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Meta Morfoß App ist Spiel des Monats beim Internet-ABC

Die Nachricht erreichte uns pünktlich zum Start der Leipziger Buchmesse: Die Meta Morfoß App ist vom Internet-ABC in der Kategorie Spiel- und Lernsoftware zum „Spiel des Monats“ gewählt worden. Wir freuen uns riesig über diese Ehre! Und ganz besonders freuen wir uns über die neugierige Begeisterung des Rezensenten. Er stellt die Besonderheit des Lesequestformats heraus:

Bei den meisten Leseapps liest ein Sprecher die Geschichte vor, und das Kind darf wild auf den Bildern herumtappen, um die Animationen herauszukitzeln. “MetaMorfoß” ist anders, denn hier lesen die Kinder den Text selbst. Und sie tippen nicht auf den Bildern herum, sondern müssen drei Schlüsselbegriffe im Text finden, die dann eine der bezaubernden Animationen auslösen.

Meta Morfoß als Wollsocke Illustration: Max Litvinov/KClogg (c) Daktylos Media
Meta Morfoß als Wollsocke
Illustration: Max Litvinov/KClogg (c) Daktylos Media

„Atemberauben schön“ und „behutsam animiert“ seien KCloggs Animationen – und besonders beeindruckend, wenn Meta sich in eine Lokomotive, eine Wärmflasche oder Albert Einstein verwandelt.
Es ist schön, dass hier auch ein beherzter Blick auf den Schriftsteller Peter Hacks und seine Geschichte über dieses „anarchistische“ Mädchen geworfen wird, das so bleiben kann, wie es ist. Denn Meta hat sehr menschliche Bezugspersonen, für welche die von außen wahrgenomme Andersheit … ganz normal ist.

Meta Morfoß ist eben ein Text, der so gar nicht in einer engen „DDR-Schublade“ liegen will, sondern seit Jahrzehnten auf literaturgeschichtliche Ordnungsversuche pfeift und fröhlich weiter durch die Hände überraschter und begeisterter Leserinnen und Leser hüpft.

Herunterladen kann man die Meta Morfoß App fürs iPad hier oder für Android Tablets hier. Viel Spaß!

130786-130878-1-iabc_banner-02Und hier noch eine kleine Info zum Internet-ABC: Das Portal ist ein Angebot für Kinder und Eltern zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet und neuen Medien. Die redaktionelle Leitung obliegt dem Grimme-Institut und für uns hat sich der Kindermedienexperte und Literaturliebhaber Thomas Feibel ins Zeug gelegt. Er ist übrigens auch Organisator des Tommi Kindersoftwarepreises. Vielen Dank, lieber Thomas!

Frankfurter Buchmesse 2014

„Wir wissen nicht, was morgen sein wird. Lasst uns heute feiern!“
Ein paar Splitter von der Frankfurter Buchmesse 2014

Die Entscheidung zur Frankfurter Buchmesse zu fahren fiel damit, dass Daktylos Media auf die Shortlist des diesjährigen Virenschleuder-Preises kam. Hier ein paar meiner Eindrücke, und ein Fazit am Ende gibt es auch!

App-solut unüberschaubare Bücherwelt

So stieg ich also am Donnerstagmorgen in den ICE nach Frankfurt. Ich warf der Telekom freudig fünf Euro fürs WLAN in den magentafarbenen Rachen und arbeitete fünf Stunden lang am Stück. Welch ein Genuss! Denn in der eigenen Wohnung ist der Ablenkungsfaktor sehr hoch, durch Anrufe, Kinder oder das Chaos in der Wohnung, das mich täglich zum (für mich recht aussichtslosen) Kampf herausfordert. Eine halbe Stunde vor meiner Ankunft in Frankfurt wollte ich mir dann mit der Messe-App mein individuelles Programm zusammenstellen. Das Gefühl der gigantischen Informationsmassen, die ich in 30 Minuten unmöglich strukturieren, geschweige denn überschauen konnte, ließ mich die App etwas verzweifelt wieder schließen, denn draußen rollte schon mein Ankunftsbahnsteig herbei. Etwas von diesem Gefühl holte mich dann wieder ein, als ich die Buchmesse mit ihren acht heiligen Hallen betrat, die sich auf einer Fläche von 170.000 m² qm über mehrere Etagen ausdehnen.

