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Meta Morfoß: Nur ein Ding, nur ein Stuhl? #MetaCrowd

Die Anthologie Das Einhorn sagt zum Zweihorn machte Meta Morfoß auch in Westdeutschland bekannt. Anna Karina Birkenstock vom Tilda Marleen Verlag erzählt für unsere #MetaCrowd-Aktion, wie Meta sich ständig in ihre Familie einschmuggelte. Wir freuen uns sehr über den wunderbaren Beitrag unserer Kollegin und danken herzlich dafür!

Kindliche Leseerlebnisse: Leuchtturmwärter und andere Tiere

Das allabendliche Vorlesen gehörte in unserer Familie zum festen Ritual. Ich erinnere mich noch heute lebhaft an ganz bestimmte Ereignisse aus Momo, Die unendliche Geschichte, Wir Kinder aus Bullerbü, dem Räuber Hotzenplotz und Jim Knopf. Unter all den Büchern gab es auch ein Vorlesebuch mit dem schönen Titel Das Einhorn sagt zum Zweihorn (dtv, 1977), das mir und meiner Schwester schon wegen des Titels sehr gut gefiel. Insgesamt 60 Geschichten sind in diesem kleinen Taschenbuch ohne Bilder versammelt. Aber eigentlich erinnere ich mich nur an zwei: „Maus im Haus“ von Hans Karl Artmann über eine Robbe, die als Leuchtturmwärter auf Feuerland eine Maus jagt, und an „Meta Morfoß“.

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Anna Karina Birkenstock lernte Meta Morfoß in der Taschenbuchausgabe der Anthologie Das Einhorn sagt zum Zweihorn kennen.

Vorsicht beim Hinsetzen!

Was mir auffällt ist, dass es stets die skurillen, verrückten Elemente der Geschichten waren, die mir in Erinnerung blieben. Auch einige lustige Sprüche aus den Geschichten blieben hängen, denn einige wurden zu „stehenden Sprüchen“ im Familienalltag. Auch der sich durch die Meta Morfoß Geschichte ziehende Spruch „Aber ich bin doch die Meta“ brachte uns lange viel Freude. Wir Kinder machten uns einen Spaß daraus. Egal, was die Eltern anfassten, wo sie sich hinsetzten, prustend und kichernd riefen wir: „Aber ich bin doch die Meta!!!“ Worauf meine Eltern immer mitspielten und überrascht auf den vermeintlich sprechenden Gegenstand schauten „Oh, Entschuldigung!“

Meta Morfoß App – möglich ist ja mehr, als wir oft denken

Nun wird Meta also auch zu einer Tablet-App. Ich hoffe, sie wird viele neue Kinder inspirieren. Und ich werde mich nicht wundern, wenn ich demnächst mein iPad in die Hand nehme und es mir dann freundlich zuraunt „Aber ich bin doch die Meta!“ … denn möglich ist ja mehr, als wir oft denken.

#MetaCrowd: Buntkarierte Elefanten

Er ritt auf der #MetaCrowd-Lesewelle auf Twitter am vergangenen Freitag mit und schickte uns am Tag darauf seine Geschichte: Holger Leidel aka @KulturSucht. Holger stieß beim letzten StARTcamp in Münster auf unser Projekt Meta Morfoß App und war sofort begeistert. Meta Morfoß in digitalisierter Form sieht er als wunderbares Angebot (nicht nur) für Kinder heute, Perspektivwechsel zu erleben. Vielen Dank, lieber Holger, für deinen begeisterten Beitrag!

Wie vermutlich alle Eltern haben auch meine Frau und ich den Wunsch gute Vorbilder zu sein. Kinder dürfen – auch weil von ihnen immer mehr verlangt wird – diesbezüglich uns gegenüber hohe Ansprüche haben. Begeisterung … spielt bei der Vermittlung jeglicher Inhalte bei Kindern eine große Rolle. Wir wünschen uns für unser Kind, dass es sich für Bücher begeistern kann, denn die Geschichten, die sie erzählen, bereichern und sind lange präsent. Wir freuen uns jeden Tag, wenn unser Sohn an seinem Bücherregal entlang schlendert und sich ein Abenteuer vorlesen lassen möchte.

