uljana Wolf hat gemeinsam mit Josepha Conrad Meta Morfoß für unsere erste Kinderbuch-App ins Englische übertragen.

Daktylos Media (DM): Liebe Uljana, nachdem wir dich für die Übersetzung der Erzählung Meta Morfoß von Peter Hacks ins Englische angefragt hatten, haben wir uns riesig über deine schnelle Zusage gefreut und danken dir noch einmal herzlich dafür! (Und vielen Dank auch an die freie Lektorin Meike Herrmann, die uns diesen Tipp gab.)
Erzähl, wie kam es denn zu deiner schnellen Entscheidung dafür?

Uljana Wolf (UW): Meta Morfoß war eines meiner liebsten Kinderbücher, ein gelbes Trompeterbuch mit blauem Rücken und herrlich widerspenstigen Illustrationen von Gisela Neumann. Es steht noch immer in meinen Bücherschrank, wandert und verwandelt die umstehenden Bücher dabei nicht wenig mit. Ich fand die Möglichkeit sofort großartig, Metas Geschichte ins Englische zu bringen und damit auch meinen Freunden und ihren Kindern zugänglich zu machen.

Meta Morfoß. Trompeterbuch-Ausgabe des Kinderbuchverlags Berlin  von 1986. Neu aufgelegt 2008 vom Beltz Verlag.
Peter Hacks: Meta Morfoß.
Illustrationen von Gisela Neumann
Trompeterbuch-Ausgabe
des Kinderbuchverlags Berlin von 1986
Neu aufgelegt 2008 vom Beltz Verlag.
Trompeterbuch-Ausgabe
Trompeterbuch-Ausgabe

DM: Welche Rolle spielt Meta Morfoß in deinem Leben?

UW: Welche Rolle spielt ein Mädchen, das sich in Muscheln, Dampfloks und zähnefletschende Krokodile verwandeln kann? Das eine schnurrbärtige Tante namens Herr Maffrodit hat? Im Ernst? Meta ist die Alternative zu Transformers, ohne die üblich moralische Kämmung der Wirklichkeit. Es ist eine Geschichte darüber, wie man dem Zwang zur Eindeutigkeit entkommen kann – und soll; wie man vieles und anders sein kann – Mädchen und wütend, Tante und Herr, Engel und Krokodil. Verwandlungsfähig ist eigentlich das Gegenteil von wandlungsfähig, was gemeinhin mit Anpassung assoziiert wird. Aber Meta passt sich nur ihren wunderbaren Versionen der Wirklichkeit an, kein Wunder, dass auch Einstein auftaucht. Peter Hacks spielt das alles mit einem feinen trockenen Humor durch, mit comic timing und Spottsprengseln gegen wirkliche oder selbsternannte Autoritäten, die meinen, uns Identitäten verpassen zu müssen.

Uljana Wolf. Foto: Timm Kölln
Uljana Wolf. Foto: Timm Kölln

DM: Wie gestaltete sich der Übersetzungsprozess für die englische Version von Meta Morfoß, worauf bist du gestoßen, was hast du mitgenommen? Hat das Wissen, dass dein Text für eine Kinderbuch-App sein soll, beim Übersetzen eine Rolle gespielt?

UW: Ich habe zwei Durchgänge ins Englische übersetzt, den dritten Durchgang hat die Musikerin und Autorin Josepha Conrad a.k.a. Susi Asado übernommen, die vierten haben wir zusammen gemacht. Josepha ist Muttersprachlerin, was besonders im Hinblick auf die komischen Effekte der Sprache ganz wichtig war. Zum Beispiel spricht der unbeholfene Räuber sehr unbeholfen und ist darum gar nicht gefährlich („Hände hoch, sonst wird geschossen“) – da muss man im Englischen mit einem Gefühl für das Ausgelassene und Sprachverpasste spielen, bis es den gleichen Effekt hat.

Das Medium, in das wir übersetzen, hat keinen Einfluss auf die Übersetzung gehabt – bis auf das Wissen, dass jeweils Schlüsselwörter die Animationen in Gang setzen, die wir möglichst beibehalten wollten. Da sich das deutsche und das englische Sprachsystem relativ ähnlich sind, stellte das kein großes Problem dar.

DM: Du bist Lyrikerin, Schriftstellerin und Übersetzerin. Wie wird man „das“? Welche Rolle spielt das Lesen?