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Unterwegs zwischen den heiligen Hallen der Frankfurter Buchmesse. Foto: Daktylos Media
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Ankunft in Halle 3, Kinderbuch-Bereich, Frankfurter Buchmesse. Foto: Daktylos Media

Ich ließ meine Ratio mit der Messe-App in der Ecke sitzen und mich vom Instinkt willig zum Bereich Kinderbuch ziehen. Nach digitalen Angeboten musste ich hier etwas suchen. Ich stieß dann auf ARP, eine portugiesischen Produzenten von Kinderbuch-Apps, die mit Augmented Reality funktionieren. Ich probierte die App mit der Geschichte von der Ameise und der Grille aus. Unter uns darf ich es ja ehrlich sagen: Die digitale Augmentatio brauchen die gedruckten Bücher von ARP aber auch wirklich, deren sprachliche Armut und optische Aufmachung mich an gedruckte Massenware beim Discounter erinnert. Und mehr, als dass beispielsweise auf einer Seite ein netter Ameisenmann aus seinem Bau kommt und mit den Fühlern wackelt, passiert dann mit der App auch nicht. Solche Lücken in der Konzeption und die Frage nach dem Sinn multimedialer Effekthascherei schreckten die Firma Samsung jedoch nicht davon ab, diese kleine Firma aus Portugal zum Partner zu machen und die App auf den neuen Samsung Tablets vorzuinstallieren. So wird Qualität von Content heute entwickelt. … oder auch nicht. Beim Mixtvision Verlag wurde ich aber fündig, was gute, neue Inhalte und den Mut dazu betrifft. Das Buch Die Ton-Angeber in der Übersetzung aus dem Polnischen von Olaf Kühl ist eine echte Buchkunst-Perle. Und Christiane Winter, die die E-Book-Produktion leitet, durfte ich nun nach der ersten Begegnung per Facebook auch persönlich kennenlernen und ihr zur GIGA Maus 2014 gratulieren, mit der der junge, feine Kleinverlag aus München gerade erst auf der Messe für seine Kinderbuch-App Die große Wörterfabrik ausgezeichnet worden ist.

Meta Morfoß App Testing: Die Erste!

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Screenshot der Meta Morfoß App mit dem neuen UI/UX Design

Einige Leute probierten unsere Meta Morfoß App aus, die in ihrem neuen UI/UX Design erstrahlt und jetzt zu rund 50 Prozent fertig ist. Ich bekam viel positives Feedback und wichtige Anmerkungen und erinnere mich freudig an viele neugierig über die App gebeugte, lächelnde Gesichter. Eine Testerin davon war Charlotte, meine achtjährige Nichte. (Ich weiß nicht, wie viele „Groß“-Vorsilben  oder Verwandschaftsgrade ich an die Nichte dranhängen müsste. Diese Buchmesse gab mir nämlich auch die Möglichkeit, meine Burckschen Verwandten in Frankfurt näher kennenzulernen, unsere Linien laufen in einem gemeinsamen Ururgroßvater zusammen.) Charlotte las ihrer Mutter und mir also auf meinem iPad den Text aus der App vor und fand die Schlüsselwörter. Ihre Augen leuchteten und jedes Mal, wenn sie eine Animation auslöste, lachte sie. Weil es schon spät war, schickte ihre Mutter sie nach der vierten Seite ins Bett. „Schaaade“, sagte Charlotte, schaute mir fest in die Augen und sagte: „Die App gefällt mir.“ Dann wandte sie sich an ihre Mutter: „Mama, können wir die App jetzt runterladen?“ Wow! Was wollen wir mehr für Daktylos Media? Unsere Idee der Lesequest für acht- bis zehnjährige Leserinnen und Leser funktioniert! Charlotte vertröstete ich auf den kommenden ersten Advent, für den der Release im AppStore geplant ist.