“Kinder erleben die Welt anders als Erwachsene. Sie sind viel begeisterungsfähiger als wir, tauchen schnell in andere Welten ab und schlüpfen gerne in andere Rollen. Deshalb wollen wir sie auf die richtige Bahn bringen.” Foto: Holger Leidel

#MetaCrowd Begeisterung

Vor einigen Wochen besuchte ich das Startcamp Münster und dort hat uns Steffen Peschel von konzeptfreun.de euphorisch von Meta erzählt. Ich fand die Geschichte um Meta und ihre Verwandlungen sehr spannend und musste sofort an eine Lieblingsgeschichte unseres Sohnes denken. Sie handelt von einem bunt karierten Elefanten der sich gerne mal verwandeln möchte. Er ist unglücklich darüber, dass er anders ist als seine Herde, schleicht sich einfach davon und bemalt sich mit elefantenfarbenen Beeren. Er erfährt wie es ist, wenn ihn niemand mehr erkennt und findet plötzlich … dass nicht er selbst, sondern die anderen Elefanten komisch sind. Wie die Geschichte ausgeht möchte ich nicht verraten, der karierte Elmar ist aber von nun an nicht mehr unglücklich, weil er mit seiner Verwandlung die Welt aus einer anderen Perspektive gesehen hat und jetzt mit sich selbst zufrieden ist.

Sich einmal in einen Anderen verwandeln, die Welt aus einer anderen Perspektive sehen können und dabei einen anderen Blickwinkel zu erlangen ist eine fantastische Vorstellung nicht nur für Kinder. Kinder erleben mit Meta Abenteuer und eignen sich nebenbei neue Sichtweisen an. Ist das nicht toll?

Womit sich Kinder beschäftigen, wie sie stark und gefestigt werden, wie sie an Dinge herangeführt werden … dazu gibt es viele Hilfestellungen und natürlich eigene Erlebnisse, aber wie man digital aufwächst ist eine Erfahrung, von der in einigen Jahren erst sie uns berichten werden, und somit müssen wir experimentieren, neu erkunden … was ich auch gerne mache. Bei jeglicher Suche im Netz guckt natürlich immer jemand zu, die schnell vorbei fliegenden Bilder ziehen magisch an und die Technikbegeisterung nimmt stetig zu. Dieser Jemand verwandelt sich auch gerne mal … in den König der Löwen, den Zauberlehrling und in alle, die ihn gerade begeistern. Bestimmt stoßen viele Kinder bald – mehr oder weniger zufällig – auf die Meta Morfoss App und die Begeisterung für die tolle Meta und für das Lesen ist da! Sie ist bestimmt ein Vorbild.

Ich wünsche mir, dass Eure App realisiert werden kann und freue mich von Meta zu hören.

Holger Leidel
Holger Leidel

#MetaCrowd: Mädchen mit phantastischen Möglichkeiten

Eine unserer treuesten und begeistertsten Fans ist Gesine Reinicke aka @textgruen. Für unsere #MetaCrowd-Aktion hat sie, die in Westberlin aufgewachsen ist und die deutsche Teilung hautnah miterlebt hat, nun diese – wie sie uns schrieb – „wahlverwandte Annäherung“ an Meta Morfoß und deren Hacks-Geschwister unternommen.

Meta hätte ich gerne viel früher gekannt

Peter Hacks war mir schon als Kind ein Begriff, doch Meta Morfoß kannte ich – leider – nicht. Bis ich über Twitter das faszinierende Lesequest-App-Projekt von Daktylos Media entdeckte und zur #MetaCrowd gestoßen bin.
Hacks begegnete mir unvergesslich schon zu Beginn meiner Karriere als Leserin. Eine wilde Geschichte, eine ziemlich böse „Parafabel“, zwischen dunkelgrünen Deckeln eines besonderen Bilderbuchs: Der Bär auf dem Försterball, illustriert mit den klaren, kindgerechten, zum Cartoon hin tendierenden Bildern, die Walter Schmögner für die (West)-Bilderbuchausgabe schuf. Sie gehören für mich fast untrennbar zur Geschichte – darum freut mich die Neuauflage des Buches im Eulenspiegel-Verlag besonders.

