Interactive Children's Books
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„Ich freue mich darüber, wie nachhaltig die Kinder mit den iBooks lernen”

Die meisten Kinder wachsen heute selbstverständlich mit mindestens einem Smartphone oder Tablet im Haushalt auf. Nach und nach wird der Schulpolitik bewusst, dass man die Wissensvermittlung an die heutige Lebenswelt der Kinder anpassen muss. So will beispielsweise Sachsen ab 2015 mit dem Pilotprojekt “Klassenzimmer der Zukunft” Tablets im Unterricht einsetzen. Bisher tut dies nur etwa ein halbes Prozent aller Schulen in Deutschland regelmäßig. Im Interview mit Daktylos Media erzählt die Grundschullehrerin und iPad-Expertin Andrea Muschkowski, wie Kinder an ihrer Düsseldorfer Grundschule mit den smarten Geräten lernen.

Daktylos Media (DM): Liebe Frau Muschkowski, wir freuen uns sehr und danken Ihnen dafür, dass Sie sich bereit erklärt haben, uns über Ihre Arbeit mit dem iPad in der Grundschule zu erzählen! Bitte stellen Sie sich kurz vor!

Andrea Muschkowski
Andrea Muschkowski
Foto: privat

Andrea Muschkowski (AM): Mein Name ist Andrea Muschkowski und ich unterrichte seit zehn Jahren die Fächer Deutsch, Mathematik, Sachunterricht, Sport und katholische Religion an einer Grundschule im Düsseldorfer Norden. Außerdem entwickele ich Unterrichtsmaterialien für das Fach Deutsch und biete Fortbildungen zum Thema “Lehren und Lernen mit dem iPad” an.

DM: Wann und wie sind Sie das erste Mal mit einem Tablet in Berührung gekommen und wie kam es dazu, dass Sie mit iPads im Unterricht arbeiten?

AM: Im November 2011 stand fest, dass unsere Schule an der Initiative „Medienpass NRW“ teilnehmen und im Zuge dessen durch den Schulträger mit 22 iPads ausgestattet wird. Der Förderverein schaffte drei Lehrergeräte zur Unterrichtsvorbereitung an und zwei Kolleginnen und ich setzten sich mit dem iPad als neues, mobiles Endgerät auseinander, erprobten Apps, entwickelten Unterrichtsmaterialien und planten kleinere Projekte. Mit viel Vorfreude und dem Anliegen, unseren Schülerinnen und Schülern Medienkompetenzen zu vermitteln, kam es im Februar 2012 dann endlich zum Rollout der Schülergeräte und zur konkreten Umsetzung geplanter Vorhaben.

DM: Welche Projekte gab es schon an Ihrer Schule?

AM: In einem ersten Schritt wurden gemeinsam mit den Kindern Regeln im Umgang mit den iPads erarbeitet, ausgewählte Apps handlungsorientiert erprobt sowie erste Unterrichtsprojekte initiiert. Beispielsweise recherchierten die Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer Unterrichtsreihe zum Thema „Der heimische Wald“ im Internet, erstellten erste digitale Mindmaps oder fotografierten und filmten mit den iPads während eines Waldbesuchs oder dokumentierten Interviews mit dem Waldpädagogen. Mit diesen Informationen und den selbst erzeugten Medien entwickelten die Kinder ihre ersten digitalen Präsentationen (Keynotes). Mit Hilfe der Kamera übten sie ihren Vortrag anhand ausgewählter Kriterien. Später präsentierten sie ihre Ergebnisse stolz vor der Klasse via AppleTV.

DM: Wie setzen Sie multimediale Inhalte gezielt für Ihre Arbeit ein?

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Unterricht mit dem iPad in einer Düsseldorfer Grundschule
Foto: Andrea Muschkowski

AM: Ich finde es sinnvoll, sich auf wenige, grundlegende Apps wie beispielsweise Pages, Keynote, iMovie, GoodNotes, BookCreator, Popplet und BaiBoard zu beschränken und damit Content selbstständig zu entwickeln. Das iPad sollte als ein ergänzendes (all in one) Werkzeug, das effizientes, intuitives und vor allem handelndes, mobiles, aber auch barrierefreies Lernen ermöglicht, verstanden und eingesetzt werden. Vor diesem Hintergrund sehe ich vor allem in der Auseinandersetzung mit interaktiven Büchern (iBooks) eine große Chance, da diese kompetenzorientiertes, individuelles und vor allem auch nachhaltiges Lernen in besonderem Maße ermöglichen. Deutschsprachige iBooks für Kinder im Grundschulalter existieren allerdings kaum beziehungsweise sie genügen meinen inhaltlichen und didaktischen Ansprüchen häufig nicht. Deshalb entwickele ich selbst seit 2012 regelmäßig thematische iBooks, die interaktiv und multimedial sind und die unterschiedlichen Sinne und Lerntypen berücksichtigen. Sie integrieren verschiedene Filme, Fotogalerien, Hörtexte, Hyperlinks sowie interaktive Quiz und Aufgaben mit Multi-Touch-Elementen. Für mich als Lehrerin ist es eine große Freude zu beobachten, wie hochmotiviert, eigenverantwortlich und nachhaltig die Schülerinnen und Schüler mit den iBooks lernen.

