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„Baut die beste Lese-App, die ihr euch vorstellen könnt!“ Interview mit Lolli

Dieser Tage hat uns eine besondere Mail erreicht: „Hallo Anna, ich sehe, ihr macht eine Menge Wind wegen eurer App. Ich finde das alles richtig gut. Ihr habt da Bock drauf und wisst, wovon ihr redet. Ich verfolge das ganz aufmerksam.“ Das schrieb uns Lolli, ein guter Bekannter aus wilden Jugendtagen. Bevor wir Daktylos Media überhaupt offiziell gründeten, hat er uns bereits mit vielen nützlichen Tipps für Startupper und Crowdfunder zur Seite gestanden und war dann auf Startnext einer der ersten Fans und Unterstützer unserer Meta Morfoß App. Nun schlug er vor, uns für den erfolgreichen Abschluss des Crowdfundings ein Darlehen in fünfstelliger Höhe zur Verfügung zu stellen. Für uns ist dies eine der größten Überraschungen in unserem Leben! Glücklicherweise erwischen sie einen manchmal und dann eröffnen sie völlig neue, völlig unerwartete Perspektiven. Dann fühlt man sich nicht mehr als Schildkröte, die versucht Rollschuh zu fahren, sondern als fabelhafter Drache, der endlich in die Luft steigen und losfliegen darf.

Im Interview mit Daktylos Media erzählt Lolli, warum er sich zu diesem für beide Seiten enormen Schritt entschlossen hat.

Meta Morfoss App Daktylos Media #MetaCrowd Lolli
Dank Lolli kann Meta Morfoß endlich einmal so richtig losdampfen!
Illustration: KClogg (c) Daktylos Media

„Mit nichts“ angefangen

Daktylos Media (DM): Lieber Lolli, du verfolgst von Anfang an unsere Idee, innovative Kinderbuch-Apps in die Welt zu bringen. Bald endet unsere Crowdfunding-Kampagne auf Startnext und nun kam dein überraschendes Angebot, dass du uns für einen erfolgreichen Abschluss mit einem Darlehen unterstützen willst. Wir sind baff und total glücklich und danken dir für dein großes Vertrauen in uns und unser Projekt!
Erzähl: Warum hast du dich für diesen Schritt entschieden?

Lolli (L): Ich hab selber mal „mit quasi nichts“ angefangen. Ich war sogar im Dispo bei der Sparkasse. Ich hatte aber die Idee mit dem Hostel und es gab damals zwei Leute, die mich unterstützt haben. Meine Mutter mit einem bestimmten Betrag und vor allem meine damalige Freundin. Sie ist das dritte Kind ihrer Familie. Und die erste Tochter hatte sich mal von ihrer Mutter Geld geborgt, und etwas mehr zurückgezahlt, danach die nächste Tochter und zuletzt eben meine Freundin, die mich und meine Idee mit dem Geld unterstützte. Ich hatte damals nichts, keine Sicherheiten und aus heutiger Sicht auch keine Ahnung. Aber es hat erfreulicherweise funktioniert. Ich betreibe mein Hostel nun seit mehr als 13 Jahren, es ist meine Lebensgrundlage und ein Job, der mir viel Spaß macht, mir viele Freiheiten und Gestaltungsmöglichkeiten gibt. Glücklicherweise war ich in der Lage, das geborgte Geld relativ schnell wieder zurückzuzahlen. Ich denke, man kann mit verhältnismäßig kleinen Summen eine Menge ermöglichen, und ich freue mich, wenn mutige Unternehmer eine Chance bekommen können.

Lolli Daktylos Media
Lolli mit seinem Sohn

Mit dem Crowdfunding für die Meta Morfoß App eine Lücke im Verlagsgeschäft füllen

DM: Was gefällt dir an der Meta Morfoß App? Was würdest du dir noch von uns wünschen?

