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Meta Morfoß und die Champions League

„Kommen wir zum Fußball …“
Was hat Daktylos Media mit der Champions League zu tun? Eben eine Menge: Wir hatten euch vor einem Monat schon die MDR-Reportage „Völlig vernetzt – Fluch und Segen der digitalen Welt“ angekündigt, in der heute Abend unser Start-up und die Meta Morfoß App vorgestellt werden sollten. Diese Sendung wird auf den 1. April 2015 verschoben, Sendezeit bleibt 20:45 Uhr. Der Grund: Auf ZDF wird zur gleichen Zeit das Champions League Spiel zwischen Borussia Dortmund und Juventus Turin ausgestrahlt.

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Also, merkt euch den neuen Termin vor: Exakt – Die Story: „Völlig vernetzt – Fluch und Segen der digitalen Welt“
1.4.2015, 20.45–21.15 Uhr im MDR-Fernsehen bzw. im Livestream unterwww.mdr.de und in der Mediathek des MDR.

Lesequests und Elternpaare als Gründer – Interview mit Anna und Nick von Daktylos Media (Blog Essential Unfairness)

Ich habe mich in den letzten Tagen ein paar Mal mit Anna von Daktylos Media unterhalten. Anna hat zusammen mit ihrem Mann vor kurzem einen Verlag für Kinderbuch-Apps gegründet. Aktuell haben die beiden eine Crowdfunding-Kampagne für ihr erstes Projekt bei Startnext.

Du hast letztes Jahr zusammen mit Deinem Mann Daktylos Media gegründet. Ich lese immer häufiger von Start-Ups im Familienbereich, wo sich die Eltern zusammen selbstständig machen. Um ehrlich zu sein beneide ich das ein wenig. :-) Wie ist es bei Euch zu diesem Entschluss gekommen?

Bis 2011 haben wir in Moskau gelebt. Dort habe ich die Internetredaktion für das Russland-Portal des Goethe-Instituts geleitet. Nick war Leiter des Projektmanagements in einem bekannten Architekturbüro. Die Idee, ein gemeinsames Projekt für Kinder und Familien aufzuziehen, lockte uns schon lange. Als dann unser drittes Kind unterwegs war, beschlossen wir die nächsten Jahre in Deutschland zu leben. Nick wollte gern etwas Neues, Eigenes machen, aber als selbständiger Berater für Immobilienentwicklung einzusteigen, war schwierig. Ich arbeite seit dem Umzug freiberuflich als Projektkoordinatorin, Übersetzerin und Autorin, war aber auf der Suche nach einer eigenen Idee, einem eigenen Projekt. Während meines Studiums hatte ich in Verlagen mitgearbeitet, was mir unheimlich viel Spaß machte, aber mit unserer Familiensituation sah ich da beruflich keine Chance. Nach einem Coaching im letzten Sommer kristallisierte sich dann die Idee heraus, interaktive Kinderbücher für mobile Geräte zu machen. Nick war begeistert von der Idee, einen solchen Verlag zu gründen, und stieg sofort mit ein.

Und wie klappt das Modell “Parentrepeneur” in der Praxis? Bin ich zu recht neidisch?

Zurzeit haben wir keinerlei Freizeit, auch an den Wochenenden arbeitet immer einer von uns, so gut sich das eben mit der Familie vereinbaren lässt. Aber wir machen etwas, was uns begeistert. Unsere Kinder spüren das und haben wirklich viel Verständnis. Wir arbeiten als Partner zusammen, täglich erkennen und erleben wir die Stärken des anderen und ergänzen uns wunderbar. Wir haben jeden Tag Sex, sobald die Kinder weg sind. Private Zeit zu zweit haben wir in dieser heißen Phase – der Finanzierungsphase unserer Crowdfunding-Kampagne für unsere erste App – so gut wie nicht. Wir meistern alles mit dem berühmten Eltern-Mantra: „Es ist alles nur eine Phase!“ Und mit ein bisschen Hilfe des Universums werden unsere Kinder nicht krank und läuft es bei dem Großen in der Schule einigermaßen von allein. Es ist noch nicht klar, wann wir Geldsäcke stapeln werden. Neidisch sein? Es kommt darauf an, wie man seine Prioritäten setzt.

Euer aktuelles Projekt ist eine interaktive App für Tablets, die sich an Kinder ab acht Jahren richtet. Meine Mädels sind allesamt schon ziemlich iPad-affin – sie bevorzugen jedoch meist kleine Anzieh- oder Malspiele. Was bietet “Meta Morfoß”, um Kinder in den Bann zu ziehen?

Meta prototypscreen

Die App macht spielerisch aufs Lesen neugierig. Wir haben ein besonderes Format entwickelt, die „Lesequest“. Man liest den Text und findet darin Schlüsselwörter. Wenn man diese antippt, werden die Illustrationen animiert und es passiert etwas im Bild. So kommt man in der Geschichte weiter. Die gesuchten Wörter kann man sich im Menü auch anzeigen lassen. Der Prototyp ist fertig und wir sehen, dass Kinder auf die farbenfrohen, ungewöhnlichen Zeichnungen unserer App anspringen. Unsere Kinder lieben die wunderbaren Erzählungen von Peter Hacks für Kinder. Meta Morfoß ist eine davon. Unser Sohn (10) hat sie verschlungen und über den Prototyp mehrmals wieder gelesen. Unsere erste Tochter – sechsjähriges Vorschulkind – spielt auch oft damit. Sie findet schon die Schlüsselwörter im Text und schaut sich darüber immer wieder gern die animierten Bilder an.

