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Momotaro

(c) Ghost Hand Games
(c) Ghost Hand Games

Wir haben unser iPad noch nicht so lange. Vor kurzem luden wir The Legend of Momotaro herunter. „Wann schauen wir endlich mal das App mit der schönen Blüte an?“, fragte ein paar Stunden darauf unsere große Tochter T.,  sechs Jahre alt. Bisher kannte und spielte sie auf dem iPad nur einige Spiele von Toca Boca, die sie heiß liebt und mit deren Figuren sie sich stark identifiziert. (Sie wollte sogar ihrem Bruder verbieten, „ihr“ blaues Monster von Monster Kitchen zu füttern.) Zurück zu der „schönen Blüte“: Es ist eigentlich ein Pfirsich mit einer Spitze, der tatsächlich einer  prallen Knospe ähnelt – das Icon der Momotaro-App, das sich nun neben den fröhlichen Toca Boca Gesichtern eingereiht hat.

The Legend of Momotaro: Die alte Frau findet beim Wäschewaschen am Fluss einen Riesenpfirsich (c) Daktylos Media
The Legend of Momotaro:
Die alte Frau findet beim Wäschewaschen
am Fluss einen Riesenpfirsich (c) Daktylos Media

The Legend of Momotaro  ist eine Storybook App der Spiele-Firma Ghost Hand Games aus Saratoga Springs, NY. Die Anwendung ist eins jener interaktiven Bücher, welches unseren Vorstellungen auf der Suche nach guten Buch-Apps allen Beschreibungen und Rezensionen nach sehr nahe kam. Auf Deutsch haben wir Vergleichbares bisher nicht gefunden.

Die Geschichte erzählt auf Englisch eine bekannte japanische Heldenlegende. Einem alten Ehepaar wird der größte Wunsch erfüllt: Sie bekommen ein Kind. Dessen Besonderheit ist schon daran zu erkennen, dass der Junge einem Riesenpfirsich entspringt, den die alte Frau aus dem Fluss gefischt hat. Sie nennen den Jungen Momotaro, „Pfirsichjunge“. Er wächst zu einem hervorragenden Kämpfer heran und befreit das Land von Ogern.

Das Design fängt viele Elemente aus der traditionellen japanischen Kultur ein. Die Geschichte eröffnet sich auf einer Schriftrolle, die seitwärts entrollt wird. Jeder Textabschnitt hat eine eigene Szene oder „Bühne“, auf der entsprechend dem Erzählfluss kleine Veränderungen passieren. Man taucht ein in eine japanische Landschaft, in der man viele Dinge wie beispielsweise einen Pflaumenbaum, Holzschuhe oder Papierfische entdecken kann. Sie werden in der unteren Leiste in Kanjis dargestellt und man findet sie, indem man entweder das Kanji oder im Bild das Bezeichnete antippt. Dann entfaltet sich eine kleine Blume zu einem Origami-Papierblatt, auf dem der Gegenstand dargestellt und jeweils mit dem englischen und dem japanischen Wort benannt wird. Die jeweilige Aussprache kann man durch Antippen des Wortes hören. Außerdem wird das japanische Wort auch noch mit Hiragana, den japanischen Silbenzeichen, dargestellt (und ausgesprochen) sowie mit dem jeweiligen Kanji, einem einzelnen Schriftzeichen, welches man mit dem Finger nachzeichnen kann. Einige traditionelle Dinge japanischer Kultur wie der Karpfen, der Pfirsich oder der Schrein werden auf einem „Papier“ extra landeskundlich erklärt.

The Legend of Momotaro: Kanji für
The Legend of Momotaro: Kanji für “Haus” (c) Daktylos Media

Der erste Kommentar unseres zehnjährigen Sohnes, der sich die App zuerst allein anschauen durfte, war: „Langweilig!“ Er hatte erwartet, dass durch Herumtippen auf den an japanische Holzschnitte erinnernden Szenen mehr animierte Sachen passieren würden. Aber es ist kein animiertes Spielbuch wie beispielsweise Alice for the iPad. Abends vorm Schlafen war endlich Zeit, Momotaros Geschichte in Ruhe anzuschauen. Die kleine Tochter schlief schon und unsere Große und ich kuschelten uns ins Bett. Ich begann ihr den englischen Text auf Deutsch zu erzählen. Da schlich doch auch der Bruder neugierig herbei und quetschte sich mit dazu. Kinder lieben Märchen, zu jeder Tages- und Nachtzeit und in jeder Lage.

Der Sound der App ist abgesehen von den klaren, satten und durchdringenden Tönen einer Koto, mit der die App startet, ein sehr unaufdringlicher, meditativer: es gibt wenige Geräusche sommerlicher Natur wie Wasser- und Windrauschen, Grillenzirpen, Vogelzwitschern oder das leise und heimelige Blubbern kochender Suppe. Der Text wird schlicht nach klassischer Märchenstruktur erzählt. Wir hatten Zeit und so konnten die Kinder ruhig der Geschichte lauschen und dann nach jedem Abschnitt alle interaktiven Elemente ausprobieren. Meine Tochter sprach begeistert die englischen und japanischen Wörter nach und zeichnete alle Kanjis. Meinen Sohn interessierte eher der Vergleich der japanischen Wörter mit den englischen, von denen er viele kennt.

Wir sind nur etwa durch zwei Drittel der App gekommen, nach rund 40 Minuten schliefen die beiden Kinder ein. Den Rest schauen wir uns vielleicht heute Abend an.

Mein Fazit: The Legend of Momotaro ist eine wunderbare Buch-App, die für lange Zeit ein rundum sinnliches und intellektuelles Vergnügen bereiten kann. Man sollte sie unbedingt mit den Kindern zusammen anschauen. Nicht nur können alle gemeinsam eine Mußestunde genießen. So kann man auch die Erwartungen der Kinder und ihren Aufmerksamkeitsfokus steuern, sodass sie – trotz dessen, dass man nicht wild herumtippen und trickfilmartige Erlebnisse erzielen kann – erst einmal neugierig auf die Geschichte sowie die fremde Sprache und Kultur werden und dann viel Spaß beim Anschauen haben.

The Legend of Momotaro
Ghost Hand Games LLC
Preis bei iTunes: 2,69 €
Größe: 179 Mb