L: Ich mag die Idee der anspruchsvollen Verbindung von Lesestoff mit den Möglichkeiten aktueller Technologien. Ich denke, hierin liegt ein großes Potential und eine Lücke, die innovative Gründer schneller und besser füllen können als große Verlage. Ich wünsche euch eine konsequente Umsetzung eurer Ideen. Baut die beste Lese-App, die ihr euch vorstellen könnt!

DM: Du hast auch Crowdfunding-Projekte durchgeführt. Würdest du „es wieder tun“ – und wenn ja, wie?

L: Ich hatte damit persönlich leider keine gute Erfahrung gemacht. Unser Projekt, die Kofinanzierung eines kostenlosen USE-IT Stadtplanes von Dresden für jugendliche Touristen, war zwar am Ende glücklicherweise erfolgreich. Aber der Aufwand dafür war immens. Es wäre effektiver gewesen, für den Betrag ganz normal arbeiten zu gehen und das damit verdiente Geld zu verwenden, als mit mehr Zeitaufwand Unterstützungen übers Crowdfunding zu sammeln.
Man hört immer solche Erfolgsgeschichten, wo irgendwelche Projekte Hunderttausende einsammeln. Das sind aber Leuchttürme. Für viele sehr gute Crowdfunding Projekte gibt es leider zu wenig Unterstützung.
Deswegen helfe ich euch auch gern, einfach, weil ich weiß, wie mühselig das ist und was ihr alles schon getan habt, um eurem Projekt zum Erfolg zu verhelfen. Auch wenn das natürlich nicht zählt: Ich finde, ihr habt den Erfolg verdient!

Was Start-ups für den Erfolg brauchen

DM: Was sind für dich drei wichtige Punkte für ein erfolgreiches Start-up?

L: Eine gute Idee haben und daran glauben. Auf Feedback und Erfahrungen reagieren und sein Projekt entsprechend an die Gegebenheiten immer neu anpassen. Gewinnen heißt einmal mehr aufzustehen, als man gefallen ist.

DM: Du bist selbst Unternehmer. Was genau machst du und wie sind dein Pläne für die nächste Zeit?

L: Ich betreibe das Hostel Lollis Homestay in Dresden und das Labyrinth Hostel in Weimar. Ich bin bei beiden Häusern allerdings nicht mehr im täglichen Ablauf involviert. Meine aktuelle Aufgabe ist das Backpacker Network Germany, der Verband der unabhängigen, privat geführten Hostels in Deutschland. Wir haben vor wenigen Wochen unsere neue Webseite gelauncht und da gibt es auch noch weiterhin viel Entwicklungspotential. Ich vertrete die Interessen der Hostels gegenüber der Politik, es gibt verschieden Treffen der Hostels, die ich organisiere, Flyer, Plakate, Pressearbeit, also ganz verschiedene Sachen, um die Idee des selbständigen, preisgünstigen und individuellen Reisens zu promoten. Wer in Deutschland preisgünstig übernachten will: Seht auf unsere Seite, wir haben ganz viele, ganz tolle Hostels in Deutschland, in denen ihr immer interessante Leute aus der ganzen Welt treffen könnt!

DM: Vielen Dank, Lolli, für dieses Interview! Wir hoffen, dass wir dir und deinem Sohn sehr bald die Meta Morfoß App aufs Tablet liefern können und wünschen dir alles Gute!

Crowdfunding für die Meta Morfoß App – Beginn der Startphase!

Startnext-banner

Ab heute läuft unsere Crowdfunding-Kampagne auf Startnext.de. Mit dem Funding wollen wir die Fertigstellung unserer Meta Morfoß App finanzieren.

Jetzt läuft die Startphase der Kampagne. Mit ihr lenkt man die Aufmerksamkeit auf das Projekt und sammelt Fans. Wenn wir 100 Fans für unser Projekt gesammelt haben, kann die Finanzierungsphase beginnen.Und hier ist nun endlich das lang erwartete Pitch Video!
Darin könnt ihr auch sehen, wie unser App-Prototyp funktioniert.