Ich bin fast sicher, dass es mein Vater war, der damals das Bilderbuch für uns Kinder kurz nach dem Erscheinen im Middelhauve Verlag 1972 erworben hat. Denn ich bin ganz sicher, dass er mit dem Namen Peter Hacks vertraut war. Die geteilte deutsche Literatur interessierte ihn. Und Hacks war in mehreren Hinsichten ein Grenzgänger wie mein Vater. Beide hatten sie mit einem Schritt über die innerdeutsche Grenze eine Lebensentscheidung getroffen – Hacks 1955, mein Vater 1956, allerdings aus unterschiedlichen Gründen in jeweils umgekehrter Richtung.

„Wozu die Flinten?“ rief der junge Förster. „Wir wollen dich doch schießen“, antworteten sie, „du bist doch der Bär.“ – „Ihr versteht überhaupt nichts von Bären“, sagte der Bär. Illustration des Bilderbuchs Peter Hacks: Der Bär auf dem Försterball. Middelhauve 1972
„Wozu die Flinten?“ rief der junge Förster. „Wir wollen dich doch schießen“, antworteten sie, „du bist doch der Bär.“ – „Ihr versteht überhaupt nichts von Bären“, sagte der Bär.
Illustration des Bilderbuchs Peter Hacks: Der Bär auf dem Försterball. Middelhauve 1972.
Neu aufgelegt vom Eulenspiegel Verlag 2004.

Kindliche Wahrnehmung von Benimmregeln im geteilten Deutschland – Vorbereitung auf Leseabenteuer

Die 1970er als Inselkind in Berlin verbracht, das bedeutete für mich bei Familienreisen zu Vaters Verwandten jenseits der Mauer stets besonders bewusstes Erleben von Grenzgängen, Passagen zwischen Selbst- und Fremd-Kontrollroutinen vor einem emotional beunruhigenden Hintergrund von Halbverstandenem und Unausprechlichem beim Übergang von einem System in ein anderes. Während der oft üppigen Wartezeiten wuchs die Spannung im Auto, deutlich spürbar die Angst der Eltern, etwas falsch zu machen. Regeln und Rituale voller Rätsel und unausgesprochener Zusammenhänge. Zu ahnen in verbalen und nonverbalen Windungen der Erwachsenen gegenüber den Uniformierten und ebenso jener Uniformierten im Umgang mit uns, den korrekt zu Kontrollierenden. Ich lernte, indem ich beobachtete und versuchte, die Masken zu lesen. Bis heute fällt es mir schwer zu benennen, was genau ich lernte …

Warum fang ich davon an? Weil ich glaube, dass mich leibhaftiges Erleben geprägt, früh meine „Antennen“ für Nuancen, Unter- und Zwischentöne von Kommunikation geschärft hat. Ich stürzte mich früh in Sprach- und Leseabenteuer aller Art, entdeckte fasziniert, wie immer neue Welten, Ideen und Werkzeuge zum Denken sich lesend erschließen – und dass das „Wie“ eines Textes entscheidenden Einfluß hat auf die Plausibilität und das Faszinationspotenzial des „Was“, dass im besten Falle die Textgestalt und die Inhalte einander bedingen. Ich lernte Gesten, Mienen, Sprachäußerungen und literarische Bildwelten immer auch als Platzhalter, Masken und Metaphern des Eigentlichen zu begreifen, abzuklopfen auf ihren möglichen Hintersinn, und Irritationen, „Störungen“ und „schräge“ Töne zu goutieren – als Saat konstruktiven Zweifelns.

Abfertigung der Tansitreisenden und der in die Südbezirke der DDR reisenden Westberliner Bürger am Grenzübergang Drewitz-Dreilinden. Foto: Bundesarchiv Bild 183-L0331-0007
Abfertigung der Tansitreisenden und der in die Südbezirke der DDR reisenden Westberliner Bürger am Grenzübergang Drewitz-Dreilinden.
Foto: Bundesarchiv Bild 183-L0331-0007

Solch wertvolles Saatgut sammle ich heute noch – beispielsweise mit den Worten über den Himmel, die Peter Hacks seiner Meta in den Mund legt, als diese sich nach dem Vorwurf des Lehrers, sie sei albern gewesen, mitten im Unterricht in Albert Einstein verwandelt:

Meine hochverehrten Damen und Herren. Alle Sterne drehen sich um аllе Sterne. Es gibt große und kleine Sterne, helle und dunkle, wichtigere und weniger wichtige, aber es ist keiner unter ihnen, auf den es nicht ankommt. Jeder Stern hat ein bisschen Recht. Und was wir Menschen von den Sternen lernen können, ist, wie nett sie, obgleich jeder ein bisschen Recht hat, sich am Ende miteinander geeinigt haben. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Leben und Lesen gehören für mich untrennbar zusammen: Reflexion über Intentionen und Gestaltungselemente von Kommunikationsakten sensibilisiert für differenzierte Text-Analyse und -Gestaltung ebenso wie für kritische Welt- und Selbst-Befragung.