UW: Die amerikanische Dichterin Marianne Moore, die übrigens in der gleichen Straße in Brooklyn lebte, in der ich Meta übersetzt habe, sagte einmal: Gedichte sind imaginäre Gärten, in denen echte Frösche leben. Das könnte man genauso über alle guten Bücher sagen – und es ist der Vorgang des Lesens, der jene Frösche wirklich und lebendig macht, genauso wie der Leser vom Lesen verwandelt wird, vervielfacht, es ist ein beidseitiges Verwandlungsverhältnis. Man vergisst ja viel zu oft, dass die Bücher nicht dieselben bleiben, dass sie durch uns genauso wandern, und hier meine ich nicht, dass sie sich in kleine widerspenstige Mädchen verwandeln können, wie am Ende von Peter Hacks’ Geschichte. Marianne Moore schreibt übrigens toad und nicht frog, also eigentlich leben in ihren Gärten Kröten. Vielleicht hätte ich Kröten schreiben sollen, aber das Wort liegt mir schwer im Ohr, außerdem hocken Kröten immer auf irgendwelchen Eingängen, dabei geht es hier um Offenheiten. Und auch darum bin ich Übersetzerin geworden, weil die Sprachen und unsere in ihnen vermittelten Wirklichkeiten keine eindeutigen Beziehungen abbilden, sondern vielfältig und durchlässig sind, weil man ihre Wirklichkeiten ändern kann. Wenn ich Frösche schreibe, lade ich nämlich eine ganz andere Verwandlungsgeschichte ein, in der auch ein Mädchen wütend ist und einen selbst ernannten Prinzen an die Wand klatscht. Warum nicht? Schreiben und Übersetzen heißt, sich Meta-artiges Desaster einzuladen, Verwandlungen und Abschiede zu üben.

DM: Und noch mehr übers Lesen. Unsere Meta Morfoß App soll Kinder über die Faszination für Technik, nämlich Tablets, fürs Lesen und für Literatur begeistern. E-Books und Apps erobern den Markt. Wie sind deine Eindrücke der Entwicklungen in der Buchbranche? Wohin entwickelt sich das Lesen heute deiner Meinung nach hin?

UW: Ich kann wenig von den Entwirklichungen der Branche berichten und meine Tochter ist noch nicht alt genug, um ein Tablet zu bedienen. Zwei Fehler in diesem Satz und ich tat nur einen, mein Autokorrektur für den anderen dazu. Ich begrüße alle Entwicklungen, die Autokorrekturverhalten entgegen wirken, in allen Medien – und Lesen, sich Literatur erobern, egal auf welchem Gerät, gehört erst einmal dazu.

DM: Und von deiner Warte als Lyrikerin und Schriftstellerin aus: Wie verändert sich das Schreiben durch die neuen digitalen Medien? Welchen Einfluss haben sie auf dein Schreiben?

UW: Als Übersetzerin interessiert mich zum Beispiel, wie die Auslagerung von Wissen in Clouds und Schwarmintelligenzen (crowd / crow?) Entscheidungen beim Übersetzungsprozess verändern kann. Und zwar in vieler Hinsicht: ich kann sehr viel rascher unendlich viele culture codes nachschlagen, ohne mich vom Fleck zu bewegen, ich kann über Facebook bei Muttersprachlern oder anderen Übersetzern Hilfe bei obskuren Stellen erfragen. Gleichzeitig gibt es eine größere Bereitschaft auf der Seite von Lektoren, Verlagen und Lesern, Fremdheit zu belassen, sie nicht erklärt oder eingedeutscht haben zu wollen, weil man kann das ja googeln. Das ist gut, es bringt Übersetzungen als komplexe durchlässige Texturen voran.

DM: Vielen Dank für das Interview!

Das Crowdfunding für die Meta Morfoß App läuft noch bis zum 20. April 2014. An alle Literaturliebhaber*innen, Leseratten und App-Geeks: Unterstützt die Meta Morfoß App www.startnext.de/meta-morfoss-app!

Lesequests und Elternpaare als Gründer – Interview mit Anna und Nick von Daktylos Media (Blog Essential Unfairness)

Ich habe mich in den letzten Tagen ein paar Mal mit Anna von Daktylos Media unterhalten. Anna hat zusammen mit ihrem Mann vor kurzem einen Verlag für Kinderbuch-Apps gegründet. Aktuell haben die beiden eine Crowdfunding-Kampagne für ihr erstes Projekt bei Startnext.