Verleihung des Virenschleuder-Preises 2014

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Virenschleuder-Preisverleihung 2014: Vorstellung der Crowdfunding-Kampagne von Daktylos Media. Foto: Daktylos Media

Der nächste Tag war Freitag und am Abend sollte also endlich die Virenschleuder-Preisverleihung stattfinden. Bis dahin traf ich noch die Kollegen und Partner vom Eulenspiegel Verlag, welche auch das erste Mal einen Blick auf die App werfen konnten und sich über das Ergebnis freuten. Am riesigen Stand des Arena Verlags wollte ich eigentlich ein paar Bücher für unsere Kinder kaufen. Daraus wurde leider nichts, der Buchverkauf darf nur am Sonntag, dem letzten Messetag, stattfinden. Die Zeit schritt fort und ich schlenderte zum Lesezelt im Innenhof der Frankfurter Buchmesse hinüber, wo die Preisverleihung stattfinden sollte. Die Veranstaltung bereicherte Christiane Frohmann, die letztes Jahr den Preis gewann, mit einer Miniaturausgabe ihres Katersalons. Das Format ist etwas sehr Originelles, etwas zwischen assoziativem Vortrag und diskursiver Performance. Schwierig ist es auch, Christiane Frohmann selbst kurz beschreiben zu wollen, diese nicht mehr junge, aber noch längst nicht alte Frau mit dem durchweg traurigen Blick, die mit unbewegter Miene in einem rosafarbenem Etwas über wunderschönen Beinen in schwarzer Feinstrumpfhose mit dem Publikum ein „Real Live Twittern“ veranstaltet und dabei etwas lehrerinnenhaft wirkt. Gewonnen haben den Virenschleuder-Preis letztlich nicht wir, sondern die Buchhandlung Lessing und Kompanie, die Pinakotheken im Kunstareal München sowie die Schriftstellerin Zoë Beck. Aber wir waren dabei, wir sind auf der Shortlist der Top 10 für die beste Marketingstrategie gewürdigt worden, auf die uns unsere Fans sowie Digital Publishing Competence und Konzeptfreun.de gebracht haben. Darüber sind wir sehr glücklich!

Hotlist der unabhängigen Verlage 2014

Das inhaltlich und atmosphärisch interessantere Event an diesem Abend war dann die Preisverleihung der Hotlist der unabhängigen Verlage, die spätabends im Literaturhaus Frankfurt stattfand. Es moderierte Claudia Cosmo. Was für eine tolle Frau, sie ist genauso charmant wie belesen und es war wirklich ein großes Vergnügen, ihr zuzuhören! Jedes der Bücher, die sie mit einer einzelnen Vorstellung und einem kurzen Interview der Verlegerinnen und Verleger würdigte, weckte meine Neugier und den Wunsch, die auch haptisch sehr ansprechenden Drucksachen in die Hand zu nehmen. Den rundum sympathischen Menschen in dem proppevollen, kleinen Festsaal des Literaturhauses ging langsam die Luft aus, welche zuerst stand und zum Ende hin ganz umkippte. Aber alle hielten sich wacker auf den Beinen und am Weinglas fest. Auch die zahlreichen Anspielungen auf die in Hinsicht auf den kommerziellen Erfolg eher aussichtslose Lage der kleinen Verlage nahm man mit Humor. Witze darüber, dass du das machst, was du für gut und für wert in die Welt gebracht zu werden befindest, egal, „ob sich das rechnet“ oder nicht, gehören zum Selbstverständnis der kleinen Verlage. Endlich wurden die Verlage bekannt gegeben und ich freue mich riesig für Britta Jürgs vom AvivA Verlag, in dem ich während meiner Studienzeit mitarbeiten und Blut fürs Verlegen lecken durfte, die mit ihrem Buch Mädchenhimmel von Lili Grün den Melusine-Huss-Preis gewann.

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Hotlist-Preisverleihung der unabhängigen Verlage 2014. Auf der Bühne präsentiert Claudia Cosmo den Weidle Verlag. Foto: Daktylos Media