Hacks’ Tücke des Subjekts – Authentische, kreative Selbstentfaltung jenseits von Systemfragen

Hacks’ Förster repräsentierten für mich eine „uniformierte Ordnungsmacht“, die mich als Kind um den Bären bis zuletzt fürchten ließ. Denn obwohl der Bär den Förstern überlegen scheint – unklar ist, ob er sich selbst treu bleiben kann, als die Gruppe ihn zum ‘Bestimmer’ macht. Hacks’ Parabel über die Problematik von Gruppendynamiken, die Hierarchiedenken unterliegen, half mir, Zweifel als Werkzeuge zu erkennen. Der übermütige Bär provozierte Nachdenklichkeit.

Die Handlung rund um Meta Morfoß aber ermutigt (sie und die Lesenden) dazu, sich nicht durch Selbstzweifel vom Ausloten der eigenen Möglichkeiten abhalten zu lassen. Dazu trägt eine im Vergleich zu den Förstern deutlich verständigere Ordnungsmacht bei, „der Müllmann, Herr Karsunke“. Im Gespräch der Erwachsenen über Meta und ihre Verwandlungen meint er, er habe nichts gegen Krokodile und Engel:

„Ich verlange nur eins: dass sie sich endlich entscheidet, wer sie sein will, damit man sich daran gewöhnen kann.“
„Wir haben uns auch so daran gewöhnt“, sagte Herr Morfoß.
„Es ist doch ganz klar, wer sie ist“, sagte Frau Morfoß. „Sie ist doch die Meta.“

Sollte sich Meta Morfoß irgendwann einmal in einen Bären verwandeln, der sich als Förster verkleidet, vielleicht fände ein ganz neuer, anderer Försterball statt?

Phantasievolle Zeitreisen

Heutigen Kindern jedenfalls wünsche ich nachhaltige Begegnungen mit Meta und gern (vielleicht etwas später…) auch mit dem „Bär auf dem Försterball“: Hacks’ kindgerecht gewitzte Literatur verführt neugierige und neugierig gebliebene Entdecker*innen dank klarer Sprache, die bildkräftige Phantasie aus tiefen Gedankenquellen sprudeln lässt.

Die Jüngeren, die in diesem vereinten, aber nicht durchweg einigen Deutschland aufwachsen, könnten im Austausch mit den Älteren neue Details entdecken und umgekehrt. Meta-nautische Expeditionsteams könnten Perspektiven vergleichen und bereden, gar gemeinsam auf „Zeitreise“ gehen – um sich selbst und einander neu und klarer zu sehen und verstehen.

Gesine Reinicke https://twitter.com/textgruen
Gesine Reinicke @textgruen

(Mit ganz herzlichem Dank an Anna Burck für die Würze in der Kürze!)

#MetaCrowd: Der Pirat im Antiquariat

Im April hatten wir eine schöne Konversation auf Twitter mit Bruno Gert Kramm, Pirat und Kulturverfechter sowie Fan und Supporter der Meta Morfoß App!

 

 

 

 

#MetaCrowd: „Wenn ich es mir ganz fest vornehme, kann ich fliegen“

Julia Fertig hat als Kind gespürt, dass man sich wie Meta Morfoß in alles verwandeln kann – man muss nur fest glauben und den richtigen Moment abpassen … Herzlichen Dank, liebe Julia, für deinen wunderbaren Beitrag!

In meiner Erinnerung ist „Meta Morfoß“ das Buch mit der langen Socke auf dem leicht stumpf gewordenen Pappeinband.

Ich wusste weder, was eine Metamorphose, noch, was eine Orchidee ist oder wer Albert Einstein war. Auch der antiautoritäre Duktus der Geschichte von Peter Hacks, die in der DDR in der Reihe der „Trompeterbücher“ des Kinderbuchverlags erschien, konnte mich erst später überraschen. Ich habe ihn einfach überlesen.