In einem Satz – worum geht es in der App?

In der Geschichte geht es um Meta Morfoß, ein Mädchen, das mit der Fähigkeit auf die Welt gekommen ist, sich in alles Mögliche verwandeln zu können.

An sich geht es darum, für Kinder Lesespaß und Technikfaszination zu verbinden.

Eure App soll eine Lücke im App Store schließen – obwohl es heutzutage ziemlich schwer ist, da noch eine Lücke zu finden. Wie unterscheidet Meta Morfoß sich von anderen Apps für Kinder?

Wenn man sich anschaut, was es bisher in den Stores an Lesestoff für Kinder auf dem Tablet gibt, dann sind das entweder E-Books oder Buch-Apps. E-Books sind technisch gesehen nicht wirklich neue Formate, es sind Bücher mit Beleuchtung, die nicht mehr in der Wohnung herumliegen. Unter den E-Books gibt es inzwischen auch viele schöne mit animierten Illustrationen, aber erstens lenken diese die Kinder, die dann nur noch mit Tippen und Wischen beschäftigt sind, vom Text ab, und zweitens sind diese enhanced Varianten meistens nur für Kinder im Kleinkind- oder Vorschulalter gedacht – für Kinder im Lesealter, so zwischen sechs und zwölf Jahren, gibt es auf Deutsch keine interaktiven Bücher. Was die Buch-Apps angeht, so sind darunter viele, die sich so nennen, aber die sich oft als reine Spiele herausstellen – das Lesen spielt keine Rolle mehr – und deren inhaltliche und gestalterische Qualität in unseren Augen schlecht ist. Spiele auf dem Tablet an sich sind gut, manchmal sind sie die einzige Rettung für die Eltern, wenn man einfach mal eine Verschnaufpause braucht. Aber zwischen dem Spielen und dem Lesen gibt es noch keine echte Brücke. Die schlagen wir mit dem Lesequest-Format, das ist neu und weltweit einmalig. Außerdem ist die App mehrsprachig, man kann in ihr zwischen Deutsch, Englisch und Russisch umschalten.

Ihr habt einige spannende Design-Entscheidungen getroffen, wie zum Beispiel den Verzicht auf gängige “Geschlechterklischees”. Auch der Stil der Illustrationen ist etwas Besonderes. Wie seid Ihr zu diesen “Design Choices” gekommen?

Zum einen spielt die Geschichte ja selbst permanent mit Geschlechterklischees und sozialen Normierungen. Meta ist kein „normales“ Mädchen, sie nimmt jeweils die Identität an, auf die sie gerade Lust hat, egal, ob das nun eine Wollsocke, ein Krokodil, Albert Einstein oder ein Engel ist, und egal, ob sie gerade in der Schule sitzen muss oder draußen spazieren geht. Außerdem gehört zu ihrer Familie noch eine Tante namens Herr Maffrodit (in Anspielung an Ovids berühmte Erzählung über den Hermaphroditen), die einen Schnurrbart hat und gerne strickt. Für so eine Geschichte brauchen wir Bilder, die dieses ironische Spiel mit dem Text widerspiegeln. Blonde Feen in Rosa oder knuffige Piraten passen dazu nicht. Bei der Auswahl des Illustrators war für uns nicht aussschlaggebend, ob er oder sie bereits Erfahrung mit der Illustration für Kindermedien hatte. Das wichtigste Kriterium bei der Auswahl war die Originalität der Zeichnungen und Farbgebung, ungewöhnlich sollten sie sein – und uns selbst natürlich gefallen. Außerdem wollen wir Kindern etwas Neues anbieten, sie anregen und ihren Geschmack mit entwickeln, was Inhalte und Gestaltung angeht.

Für alle Geeks unter meinen Lesern: Plant Ihr auch andere Plattformen wie Android zukünftig zu nutzen?

Unseren Prototyp haben wir für iOS programmieren lassen. Für Android werden wird eine eigene Version der fertigen App programmieren lassen. Die Meta Morfoß App wird man also im AppStore, bei Google Play und bei Amazon kaufen können.

Damit die App aber überhaupt realisiert werden kann, brauchen wir jetzt die Unterstützung der Crowd, also wirklich jeden! Wir haben noch 26 Tage Zeit. Jede noch so kleine Summe, die jetzt gespendet wird, hilft dabei, unser weltweit einzigartiges Projekt realisieren zu können.

Danke für das Gespräch, Anna!

Und hier der Link zur Kampagne: http://www.startnext.de/meta-morfoss-app

Interview: Stefan Epler

Zuerst erschienen am 26. März 2014 im Blog Essential Unfairness