DM: Meinen Sie, dass man „lesemüde“ Kinder über das Tablet für Literatur und Lesen begeistern kann?

AM: Lesen ist eine Basiskompetenz für die Teilnahme am gesellschaftlichen und kulturellen Leben. Da Kinder in ihrer Grundschulzeit über sehr unterschiedliche Lesefähigkeiten verfügen, ist es die Aufgabe der Schule, ihnen Unterstützungen – vor allem durch die Herstellung einer für sie angenehmen wie auch nützlichen Lesekultur – anzubieten. Sicherlich können das Tablet und ausgewählte Apps oder Lese(lern)programme dazu beitragen, die Entwicklung der Lesefähigkeit zu unterstützen beziehungsweise die Lesekompetenzen der Schülerinnen und Schüler auszubilden, sofern sie dadurch das Lesen als freudvoll und bereichernd erfahren.

DM: Wie ist Ihre Erfahrung: Haben Kinder – möglicherweise Jungen – durch die neuen technischen Möglichkeiten einen besseren Zugang zu kulturellem Wissen und Bildung?

AM: Sicherlich können digitale Medien dazu beitragen, dass Kinder einen besseren beziehungsweise differenzierteren Zugang zu Wissen und Bildung erhalten. Bei der bloßen Nutzung von Medien können Schülerinnen und Schüler mediale Inhalten und Aussagen allerdings noch lange nicht angemessen einschätzen. Dafür brauchen sie die erforderlichen Medienkompetenzen. Kinder sollen zu Hause und in der Schule dazu angeleitet werden, Informationen und mediale Vermittlung zu hinterfragen und zu lernen, wie sie sich sicher und verantwortungsvoll in der „digitalen Welt“ bewegen können.

DM: Was meinen Sie, ist es möglich und erstrebenswert, dass der Wissenserwerb mithilfe der neuen Technologien stattfindet und nicht mehr über traditionelle Lehrformen wie den klassischen akademischen Unterricht?

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Biologieprojekt mit dem Arbeitsmittel iPad
Foto: Andrea Muschkowski

AM: Die Welt um uns herum verändert sich und damit einhergehend natürlich auch die Anforderungen an das Lehren und Lernen. Traditionelle Lehrformen sollten durch den Einsatz innovativer Technologien nicht ersetzt, sondern erweitert werden. Computer und Tablets sind kein Ersatz für die Bewegung in der Natur, das Schreiben mit einem Stift oder das Spielen eines Instruments. Ihr ausschließlicher Einsatz in der Grundschule wäre verheerend. Dennoch bieten neue Technologien eine Vielzahl an Möglichkeiten, selbstständiges, eigenverantwortliches, projektorientiertes, exploratives und kollaboratives Lernen zu implementieren. Bestenfalls gestalten Schülerinnen und Schüler ihr Lernen mit, verstehen Zusammenhänge und erwerben Kompetenzen, die in einer Welt, in der die Anzahl der verfügbaren Inhalte und Informationen unaufhörlich wachsen, immer wichtiger werden.

DM: Vielen Dank für dieses Interview. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Spaß und Erfolg bei Ihrer Arbeit!

Links zum Thema Tablets im Unterricht

Andrea Muschkowski: „Biologie im Sachunterricht der Grundschule. Eine multimediale Unterrichtsreihe zum Thema Schnecken – Grundschulkinder lernen interaktiv mit Hilfe eines thematischen iBooks“. In: Biologie 2.0 – Kompetenzorientierung und Medieneinsatz (PDF)

Lernen mit digitalen Medien. Medienbrief Nr. 02 des Zentrum für Medien und Bildung, 02/2013 (PDF)

Sachsen startet ins Klassenzimmer der Zukunft

Informationswebsite Tablet in der Schule

Lernen mit dem iPad – Tablets in Lehre und Unterricht (hier findet man Links zu Projektschulen)