Qualität in der Buchproduktion: (k)eine Frage des Geldes

Vielleicht klingt es banal und wurde schon tausend Mal gesagt, aber nach meinem Besuch der Frankfurter Buchmesse dieses Jahr sehe ich klar, dass Qualität im Kulturbereich einfach nicht mit Denken in Zahlen erreicht werden kann – und auch nicht unbedingt über die Abstimmung der Masse, der Crowd. Die Vielfalt des Denkens und der Sichtweisen wird aus den kleinen, besonders schmackhaften Portionen genährt, welche kleine Verlage beisteuern: Hut ab vor allen Machern der Hotlist. Mit Daktylos Media möchte ich mich gern mit auf diese Stufe von Qualität stellen, denn – um mit Claudia Cosmo zu sprechen –: „Wir machen auch in Büchern.“ Mein Fazit für unsere Selbstpositionierung im Kosmos der Publishing-Branche ist, dass wir wirklich Qualität machen, die sich sehen lassen kann. Unsere Lesequest hat weltweit kein vergleichbares Produkt, jedenfalls habe ich bisher keine Konkurrenten gesehen. Was unseren Verdienst angeht, so fand ich auf der Buchmesse keine beruhigende Antwort … aber auch keine beunruhigende. Uns als Publisher Start-up geht es ja nicht allein so, dass unsere geschäftliche Zukunft in den Sternen steht. Mit uns versuchen auch die großen Verlage etwas durchs Fernrohr der Statistiken und Prognosen zu erkennen, in dem riesigen Raum namens „Zukunft“ da draußen. Das Objektiv scheint aber mit einem Deckel verschlossen zu sein, auf dessen Innenseite die immer wieder gepredigten Sätze geschrieben stehen: „Das gedruckte Buch wird verschwinden, aber auch nicht. Die Leute lesen nicht mehr nicht, sie lesen nur anders. Ändert die Form, aber macht gute Inhalte.” Ich nehme mir das Bild und die Atmosphäre der Hotlist-Preisverleihung mit, die ich in dem Aufruf kondensiere: „Leute, wir wissen nicht, was morgen sein wird. Aber das, was wir heute machen und können, das ist so gut und macht so viel Spaß. Lasst uns feiern!”

(Editiert 16.10.2014)

#MetaCrowd: Erzähl von deiner Begegnung mit Meta Morfoß und ihren Hacks-Geschwistern!

Lange war es still hier, wir waren wie ihr wisst im Urlaub, was allen sehr gut getan hat. Nun aber meldet sich Meta Morfoß zurück und lautstark zu Wort!
Meta an alle Fans und Supporter: “Wer von euch kennt mich schon? Wann sind wir uns begegnet? Kennst du auch meine Hacks-Geschwister? Erzähl doch mal!”

Um Meta ranken sich bereits so viele Geschichten ...  (c) Daktylos Media
Um Meta ranken sich bereits so viele Geschichten …
(c) Daktylos Media

Einige von euch haben uns bereits begeistert davon berichtet, wie sie Meta Morfoß oder andere Geschichten von Peter Hacks als Kind gelesen oder mit ihren eigenen Kindern heute entdeckt haben.
Uljana Wolf, die für uns Meta Morfoß ins Englische übersetzt hat, machte bereits den Anfang: Im Daktylos Media Blog hat sie vor ein paar Wochen mit uns darüber gesprochen, was das Buch Meta Morfoß für sie bedeutet.
Wir wollen die #MetaCrowd sichtbar und noch viel größer machen! Deshalb sammeln wir jetzt solche Geschichten von der ersten Begegnung mit Meta Morfoß und möchten sie nacheinander im Daktylos Media Blog veröffentlichen. Schreibt eure Geschichte auf, ein paar Zeilen reichen, und schickt sie an uns! Sagt unsere Geschichtensammelaktion weiter, damit wir so viele Storys wie möglich zeigen können, die Menschen persönlich mit Meta Morfoß und Peter Hacks verbinden.

Schickt eure Geschichte (ca. 500 bis 1500 Zeichen) an anna@daktylos-media.com!

„Kinder? Ich kenne gar keine.“ Ein Gespräch über Peter Hacks als Kinderbuchautor

Unsere erste Buch-App bringt Peter Hacks’ Erzählung Meta Morfoß auf iPads und Android Tablets. Im Interview mit Dakytlos Media erzählt Verleger Dr. Matthias Oehme über Peter Hacks und dessen wunderbare Texte für Kinder.

Peter Hacks, 1976. Foto: Bundesarchiv
Peter Hacks, 1976. Foto: Bundesarchiv

Daktylos Media (DM): Wo und wie haben Sie Peter Hacks kennengelernt?