Unterstützt unser Projekt, das die wunderbare Erzählung Meta Morfoß von Peter Hacks in eine einmalige Buch-App für Kinder und Literaturliebhaber bringt!
Es gibt viele gute Gründe dafür. Hier sind einige:

  1. Unsere Meta Morfoß App verbindet gute Literatur – keine Adaption, keine Nacherzählung – mit originellen Illustrationen und gutem Design.
  2. Wir haben die “Lesequest” entwickelt, ein ganz neues App-Format. Die animierten Illustrationen lenken hier nicht wie bei anderen Kinderbuch-Apps vom Text ab, sondern können erst über das Lesen aktiviert werden.
  3. In der App kann man zwischen Deutsch, Russisch und Englisch umschalten. Und als Stretch Goal, also wenn mehr Geld gespendet wird als erwartet, planen wir noch weitere Sprachversionen hinzuzufügen, beispielsweise Spanisch!
  4. Auf Deutsch gibt es bisher keine innovativen Buch-App-Angebote für Kinder im Lesealter wie überhaupt Leseangebote für diese Altersgruppe in den Stores fehlen. Wir bieten eine Buch-App für Kinder ab acht Jahren. Nach oben gibt es keine Altersbegrenzung, auch für Literaturkenner und -liebhaber ist die Meta Morfoß App eine wunderbares Schatzkästlein auf dem Tablet!
  5. Unser originelles Experiment soll den Spaß am Lesen mit dem Spaß an der Technik verbinden.

Nun brauchen wir euch: Geht auf www.startnext.de/meta-morfoss-app und werdet unser Fan! Wir brauchen 100 Fans, damit die Finanzierungsphase starten kann. Fan unseres Projekts zu sein verpflichtet euch nicht zur Spende! Mit einem Facebook oder Google+ Account könnt ihr auch Fan werden ohne euch bei Startnext zu registrieren.

Buch-Apps: Interaktives Lesen auf Tablet-Computern

Versunken folgen wir den schwarzen Zeichenketten, fühlen das Papier der Buchseiten und hören sie rascheln – so sah und sieht Lesen aus, seit es gedruckte Bücher gibt. Was wird daraus werden?

Es gab viele erschrockene Reaktionen, als 2010 Alice for the iPad erschien, eine der ersten Buch-Apps für mobile Endgeräte. Mit der App-Adaption von Lewis Carrolls Kinderbuch-Klassiker landete Atomic Antelope dennoch einen Riesenerfolg: Durch Schütteln, Tippen und Wischen animiert die App John Tenniels bekannte Illustrationen. Chris Stevens, der Chef dieses jungen britische Verlags, schob seine Kritiker einfach in die Ecke der Ewiggestrigen ab: In der klassischen Buchbranche würde niemand verstehen, dass längst eine neue Zeit angebrochen sei, deren ungeahnte technologische Möglichkeiten es auszuschöpfen gelte, statt sie zu verdammen. Ein Kind, das vielleicht kein gedrucktes Buch in die Hand nehmen würde, könnte über das mediale Format einer App möglicherweise überhaupt erst für Literatur begeistert werden.

Verführerische Zeitdiebe

Spätestens seit das erste iPad auf den Markt kam, ist klar geworden, dass die Neukonzeption des Buches durch digitale Technologien weit über das E-Book hinausgeht. Anders als das E-Book, bei dem es sich um ein Dateiformat für elektronische Bücher handelt, dessen Lesbarkeit zurzeit meistens noch abhängig vom Lesegerät ist, wird eine Buch-App für ein bestimmtes Betriebssystem programmiert. Sie kann über die App-Stores auf mobile Geräte mit dem jeweiligen System heruntergeladen werden. Schon jetzt gibt es in deutschen Haushalten zehnmal mehr Tablets als E-Reader und zunehmend wird auf mobilen Computern gelesen. Kinder wachsen heute selbstverständlich mit diesen Geräten auf. Durch ihre einfache Bedienung und den hohen Unterhaltungswert sind sie verführerische Zeitdiebe und werden nicht zu Unrecht als Gefahr für das Lesen von Büchern gesehen. Aber gleichzeitig bieten sie große Chancen, Inhalte auf bequeme, attraktive und spielerische Weise vermitteln zu können – beispielsweise in Form von Buch-Apps.