Für mich war die Meta vor allem eines: eine Versuchung. Und ein Anker gleichzeitig. Ich war überzeugt davon, wenn ich nur wollte, könnte ich mich wie Meta in alles verwandeln. Ganz in echt. Ich habe mich nur nie wirklich getraut. Ich wollte auch kein Krokodil auf der Straße oder eine Lok im Gegenverkehr sein. Mir kam es auf Provokation oder Selbstverwirklichung nicht an. Mir war es wichtig, diese Kraft als „letztes Mittel“ für ganz bestimmte Situationen aufzuheben. Als Rettung aus mir selbst. Wer weiß, wozu es mal gut ist …

Julia Fertig
Julia Fertig

Ich kann heute noch die tiefe Überzeugung in mir nachspüren, dass ich fliegen könnte, wenn ich mir es nur fest genug vornähme und den Impuls genau im richtigen Moment umsetzte. Pädagogisch nennt man das wohl die „magische Phase“. Den festen, kindlichen Glauben an das Wunderbare. Meta Morfoss war eines der Bücher, an dessen Realitätsnähe ich fest glaubte.

Diese selbstverständliche Unbedingtheit. „Ich bin doch die Meta!“ Heute weiß ich, dass die Greifbarkeit des Phantastischen in der magischen Phase kein an ein bestimmtes Alter gebundenes physiologisches Phänomen ist, sondern ein Qualitätsmerkmal guter Literatur. Danke, Peter Hacks!

#MetaCrowd: Die tröstende Meta

Unser Fan und Supporter Kati Schrödter hat uns die erste Geschichte zu unserer #MetaCrowd-Aktion geschickt. Wir freuen uns riesig über diese wunderbare Erinnerung und danken Kati herzlich dafür!

Die tröstende Meta

Das Kennenlernen von Meta und mir war in trister Umgebung. Ich war zum ersten und hoffentlich letzten Mal im Krankenhaus und bekam von meiner Lieblingstante als Trostpflästerchen ein kleines gelbes Trompeterbüchlein geschenkt, das Geschichten von zwei Mädchen – Claudia („Ein Märchen für Claudias Puppe“) und Meta („Meta Morfoß“) – enthielt. Mit ihrer ansteckenden, „schauderhaften Blödellaune“ hat vor allem Meta mir die Tage in der Klinik versüßt.

Später als ich wieder gesund war, hat das Büchlein einen festen Stammplatz an meinem Bett gekommen. Oft habe ich mich mit Meta weg geträumt. Peter Hacks’ Kinderbücher lassen der Phantasie viel Raum und geben Impulse zum Weiterspinnen. Das mit dem Trösten funktioniert übrigens immer noch. Ich habe es erst vor kurzem bei meinem 7-jährigen Patenkind erfolgreich ausprobiert.

Kati Schrödter
Kati Schrödter

Als Leseratte und Theaternärrin bin ich dem Vater von Meta, Peter Hacks, später noch einige Male begegnet. Eine wunderbare Sprachakrobatik, gepaart mit klugen und tiefen Gedanken, findet sich in vielen seiner Werke und hat mich oft auch als Erwachsene begeistert.

#MetaCrowd: Erzähl von deiner Begegnung mit Meta Morfoß und ihren Hacks-Geschwistern!

Lange war es still hier, wir waren wie ihr wisst im Urlaub, was allen sehr gut getan hat. Nun aber meldet sich Meta Morfoß zurück und lautstark zu Wort!
Meta an alle Fans und Supporter: “Wer von euch kennt mich schon? Wann sind wir uns begegnet? Kennst du auch meine Hacks-Geschwister? Erzähl doch mal!”

Um Meta ranken sich bereits so viele Geschichten ...  (c) Daktylos Media
Um Meta ranken sich bereits so viele Geschichten …
(c) Daktylos Media

Einige von euch haben uns bereits begeistert davon berichtet, wie sie Meta Morfoß oder andere Geschichten von Peter Hacks als Kind gelesen oder mit ihren eigenen Kindern heute entdeckt haben.
Uljana Wolf, die für uns Meta Morfoß ins Englische übersetzt hat, machte bereits den Anfang: Im Daktylos Media Blog hat sie vor ein paar Wochen mit uns darüber gesprochen, was das Buch Meta Morfoß für sie bedeutet.
Wir wollen die #MetaCrowd sichtbar und noch viel größer machen! Deshalb sammeln wir jetzt solche Geschichten von der ersten Begegnung mit Meta Morfoß und möchten sie nacheinander im Daktylos Media Blog veröffentlichen. Schreibt eure Geschichte auf, ein paar Zeilen reichen, und schickt sie an uns! Sagt unsere Geschichtensammelaktion weiter, damit wir so viele Storys wie möglich zeigen können, die Menschen persönlich mit Meta Morfoß und Peter Hacks verbinden.