Matthias Oehme (MO): Den Dichter kenne ich schon lange, persönlich habe ich ihn aber erst spät kennengelernt. Das geschah in einer Zeit, in der ich den Eulenspiegel Verlag übernommen hatte, also etwa 1994, und Hacks als Autor zu gewinnen versuchte. Und obwohl sich das nicht gleich machen ließ, war er sehr freundlich, aufgeschlossen und überaus interessiert, was hier mit dem alten DDR-Verlag passiert. Ich hatte den Eindruck, dass unsere Begegnungen und Gespräche, teils im Verlag, teils bei ihm in der Schönhauser Allee oder draußen auf seinem Landsitz, von Sympathie und Einverständnis geprägt waren. Er wollte schon gern bei uns publizieren.

DM: Was ist Ihnen von Hacks besonders in Erinnerung geblieben?

MO: Auch wenn es nur ein Aspekt ist, so sollte man den doch nicht unterschätzen: Ich hatte den Eindruck, dass er ungemein neugierig war; er ließ sich gern über alle Sachverhalte und Personen Neues berichten, seien es die Umstände des Verlagsgeschäfts, politische Entwicklungen oder eben literarischer Tratsch; nur Neues sollte es eben sein. Alles andere langweilte ihn schnell. Und natürlich hatte er zu allem ein Urteil; ich nenne es nicht Meinung, denn meist war das gegründeter als eine bloße Meinung.

T. liest Geschichten von Henriette und Onkel Titus, zweite Auflage des Kinderbuchverlags 1982 (c) Daktylos Media
T. liest Geschichten von Henriette und Onkel Titus, zweite Auflage des Kinderbuchverlags 1982 (c) Daktylos Media

DM: Hacks, der selber keine Kinder hatte, hat wunderbare Kinderliteratur geschrieben. Was macht aus Ihrer Sicht diese Texte so zeitlos und so stark?

MO: Ja, sie sind nicht kindertümelnd, nicht didaktisch, tief von einsehbarer Logik und spaßhafter Vernunft geprägt, was Kindern sehr gefällt, es handelt sich um kräftige, phantasievolle Fabeln, um sprachlich klare und originelle, dabei hochpoetische Texte, und es sprechen sich jeweils herausragend selbstbewusste Haltungen und ein frohgemuter Handlungswillen aus. Das ist Literatur nicht nur für Krisen oder Phasen des Niedergangs, das ist haltbar. „Ein Ding von Schönheit ist ein Glück auf immer.“

DM: Wissen Sie, welche Bedeutung das Schreiben von Texten für Kinder für Hacks persönlich hatte, welchen Raum es in seinem Leben einnahm, was er damit verband?

MO: Er selbst hat ja darüber in seinem Aufsatz „Was ist ein Drama, was ist ein Kind?“geschrieben, ich mag nicht besserwisserisch sein. Für Kinder zu schreiben war ihm, glaub ich, literarisch-ästhetisch nicht so sehr wichtig, insofern sind all diese Texte Blumen eher vom Feldrain der Poesie. Die Verfertigung dieser Sachen kam aber seinem Naturell entgegen, will sagen, er hatte offenbar öfter mal überbordende Lust drauf. Das ist so, wie dieser große Dramatiker gelegentlich eben auch Gedichte oder erzählende Texte geschrieben hat. Außerdem hatte er ein hochentwickeltes Genrebewusstsein, so dass ihm klar war, dass bestimmte Gegenstände eben nur in den Sagweisen der Kinderliteratur sich behandeln lassen.

Auf die Frage, wieso er für Kinder schreibt und sie offenbar gut kennt, hat er 1977 dem DDR-Kinderbuchverlag einmal so geantwortet:

Man fragt: Sie haben natürlich Kinder? Ich erwidere, nein. Man fragt: woher kennen Sie sie dann? Ich erwidere: ich kenne gar keine. Hiernach verwundert man sich und fragt: aber Sie scheinen sie doch zu mögen! – Ist das wirklich so schwierig? Ich habe keine Kinder und kenne folglich keine und habe aus diesen beiden Gründen wenig Mühe, mir meine gute Meinung über sie zu erhalten.

DM: Hacks’ Erzählungen wie Meta Morfoß oder Geschichten von Henriette und Onkel Titus entstehen aus dem Spiel mit der Sprache und ihren Bedeutungen, sie erscheinen zuweilen absurd. Kann man sagen, dass es in der DDR-Kinderliteratur auch eine absurde Erzähllinie gab wie beispielsweise im englischsprachigen Raum oder in der jungen Sowjetunion? Oder ist Hacks da eher ein Einzelfall?