Du hast letztes Jahr zusammen mit Deinem Mann Daktylos Media gegründet. Ich lese immer häufiger von Start-Ups im Familienbereich, wo sich die Eltern zusammen selbstständig machen. Um ehrlich zu sein beneide ich das ein wenig. :-) Wie ist es bei Euch zu diesem Entschluss gekommen?

Bis 2011 haben wir in Moskau gelebt. Dort habe ich die Internetredaktion für das Russland-Portal des Goethe-Instituts geleitet. Nick war Leiter des Projektmanagements in einem bekannten Architekturbüro. Die Idee, ein gemeinsames Projekt für Kinder und Familien aufzuziehen, lockte uns schon lange. Als dann unser drittes Kind unterwegs war, beschlossen wir die nächsten Jahre in Deutschland zu leben. Nick wollte gern etwas Neues, Eigenes machen, aber als selbständiger Berater für Immobilienentwicklung einzusteigen, war schwierig. Ich arbeite seit dem Umzug freiberuflich als Projektkoordinatorin, Übersetzerin und Autorin, war aber auf der Suche nach einer eigenen Idee, einem eigenen Projekt. Während meines Studiums hatte ich in Verlagen mitgearbeitet, was mir unheimlich viel Spaß machte, aber mit unserer Familiensituation sah ich da beruflich keine Chance. Nach einem Coaching im letzten Sommer kristallisierte sich dann die Idee heraus, interaktive Kinderbücher für mobile Geräte zu machen. Nick war begeistert von der Idee, einen solchen Verlag zu gründen, und stieg sofort mit ein.

Und wie klappt das Modell “Parentrepeneur” in der Praxis? Bin ich zu recht neidisch?

Zurzeit haben wir keinerlei Freizeit, auch an den Wochenenden arbeitet immer einer von uns, so gut sich das eben mit der Familie vereinbaren lässt. Aber wir machen etwas, was uns begeistert. Unsere Kinder spüren das und haben wirklich viel Verständnis. Wir arbeiten als Partner zusammen, täglich erkennen und erleben wir die Stärken des anderen und ergänzen uns wunderbar. Wir haben jeden Tag Sex, sobald die Kinder weg sind. Private Zeit zu zweit haben wir in dieser heißen Phase – der Finanzierungsphase unserer Crowdfunding-Kampagne für unsere erste App – so gut wie nicht. Wir meistern alles mit dem berühmten Eltern-Mantra: „Es ist alles nur eine Phase!“ Und mit ein bisschen Hilfe des Universums werden unsere Kinder nicht krank und läuft es bei dem Großen in der Schule einigermaßen von allein. Es ist noch nicht klar, wann wir Geldsäcke stapeln werden. Neidisch sein? Es kommt darauf an, wie man seine Prioritäten setzt.

Euer aktuelles Projekt ist eine interaktive App für Tablets, die sich an Kinder ab acht Jahren richtet. Meine Mädels sind allesamt schon ziemlich iPad-affin – sie bevorzugen jedoch meist kleine Anzieh- oder Malspiele. Was bietet “Meta Morfoß”, um Kinder in den Bann zu ziehen?

Meta prototypscreen

Die App macht spielerisch aufs Lesen neugierig. Wir haben ein besonderes Format entwickelt, die „Lesequest“. Man liest den Text und findet darin Schlüsselwörter. Wenn man diese antippt, werden die Illustrationen animiert und es passiert etwas im Bild. So kommt man in der Geschichte weiter. Die gesuchten Wörter kann man sich im Menü auch anzeigen lassen. Der Prototyp ist fertig und wir sehen, dass Kinder auf die farbenfrohen, ungewöhnlichen Zeichnungen unserer App anspringen. Unsere Kinder lieben die wunderbaren Erzählungen von Peter Hacks für Kinder. Meta Morfoß ist eine davon. Unser Sohn (10) hat sie verschlungen und über den Prototyp mehrmals wieder gelesen. Unsere erste Tochter – sechsjähriges Vorschulkind – spielt auch oft damit. Sie findet schon die Schlüsselwörter im Text und schaut sich darüber immer wieder gern die animierten Bilder an.

In einem Satz – worum geht es in der App?