Schickt eure Geschichte (ca. 500 bis 1500 Zeichen) an anna@daktylos-media.com!

Daktylos Media auf der Leipziger Buchmesse 2014

Die letzten Tage und Wochen waren so mit Ereignissen angefüllt, dass ich ständig das Gefühl hatte: 48 Stunden komprimiert in 24, Nachtruhe fällt weg, Grundstimmung dabei positiv und euphorisch.

Anfang Februar suchte ich im Programm der Leipziger Buchmesse mit dem Schlüsselwort „App“ und stieß auf eine einzige Veranstaltung: „Alles nur App-etitmacher oder doch mehr? Kinder-Tablets, Lese-Apps und Co. für die Bücherfans von morgen“ – wie für uns gemacht! Sofort schrieb ich René Wagner (hoerbuch-seminare.de) an, den Moderator, und stellte unseren Verlag und unser erstes Projekt vor. Er antwortete umgehend und lud mich mit aufs Podium ein. Freudenhüpfer im Dresdner Wohnzimmer! Von René erfuhr ich, dass meine Gesprächspartnerinnen Karen Ihm von der Stiftung Lesen und Henrike Friedrichs, Medienpädagogin an der Uni Bielefeld, sein würden. Mit der Stiftung Lesen hatte ich auch im Vorfeld schon zu tun, sie wird mit einer Rezension nach dem Release Eltern hoffentlich unsere Meta Morfoß App ans Herz legen.

Vor zwei Wochen bekam ich den Führerschein, und so lieh ich mir gleich letzte Woche ein Auto aus, um damit nach Leipzig zur Buchmesse zu brausen mit dem Vorsatz, ganz viele Leute zu treffen, Veranstaltungen zu besuchen und alles zu betwittern und bei Facebook abzubilden. Auf der Messe angekommen musste ich meine Pläne diesbezüglich etwas herunterschrauben: WLAN gab es zwar in jeder Halle, aber nur an jeweils einem Hotspot,  und für die Nutzung des flächendeckenden WLAN-Netzes hätte ich noch einmal einen zweistelligen Betrag zahlen müssen. Deutschland? Medienbranche? Leider funktionierte auch das Handy als Router fürs iPad nicht immer zuverlässig. Aber das alles beiseite, nach und nach fand ich in einen Rhythmus, traf Caspar Armster und Anna Karina Birkenstock vom Tilda Marleen Verlag, trank einen Cappuccino mit Louise Carleton-Gertsch (LCG Media), die ich schon so lange kennenlernen wollte, schaute bei Britta Jürgs vom AvivA Verlag vorbei (meiner ersten Arbeitgeberin in der Branche), und nicht zuletzt stattete ich natürlich dem Eulenspiegel Verlag einen Besuch ab. Abends kam ich nach einer kleinen Odyssee durch Leipzig (noch einmal werde ich nicht vergessen vor der Autofahrt mein Handy-Navi aufzuladen) doch endlich noch im pub’n pub an, wo ich viele nette Leute traf, die alle “was mit Büchern machen”. Am nächsten Morgen lernte ich auch Stefanie Leo von dem mittlerweile traditionsreichen Blog buecherkinder.de kennen. Ich hoffe sehr, dass sich mit ihr irgendeine fruchtbare Zusammenarbeit ergibt, Ideen habe ich schon …

Teil 1 der Videoaufzeichnung “Alles nur App-etitmacher?” auf der Leipziger Buchmesse 2014

Teil 2 der Videoaufzeichnung “Alles nur App-etitmacher?” auf der Leipziger Buchmesse 2014

Am Freitagnmittag dann startete unsere Veranstaltung auf dem Forum Hörbuch und Literatur in Halle 3. Hier konnte ich unseren Verlag, unsere Meta Morfoß App und die Crowdfunding-Kampagne vorstellen. Die Veranstaltung war gut besucht, alle Plätze waren besetzt, einige der Zuhörer*innen standen sogar. Viel mehr erzählen muss ich hier nicht – dafür haben wir ja alles auf Video aufgezeichnet. Vielen Dank an dieser Stelle an meine Freundin Olga Vostretsova, die sich um die Aufnahme gekümmert hat!