MO: Ich vermute, dass die Ähnlichkeiten recht oberflächlich sind. Die Bezeichnungen des Absurden trifft  die Hervorbringungen der Hacksschen Phantasie gar nicht. Hacks ist zwar tatsächlich ein Einzelfall, das denke ich schon auch, aber sein Boden ist definitiv der Realismus; vielleicht macht die Fülle, die Fruchtbarkeit seines Realismusbegriffs ja seine Einzigartigkeit aus. Alles, was uns so sehr phantastisch, gar absurd erscheint, etwa ein Bär, der auf dem Försterball das große Wort führt, sind wirklichkeitsgesättigte und wirklichkeitszugewandte Geschichten mit Witz und Hintersinn, die Kinder durchaus nicht mit den zahllosen sauertöpfischen Produkten von anthropomorphisierenden Halbdidakten verwechseln. Die haben dafür nämlich ein untrügliches Gespür.

Der Bär auf dem Försterball. Illustrationen von Walter Schmögner (c) Eulenspiegel Verlag
Der Bär auf dem Försterball. Illustrationen von Walter Schmögner
(c) Eulenspiegel Verlag

DM: Ein russisches Entwicklerteam, das wir wegen der Programmierung der „Meta Morfoß App“ angefragt hatten, erteilte uns eine Absage: Mit „Hermaphroditen“ wolle man nichts am Hut haben. Wissen Sie, ob Meta Morfoß auch früher schon für Anstoß gesorgt hat?

MO: Naja, ich finde die Episode mit der Absage lustig, aber nicht nur lustig. Bekannt ist mir derlei nicht, obwohl es gegen Hacks von früh an auch immer wieder mal irgendwelche Einwände gegeben hat, auch gegen seine Texte für Kinder. Es sind die Lehrer, die wirklichen und die angemaßten, die oft ihre Schwierigkeiten damit haben. Aber ein so gebildetes Vorurteil ist mir da nicht begegnet; und mehr ist es ja nicht. Ich weiß gar nicht, ob sich daran tatsächlich eine gesellschaftspolitische Debatte entzünden kann. Sie dürfen nicht vergessen, dass ein DDR-Kind ja viel aufgeklärter war als etwa ein westdeutsches. Letztlich auch dank Hacks!

DM: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben!


Matthias Oehme, Geschäftsführer des Eulenspiegel Verlags und Peter Hacks Verleger. Foto: Simone Uthleb (c) Eulenspiegel Verlag
Matthias Oehme, Geschäftsführer des Eulenspiegel Verlags und Peter Hacks Verleger.
Foto: Simone Uthleb
(c) Eulenspiegel Verlag

Dr. Matthias Oehme, geb. 1954, Literaturwissenschaftler und Verleger; Studium der Germanistik in Leipzig, Promotion 1984 mit einer Untersuchung zu Dramaturgie und Dramentheorie beim späten Schiller. Übernahm 1993 zusammen mit Jacqueline Kühne den Verlag Das Neue Berlin und den Eulenspiegel Verlag, beide Verlage wurden durch eine neugegründete Gesellschaft fortgeführt. Ist gelegentlich auch herausgeberisch tätig (Herder, Schiller, Brecht, Hacks).

Momotaro

(c) Ghost Hand Games
(c) Ghost Hand Games

Wir haben unser iPad noch nicht so lange. Vor kurzem luden wir The Legend of Momotaro herunter. „Wann schauen wir endlich mal das App mit der schönen Blüte an?“, fragte ein paar Stunden darauf unsere große Tochter T.,  sechs Jahre alt. Bisher kannte und spielte sie auf dem iPad nur einige Spiele von Toca Boca, die sie heiß liebt und mit deren Figuren sie sich stark identifiziert. (Sie wollte sogar ihrem Bruder verbieten, „ihr“ blaues Monster von Monster Kitchen zu füttern.) Zurück zu der „schönen Blüte“: Es ist eigentlich ein Pfirsich mit einer Spitze, der tatsächlich einer  prallen Knospe ähnelt – das Icon der Momotaro-App, das sich nun neben den fröhlichen Toca Boca Gesichtern eingereiht hat.