In der Geschichte geht es um Meta Morfoß, ein Mädchen, das mit der Fähigkeit auf die Welt gekommen ist, sich in alles Mögliche verwandeln zu können.

An sich geht es darum, für Kinder Lesespaß und Technikfaszination zu verbinden.

Eure App soll eine Lücke im App Store schließen – obwohl es heutzutage ziemlich schwer ist, da noch eine Lücke zu finden. Wie unterscheidet Meta Morfoß sich von anderen Apps für Kinder?

Wenn man sich anschaut, was es bisher in den Stores an Lesestoff für Kinder auf dem Tablet gibt, dann sind das entweder E-Books oder Buch-Apps. E-Books sind technisch gesehen nicht wirklich neue Formate, es sind Bücher mit Beleuchtung, die nicht mehr in der Wohnung herumliegen. Unter den E-Books gibt es inzwischen auch viele schöne mit animierten Illustrationen, aber erstens lenken diese die Kinder, die dann nur noch mit Tippen und Wischen beschäftigt sind, vom Text ab, und zweitens sind diese enhanced Varianten meistens nur für Kinder im Kleinkind- oder Vorschulalter gedacht – für Kinder im Lesealter, so zwischen sechs und zwölf Jahren, gibt es auf Deutsch keine interaktiven Bücher. Was die Buch-Apps angeht, so sind darunter viele, die sich so nennen, aber die sich oft als reine Spiele herausstellen – das Lesen spielt keine Rolle mehr – und deren inhaltliche und gestalterische Qualität in unseren Augen schlecht ist. Spiele auf dem Tablet an sich sind gut, manchmal sind sie die einzige Rettung für die Eltern, wenn man einfach mal eine Verschnaufpause braucht. Aber zwischen dem Spielen und dem Lesen gibt es noch keine echte Brücke. Die schlagen wir mit dem Lesequest-Format, das ist neu und weltweit einmalig. Außerdem ist die App mehrsprachig, man kann in ihr zwischen Deutsch, Englisch und Russisch umschalten.

Ihr habt einige spannende Design-Entscheidungen getroffen, wie zum Beispiel den Verzicht auf gängige “Geschlechterklischees”. Auch der Stil der Illustrationen ist etwas Besonderes. Wie seid Ihr zu diesen “Design Choices” gekommen?

Zum einen spielt die Geschichte ja selbst permanent mit Geschlechterklischees und sozialen Normierungen. Meta ist kein „normales“ Mädchen, sie nimmt jeweils die Identität an, auf die sie gerade Lust hat, egal, ob das nun eine Wollsocke, ein Krokodil, Albert Einstein oder ein Engel ist, und egal, ob sie gerade in der Schule sitzen muss oder draußen spazieren geht. Außerdem gehört zu ihrer Familie noch eine Tante namens Herr Maffrodit (in Anspielung an Ovids berühmte Erzählung über den Hermaphroditen), die einen Schnurrbart hat und gerne strickt. Für so eine Geschichte brauchen wir Bilder, die dieses ironische Spiel mit dem Text widerspiegeln. Blonde Feen in Rosa oder knuffige Piraten passen dazu nicht. Bei der Auswahl des Illustrators war für uns nicht aussschlaggebend, ob er oder sie bereits Erfahrung mit der Illustration für Kindermedien hatte. Das wichtigste Kriterium bei der Auswahl war die Originalität der Zeichnungen und Farbgebung, ungewöhnlich sollten sie sein – und uns selbst natürlich gefallen. Außerdem wollen wir Kindern etwas Neues anbieten, sie anregen und ihren Geschmack mit entwickeln, was Inhalte und Gestaltung angeht.

Für alle Geeks unter meinen Lesern: Plant Ihr auch andere Plattformen wie Android zukünftig zu nutzen?

Unseren Prototyp haben wir für iOS programmieren lassen. Für Android werden wird eine eigene Version der fertigen App programmieren lassen. Die Meta Morfoß App wird man also im AppStore, bei Google Play und bei Amazon kaufen können.

Damit die App aber überhaupt realisiert werden kann, brauchen wir jetzt die Unterstützung der Crowd, also wirklich jeden! Wir haben noch 26 Tage Zeit. Jede noch so kleine Summe, die jetzt gespendet wird, hilft dabei, unser weltweit einzigartiges Projekt realisieren zu können.