„Kinder? Ich kenne gar keine.“ Ein Gespräch über Peter Hacks als Kinderbuchautor

Unsere erste Buch-App bringt Peter Hacks’ Erzählung Meta Morfoß auf iPads und Android Tablets. Im Interview mit Dakytlos Media erzählt Verleger Dr. Matthias Oehme über Peter Hacks und dessen wunderbare Texte für Kinder.

Peter Hacks, 1976. Foto: Bundesarchiv
Peter Hacks, 1976. Foto: Bundesarchiv

Daktylos Media (DM): Wo und wie haben Sie Peter Hacks kennengelernt?

Matthias Oehme (MO): Den Dichter kenne ich schon lange, persönlich habe ich ihn aber erst spät kennengelernt. Das geschah in einer Zeit, in der ich den Eulenspiegel Verlag übernommen hatte, also etwa 1994, und Hacks als Autor zu gewinnen versuchte. Und obwohl sich das nicht gleich machen ließ, war er sehr freundlich, aufgeschlossen und überaus interessiert, was hier mit dem alten DDR-Verlag passiert. Ich hatte den Eindruck, dass unsere Begegnungen und Gespräche, teils im Verlag, teils bei ihm in der Schönhauser Allee oder draußen auf seinem Landsitz, von Sympathie und Einverständnis geprägt waren. Er wollte schon gern bei uns publizieren.

DM: Was ist Ihnen von Hacks besonders in Erinnerung geblieben?

MO: Auch wenn es nur ein Aspekt ist, so sollte man den doch nicht unterschätzen: Ich hatte den Eindruck, dass er ungemein neugierig war; er ließ sich gern über alle Sachverhalte und Personen Neues berichten, seien es die Umstände des Verlagsgeschäfts, politische Entwicklungen oder eben literarischer Tratsch; nur Neues sollte es eben sein. Alles andere langweilte ihn schnell. Und natürlich hatte er zu allem ein Urteil; ich nenne es nicht Meinung, denn meist war das gegründeter als eine bloße Meinung.

T. liest Geschichten von Henriette und Onkel Titus, zweite Auflage des Kinderbuchverlags 1982 (c) Daktylos Media
T. liest Geschichten von Henriette und Onkel Titus, zweite Auflage des Kinderbuchverlags 1982 (c) Daktylos Media

DM: Hacks, der selber keine Kinder hatte, hat wunderbare Kinderliteratur geschrieben. Was macht aus Ihrer Sicht diese Texte so zeitlos und so stark?

MO: Ja, sie sind nicht kindertümelnd, nicht didaktisch, tief von einsehbarer Logik und spaßhafter Vernunft geprägt, was Kindern sehr gefällt, es handelt sich um kräftige, phantasievolle Fabeln, um sprachlich klare und originelle, dabei hochpoetische Texte, und es sprechen sich jeweils herausragend selbstbewusste Haltungen und ein frohgemuter Handlungswillen aus. Das ist Literatur nicht nur für Krisen oder Phasen des Niedergangs, das ist haltbar. „Ein Ding von Schönheit ist ein Glück auf immer.“

DM: Wissen Sie, welche Bedeutung das Schreiben von Texten für Kinder für Hacks persönlich hatte, welchen Raum es in seinem Leben einnahm, was er damit verband?

MO: Er selbst hat ja darüber in seinem Aufsatz „Was ist ein Drama, was ist ein Kind?“geschrieben, ich mag nicht besserwisserisch sein. Für Kinder zu schreiben war ihm, glaub ich, literarisch-ästhetisch nicht so sehr wichtig, insofern sind all diese Texte Blumen eher vom Feldrain der Poesie. Die Verfertigung dieser Sachen kam aber seinem Naturell entgegen, will sagen, er hatte offenbar öfter mal überbordende Lust drauf. Das ist so, wie dieser große Dramatiker gelegentlich eben auch Gedichte oder erzählende Texte geschrieben hat. Außerdem hatte er ein hochentwickeltes Genrebewusstsein, so dass ihm klar war, dass bestimmte Gegenstände eben nur in den Sagweisen der Kinderliteratur sich behandeln lassen.