The Legend of Momotaro: Die alte Frau findet beim Wäschewaschen am Fluss einen Riesenpfirsich (c) Daktylos Media
The Legend of Momotaro:
Die alte Frau findet beim Wäschewaschen
am Fluss einen Riesenpfirsich (c) Daktylos Media

The Legend of Momotaro  ist eine Storybook App der Spiele-Firma Ghost Hand Games aus Saratoga Springs, NY. Die Anwendung ist eins jener interaktiven Bücher, welches unseren Vorstellungen auf der Suche nach guten Buch-Apps allen Beschreibungen und Rezensionen nach sehr nahe kam. Auf Deutsch haben wir Vergleichbares bisher nicht gefunden.

Die Geschichte erzählt auf Englisch eine bekannte japanische Heldenlegende. Einem alten Ehepaar wird der größte Wunsch erfüllt: Sie bekommen ein Kind. Dessen Besonderheit ist schon daran zu erkennen, dass der Junge einem Riesenpfirsich entspringt, den die alte Frau aus dem Fluss gefischt hat. Sie nennen den Jungen Momotaro, „Pfirsichjunge“. Er wächst zu einem hervorragenden Kämpfer heran und befreit das Land von Ogern.

Das Design fängt viele Elemente aus der traditionellen japanischen Kultur ein. Die Geschichte eröffnet sich auf einer Schriftrolle, die seitwärts entrollt wird. Jeder Textabschnitt hat eine eigene Szene oder „Bühne“, auf der entsprechend dem Erzählfluss kleine Veränderungen passieren. Man taucht ein in eine japanische Landschaft, in der man viele Dinge wie beispielsweise einen Pflaumenbaum, Holzschuhe oder Papierfische entdecken kann. Sie werden in der unteren Leiste in Kanjis dargestellt und man findet sie, indem man entweder das Kanji oder im Bild das Bezeichnete antippt. Dann entfaltet sich eine kleine Blume zu einem Origami-Papierblatt, auf dem der Gegenstand dargestellt und jeweils mit dem englischen und dem japanischen Wort benannt wird. Die jeweilige Aussprache kann man durch Antippen des Wortes hören. Außerdem wird das japanische Wort auch noch mit Hiragana, den japanischen Silbenzeichen, dargestellt (und ausgesprochen) sowie mit dem jeweiligen Kanji, einem einzelnen Schriftzeichen, welches man mit dem Finger nachzeichnen kann. Einige traditionelle Dinge japanischer Kultur wie der Karpfen, der Pfirsich oder der Schrein werden auf einem „Papier“ extra landeskundlich erklärt.

The Legend of Momotaro: Kanji für
The Legend of Momotaro: Kanji für “Haus” (c) Daktylos Media

Der erste Kommentar unseres zehnjährigen Sohnes, der sich die App zuerst allein anschauen durfte, war: „Langweilig!“ Er hatte erwartet, dass durch Herumtippen auf den an japanische Holzschnitte erinnernden Szenen mehr animierte Sachen passieren würden. Aber es ist kein animiertes Spielbuch wie beispielsweise Alice for the iPad. Abends vorm Schlafen war endlich Zeit, Momotaros Geschichte in Ruhe anzuschauen. Die kleine Tochter schlief schon und unsere Große und ich kuschelten uns ins Bett. Ich begann ihr den englischen Text auf Deutsch zu erzählen. Da schlich doch auch der Bruder neugierig herbei und quetschte sich mit dazu. Kinder lieben Märchen, zu jeder Tages- und Nachtzeit und in jeder Lage.

Der Sound der App ist abgesehen von den klaren, satten und durchdringenden Tönen einer Koto, mit der die App startet, ein sehr unaufdringlicher, meditativer: es gibt wenige Geräusche sommerlicher Natur wie Wasser- und Windrauschen, Grillenzirpen, Vogelzwitschern oder das leise und heimelige Blubbern kochender Suppe. Der Text wird schlicht nach klassischer Märchenstruktur erzählt. Wir hatten Zeit und so konnten die Kinder ruhig der Geschichte lauschen und dann nach jedem Abschnitt alle interaktiven Elemente ausprobieren. Meine Tochter sprach begeistert die englischen und japanischen Wörter nach und zeichnete alle Kanjis. Meinen Sohn interessierte eher der Vergleich der japanischen Wörter mit den englischen, von denen er viele kennt.