Danke für das Gespräch, Anna!

Und hier der Link zur Kampagne: http://www.startnext.de/meta-morfoss-app

Interview: Stefan Epler

Zuerst erschienen am 26. März 2014 im Blog Essential Unfairness

„Kinder? Ich kenne gar keine.“ Ein Gespräch über Peter Hacks als Kinderbuchautor

Unsere erste Buch-App bringt Peter Hacks’ Erzählung Meta Morfoß auf iPads und Android Tablets. Im Interview mit Dakytlos Media erzählt Verleger Dr. Matthias Oehme über Peter Hacks und dessen wunderbare Texte für Kinder.

Peter Hacks, 1976. Foto: Bundesarchiv
Peter Hacks, 1976. Foto: Bundesarchiv

Daktylos Media (DM): Wo und wie haben Sie Peter Hacks kennengelernt?

Matthias Oehme (MO): Den Dichter kenne ich schon lange, persönlich habe ich ihn aber erst spät kennengelernt. Das geschah in einer Zeit, in der ich den Eulenspiegel Verlag übernommen hatte, also etwa 1994, und Hacks als Autor zu gewinnen versuchte. Und obwohl sich das nicht gleich machen ließ, war er sehr freundlich, aufgeschlossen und überaus interessiert, was hier mit dem alten DDR-Verlag passiert. Ich hatte den Eindruck, dass unsere Begegnungen und Gespräche, teils im Verlag, teils bei ihm in der Schönhauser Allee oder draußen auf seinem Landsitz, von Sympathie und Einverständnis geprägt waren. Er wollte schon gern bei uns publizieren.

DM: Was ist Ihnen von Hacks besonders in Erinnerung geblieben?

MO: Auch wenn es nur ein Aspekt ist, so sollte man den doch nicht unterschätzen: Ich hatte den Eindruck, dass er ungemein neugierig war; er ließ sich gern über alle Sachverhalte und Personen Neues berichten, seien es die Umstände des Verlagsgeschäfts, politische Entwicklungen oder eben literarischer Tratsch; nur Neues sollte es eben sein. Alles andere langweilte ihn schnell. Und natürlich hatte er zu allem ein Urteil; ich nenne es nicht Meinung, denn meist war das gegründeter als eine bloße Meinung.

T. liest Geschichten von Henriette und Onkel Titus, zweite Auflage des Kinderbuchverlags 1982 (c) Daktylos Media
T. liest Geschichten von Henriette und Onkel Titus, zweite Auflage des Kinderbuchverlags 1982 (c) Daktylos Media

DM: Hacks, der selber keine Kinder hatte, hat wunderbare Kinderliteratur geschrieben. Was macht aus Ihrer Sicht diese Texte so zeitlos und so stark?

MO: Ja, sie sind nicht kindertümelnd, nicht didaktisch, tief von einsehbarer Logik und spaßhafter Vernunft geprägt, was Kindern sehr gefällt, es handelt sich um kräftige, phantasievolle Fabeln, um sprachlich klare und originelle, dabei hochpoetische Texte, und es sprechen sich jeweils herausragend selbstbewusste Haltungen und ein frohgemuter Handlungswillen aus. Das ist Literatur nicht nur für Krisen oder Phasen des Niedergangs, das ist haltbar. „Ein Ding von Schönheit ist ein Glück auf immer.“

DM: Wissen Sie, welche Bedeutung das Schreiben von Texten für Kinder für Hacks persönlich hatte, welchen Raum es in seinem Leben einnahm, was er damit verband?

MO: Er selbst hat ja darüber in seinem Aufsatz „Was ist ein Drama, was ist ein Kind?“geschrieben, ich mag nicht besserwisserisch sein. Für Kinder zu schreiben war ihm, glaub ich, literarisch-ästhetisch nicht so sehr wichtig, insofern sind all diese Texte Blumen eher vom Feldrain der Poesie. Die Verfertigung dieser Sachen kam aber seinem Naturell entgegen, will sagen, er hatte offenbar öfter mal überbordende Lust drauf. Das ist so, wie dieser große Dramatiker gelegentlich eben auch Gedichte oder erzählende Texte geschrieben hat. Außerdem hatte er ein hochentwickeltes Genrebewusstsein, so dass ihm klar war, dass bestimmte Gegenstände eben nur in den Sagweisen der Kinderliteratur sich behandeln lassen.