Auf die Frage, wieso er für Kinder schreibt und sie offenbar gut kennt, hat er 1977 dem DDR-Kinderbuchverlag einmal so geantwortet:

Man fragt: Sie haben natürlich Kinder? Ich erwidere, nein. Man fragt: woher kennen Sie sie dann? Ich erwidere: ich kenne gar keine. Hiernach verwundert man sich und fragt: aber Sie scheinen sie doch zu mögen! – Ist das wirklich so schwierig? Ich habe keine Kinder und kenne folglich keine und habe aus diesen beiden Gründen wenig Mühe, mir meine gute Meinung über sie zu erhalten.

DM: Hacks’ Erzählungen wie Meta Morfoß oder Geschichten von Henriette und Onkel Titus entstehen aus dem Spiel mit der Sprache und ihren Bedeutungen, sie erscheinen zuweilen absurd. Kann man sagen, dass es in der DDR-Kinderliteratur auch eine absurde Erzähllinie gab wie beispielsweise im englischsprachigen Raum oder in der jungen Sowjetunion? Oder ist Hacks da eher ein Einzelfall?

MO: Ich vermute, dass die Ähnlichkeiten recht oberflächlich sind. Die Bezeichnungen des Absurden trifft  die Hervorbringungen der Hacksschen Phantasie gar nicht. Hacks ist zwar tatsächlich ein Einzelfall, das denke ich schon auch, aber sein Boden ist definitiv der Realismus; vielleicht macht die Fülle, die Fruchtbarkeit seines Realismusbegriffs ja seine Einzigartigkeit aus. Alles, was uns so sehr phantastisch, gar absurd erscheint, etwa ein Bär, der auf dem Försterball das große Wort führt, sind wirklichkeitsgesättigte und wirklichkeitszugewandte Geschichten mit Witz und Hintersinn, die Kinder durchaus nicht mit den zahllosen sauertöpfischen Produkten von anthropomorphisierenden Halbdidakten verwechseln. Die haben dafür nämlich ein untrügliches Gespür.

Der Bär auf dem Försterball. Illustrationen von Walter Schmögner (c) Eulenspiegel Verlag
Der Bär auf dem Försterball. Illustrationen von Walter Schmögner
(c) Eulenspiegel Verlag

DM: Ein russisches Entwicklerteam, das wir wegen der Programmierung der „Meta Morfoß App“ angefragt hatten, erteilte uns eine Absage: Mit „Hermaphroditen“ wolle man nichts am Hut haben. Wissen Sie, ob Meta Morfoß auch früher schon für Anstoß gesorgt hat?

MO: Naja, ich finde die Episode mit der Absage lustig, aber nicht nur lustig. Bekannt ist mir derlei nicht, obwohl es gegen Hacks von früh an auch immer wieder mal irgendwelche Einwände gegeben hat, auch gegen seine Texte für Kinder. Es sind die Lehrer, die wirklichen und die angemaßten, die oft ihre Schwierigkeiten damit haben. Aber ein so gebildetes Vorurteil ist mir da nicht begegnet; und mehr ist es ja nicht. Ich weiß gar nicht, ob sich daran tatsächlich eine gesellschaftspolitische Debatte entzünden kann. Sie dürfen nicht vergessen, dass ein DDR-Kind ja viel aufgeklärter war als etwa ein westdeutsches. Letztlich auch dank Hacks!

DM: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben!


Matthias Oehme, Geschäftsführer des Eulenspiegel Verlags und Peter Hacks Verleger. Foto: Simone Uthleb (c) Eulenspiegel Verlag
Matthias Oehme, Geschäftsführer des Eulenspiegel Verlags und Peter Hacks Verleger.
Foto: Simone Uthleb
(c) Eulenspiegel Verlag

Dr. Matthias Oehme, geb. 1954, Literaturwissenschaftler und Verleger; Studium der Germanistik in Leipzig, Promotion 1984 mit einer Untersuchung zu Dramaturgie und Dramentheorie beim späten Schiller. Übernahm 1993 zusammen mit Jacqueline Kühne den Verlag Das Neue Berlin und den Eulenspiegel Verlag, beide Verlage wurden durch eine neugegründete Gesellschaft fortgeführt. Ist gelegentlich auch herausgeberisch tätig (Herder, Schiller, Brecht, Hacks).