Wir sind nur etwa durch zwei Drittel der App gekommen, nach rund 40 Minuten schliefen die beiden Kinder ein. Den Rest schauen wir uns vielleicht heute Abend an.

Mein Fazit: The Legend of Momotaro ist eine wunderbare Buch-App, die für lange Zeit ein rundum sinnliches und intellektuelles Vergnügen bereiten kann. Man sollte sie unbedingt mit den Kindern zusammen anschauen. Nicht nur können alle gemeinsam eine Mußestunde genießen. So kann man auch die Erwartungen der Kinder und ihren Aufmerksamkeitsfokus steuern, sodass sie – trotz dessen, dass man nicht wild herumtippen und trickfilmartige Erlebnisse erzielen kann – erst einmal neugierig auf die Geschichte sowie die fremde Sprache und Kultur werden und dann viel Spaß beim Anschauen haben.

The Legend of Momotaro
Ghost Hand Games LLC
Preis bei iTunes: 2,69 €
Größe: 179 Mb

Wie und was 10-jährige Jungen lesen

In den Weihnachtsferien hat T. endlich Zeit, stundenlang auf dem Sofa zu lesen. (c) Daktylos Media
In den Weihnachtsferien hat T. endlich Zeit,
stundenlang auf dem Sofa zu lesen. (c) Daktylos Media

Unser Sohn liest inzwischen gern, hurra! Das erste Buch ganz durch las T. in der dritten Klasse: Angstmän, eine total witzige und spannende Erzählung über bedrohliche Supermänner und sympathische Antihelden, die ich allen Kindern und ihren Familien nur empfehlen kann. Danach kam Doktor Proktors Pupspulver an die Reihe, die Geschichte über die Freundschaft eines kleinen Jungen mit einem Professor, der ein Pulver erfindet, mit dem man wie eine Rakete losstarten kann. T. las das Buch begeistert als Viertklässler und stellte es auch in der Schule vor, parallel zu Gregs Tagebuch. Sein Papa brachte T. auf Harry Potter, abwechselnd las er ihm auf Russisch vor oder T. schwartete auf Deutsch selbst. Vor einem Monat wurde diese siebenbändige Mission mit dem Seufzer „Schade, dass es nicht weitergeht!“ abgeschlossen.

Etwa zur gleichen Zeit entsorgte T. in zwei Kisten fast alle der Kinderbücher aus seinem Zimmer, die noch von mir stammten und die ich ihm ins Bücherregal gestellt hatte mit der Hoffnung, dass er sie einmal ebenso begeistert verschlingen würde wie ich als Kind. „Es stimmt ja nicht, dass ich nicht lesen will“, sagte er, „ich will nur nicht die Bücher lesen, die du mir ins Regal gestellt hast.“ Er sucht sich jetzt seine Lektüre selbst aus, unter anderem mit Hilfe der von Kindern geschriebenen Rezensionen in ZEIT LEO.Vor kurzem hat T. Vorsicht vor Fako Mustacho und Nerd Forever – Im Würgegriff der Schule durchgelesen. Auf die Geschichte über einen Zwölfjährigen mit falschem Schnurrbart, der eine Bank überfällt und die Präsidentschaftswahlen manipulieren will, ist T. in der ZEIT LEO gestoßen.

Den Nerd hatte ich in der Sendung „Quergelesen“ entdeckt – und damit 100 Prozent ins Schwarze getroffen … ein Trost nach der Absage an „meine“ Kinderbücher. Vor kurzem hat T. sich seinen lang gehegten Wunsch erfüllt und von seinem Taschengeld ein Smartphone gekauft, gebraucht. Sein Weihnachtsgeschenk in diesem Jahr: Android Apps und E-Books. Neben der Minecraft Pocket Edition suchte er sich Wie man 13 wird und überlebt aus. Ja, das Buch über einen Jungen, dessen Pubertät mit der Verwandlung in einen Halbvampir beginnt, konkurriert erfolgreich mit Minecraft! Onkel Montagues Schauergeschichten, das zweite Buch, was er ebenfalls in „Quergelesen“ entdeckt hatte, gibt es leider nicht als E-Book … Wir leihen es uns demnächst in der Bibliothek aus.