Auf die Frage, wieso er für Kinder schreibt und sie offenbar gut kennt, hat er 1977 dem DDR-Kinderbuchverlag einmal so geantwortet:

Man fragt: Sie haben natürlich Kinder? Ich erwidere, nein. Man fragt: woher kennen Sie sie dann? Ich erwidere: ich kenne gar keine. Hiernach verwundert man sich und fragt: aber Sie scheinen sie doch zu mögen! – Ist das wirklich so schwierig? Ich habe keine Kinder und kenne folglich keine und habe aus diesen beiden Gründen wenig Mühe, mir meine gute Meinung über sie zu erhalten.

DM: Hacks’ Erzählungen wie Meta Morfoß oder Geschichten von Henriette und Onkel Titus entstehen aus dem Spiel mit der Sprache und ihren Bedeutungen, sie erscheinen zuweilen absurd. Kann man sagen, dass es in der DDR-Kinderliteratur auch eine absurde Erzähllinie gab wie beispielsweise im englischsprachigen Raum oder in der jungen Sowjetunion? Oder ist Hacks da eher ein Einzelfall?

MO: Ich vermute, dass die Ähnlichkeiten recht oberflächlich sind. Die Bezeichnungen des Absurden trifft  die Hervorbringungen der Hacksschen Phantasie gar nicht. Hacks ist zwar tatsächlich ein Einzelfall, das denke ich schon auch, aber sein Boden ist definitiv der Realismus; vielleicht macht die Fülle, die Fruchtbarkeit seines Realismusbegriffs ja seine Einzigartigkeit aus. Alles, was uns so sehr phantastisch, gar absurd erscheint, etwa ein Bär, der auf dem Försterball das große Wort führt, sind wirklichkeitsgesättigte und wirklichkeitszugewandte Geschichten mit Witz und Hintersinn, die Kinder durchaus nicht mit den zahllosen sauertöpfischen Produkten von anthropomorphisierenden Halbdidakten verwechseln. Die haben dafür nämlich ein untrügliches Gespür.

Der Bär auf dem Försterball. Illustrationen von Walter Schmögner (c) Eulenspiegel Verlag
Der Bär auf dem Försterball. Illustrationen von Walter Schmögner
(c) Eulenspiegel Verlag

DM: Ein russisches Entwicklerteam, das wir wegen der Programmierung der „Meta Morfoß App“ angefragt hatten, erteilte uns eine Absage: Mit „Hermaphroditen“ wolle man nichts am Hut haben. Wissen Sie, ob Meta Morfoß auch früher schon für Anstoß gesorgt hat?

MO: Naja, ich finde die Episode mit der Absage lustig, aber nicht nur lustig. Bekannt ist mir derlei nicht, obwohl es gegen Hacks von früh an auch immer wieder mal irgendwelche Einwände gegeben hat, auch gegen seine Texte für Kinder. Es sind die Lehrer, die wirklichen und die angemaßten, die oft ihre Schwierigkeiten damit haben. Aber ein so gebildetes Vorurteil ist mir da nicht begegnet; und mehr ist es ja nicht. Ich weiß gar nicht, ob sich daran tatsächlich eine gesellschaftspolitische Debatte entzünden kann. Sie dürfen nicht vergessen, dass ein DDR-Kind ja viel aufgeklärter war als etwa ein westdeutsches. Letztlich auch dank Hacks!

DM: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben!


Matthias Oehme, Geschäftsführer des Eulenspiegel Verlags und Peter Hacks Verleger. Foto: Simone Uthleb (c) Eulenspiegel Verlag
Matthias Oehme, Geschäftsführer des Eulenspiegel Verlags und Peter Hacks Verleger.
Foto: Simone Uthleb
(c) Eulenspiegel Verlag

Dr. Matthias Oehme, geb. 1954, Literaturwissenschaftler und Verleger; Studium der Germanistik in Leipzig, Promotion 1984 mit einer Untersuchung zu Dramaturgie und Dramentheorie beim späten Schiller. Übernahm 1993 zusammen mit Jacqueline Kühne den Verlag Das Neue Berlin und den Eulenspiegel Verlag, beide Verlage wurden durch eine neugegründete Gesellschaft fortgeführt. Ist gelegentlich auch herausgeberisch tätig (Herder, Schiller, Brecht, Hacks).