(c) Daktylos Media
(c) Daktylos Media

In den großen Online-Stores tragen viele Apps das Wort „Buch“ oder „book“ in ihrer Bezeichnung. Der Begriff „Buch-App“ ist nicht eindeutig. Definiert man als „Buch“ ein mediales Format, bei dem das Geschichtenerzählen im Mittelpunkt steht und es durch eine professionelle ästhetische Gestaltung vermittelt wird, so bleiben in der Kategorie „Bücher“ in den App-Stores nur wenige Anwendungen übrig. Viele Angebote für Kinder stellen sich als Spiele heraus. Hinzu kommt, dass die grafische Gestaltung oft weit unter dem Niveau gedruckter Bücher bleibt. Solche Anwendungen sind dafür aber meistens kostenlos zu haben – im Gegensatz zu den guten, aufwendig gestalteten Buch-Apps. Produkte, die diese Bezeichnung verdienen, bieten ein anspruchsvolles Design und eine Geschichte, deren Erleben um mehrere Dimensionen erweitert wird: durch die physische Interaktion sowie durch Features wie Voice-over, Soundeffekte, Musik, animierte Illustrationen und Spiele. Im Team arbeiten Programmleiter, Autoren, Redakteure, Übersetzer und Illustratoren mit Komponisten, Musikern, Sprechern, Designern für Grafik, Sound, User Interface und User Experience sowie mit Gamedesignern und Programmierern zusammen.

Hohe Kosten, hohes Risiko

Auch nach dem Release einer Buch-App ist der Arbeitsprozess nicht abgeschlossen. In engem Austausch mit den Kunden wird die App verbessert und oft durch neue Features aufgewertet. Buch-App-Projekte brechen die Grenzen klassischer Verlagsarbeit auf. Sie sind aufwendig und kostspielig. Mit ihrer Produktion sind deshalb meist nicht klassische Verlage, sondern oft Firmen aus der Kommunikations- und Unterhaltungsbranche beschäftigt, die Auftragsarbeiten umsetzen und über ein hohes Marketing-Budget verfügen. Das Risiko, dass nach dem Buch-App-Release die Produktionskosten im durchschnittlich fünfstelligen Bereich nicht wieder eingespielt werden, ist hoch.

Buch-App-Pionierarbeit in Deutschland

In Deutschland gehört der Oetinger Verlag zu den wenigen, die sich an die eigene Entwicklung von Buch-Apps gewagt haben. Mit dem Tigerbooks-Format hat Oetinger ein App-Format entwickelt, mit dem er nach und nach seine Erfolgstitel wie Der Regenbogenfisch oder Der kleine Eisbär in interaktive Erlebnisbücher umsetzt. Diese können über die eigens dafür entwickelte Tigerbooks-Buchladen-App heruntergeladen und gelesen werden. Mit dem geplanten Release der TigerCreate-Software im Frühjahr 2014 will der Oetinger Verlag in Zusammenarbeit mit der Tigerbooks Media GmbH die von der Verlagsbranche lang ersehnte Lösung liefern, mit der es möglich werden soll, Buch-Apps für alle relevanten mobilen Betriebssysteme zu exportieren.

Eine Buch-App ist für die klassische Verlagsbranche eine relativ neue Produktvision, die ausgelotet und ausprobiert werden will. Damit ein Buch auch als App zum Lesen und Geschichtenerleben anhält, sind kreative und originelle Konzepte gefragt. Voraussichtlich werden aber Buch-Apps für die Lesenden die klassischen Bücher nicht ersetzen, sondern eher ergänzen. Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Inhalt wie Buch-Apps wird in den nächsten Jahren sicherlich steigen – spätestens dann, wenn ein Tablet wie ein Handy selbstverständlich zu jedem Haushalt dazugehören wird.


Anna Burck
(C) Goethe-Institut Januar 2014
Der Artikel ist ursprünglich erschienen auf www.goethe.de.


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