Interactive Children's Books
MENÜ

„Wir sind jedes Jahr total begeistert!“ Das Medienfestival 2014 kommt.

„Wir sind jedes Jahr total begeistert!“ Das Medienkulturzentrum Dresden zeigt, dass von „digitaler Demenz“ bei Kindern und Jugendlichen keine Rede sein kann

Am 15. und 16. November 2014 wird  Daktylos Media auf dem Medienfestival für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Dresden seine Meta Morfoß App der Öffentlichkeit vorstellen und die erste Lesequest der Welt gemeinsam mit Kindern und ihren Familien testen. Das App-Testing wird eine Station von vielen auf dem Festival sein, welches unter dem Motto „Ausprobieren, Informieren, Staunen“ alle einlädt, mit Medien aller Art kreativ zu werden. Veranstaltet wird das Ganze vom Medienkulturzentrum Dresden. Kirsten Mascher, Leiterin des Projektbüros des Medienkulturzentrums, erzählt im Gespräch mit Daktylos Media über die Ziele und Hintergründe dieses Riesenevents.

Pong Invaders Reality auf dem MB21-Festival 2011 / CC-BY-NC MB21 Marco Prill
Pong Invaders Reality auf dem MB21-Festival 2011 / CC-BY-NC MB21 Marco Prill

Feiert den Deutschen Multimediapreis mb21 auf dem Medienfestival 2014

Daktylos Media (DM): Was erwartet uns dieses Jahr beim Medienfestival, was sollte man auf keinen Fall verpassen?

Kirsten Mascher (KM): Na, das Medienfestival selbst! In diesem Jahr findet das Festival in den Technischen Sammlungen in Dresden statt. Das Museumsangebot und unser Angebot lassen sich wunderbar miteinander verknüpfen. Das Haus wird komplett mit medialen Projekten, Aktionen und Workshops bestückt sein. Es gibt ganz viel zum Selbermachen, kreativ Werden, Staunen, Ausprobieren, Informieren. Wir haben zum Beispiel einen Laser-Cutter und einen 3D-Drucker vor Ort, man kann kleine Roboter löten, Siebdruck-Aufkleber oder Laptop- und Handytaschen aus verschiedenen Materialien herstellen. Am Samstagabend werden wir im Innenhof der technischen Sammlungen auch wieder ein Street Game spielen: „Johann Sebastian Joust“. Ein anderes schönes Projekt ist „Drawdio“, hier wird der eigene Körper mit Hilfe der Technik zum Musikinstrument. Außerdem freuen wir uns über den MotionComposer, eine Art interaktive Bühne, in der kleinste Bewegungen Töne auslösen. Und dann werden natürlich die Siegerprojekte des Deutschen Multimediapreises mb21 sowie die Projekte der CrossMedia Tour  ausgestellt. Wir laden auch junge Preisträger unserer europäischen Partner-Wettbewerbe aus Ungarn, Österreich und der Schweiz nach Dresden ein.

DM: Du hast es schon angerissen: Auf dem Medienfestival werden jedes Jahr die Preisträgerinnen und Preisträger des Deutschen Multimediapreises mb21 ausgezeichnet. Was ist das Ziel des mb21?

KM: mb21 ist bundesweit der einzige Multimedia-Preis dieser Art für die Altersgruppe fünf  bis 25 Jahre. Er wird vom Medienkulturzentrum Dresden und dem Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrum veranstaltet. Wir zeichnen Ideen und Produkte von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Bereich Multimedia aus. Wir schauen dabei vor allem auf Kreativität und Ideenreichtum und fragen: Wer und was steckt hinter dem Projekt? Wie werden die Medien auf originelle Art und Weise miteinander verknüpft? Auch die Produktionsbedingungen spielen eine Rolle: Hat beispielsweise eine Sonderschule mit einer anderen Schule zusammengearbeitet?

DM: Wer nimmt am Deutschen Multimediapreis mb21 teil und was wird da eingereicht?

Kirsten Mascher, Leiterin des Projektbüros am Medienkulturzentrum Dresden. Foto: privat.
Kirsten Mascher, Leiterin des Projektbüros am Medienkulturzentrum Dresden. Foto: privat.

KM: Die jüngeren Kinder reichen gern Stop-Trick-Animationen ein, bei denen beispielsweise die Kuscheltiere aus dem Kindergarten zum Leben erweckt werden. Oder wir erhalten entzückende selbstgeschriebene Geschichten, die mit eigens produzierten Bildern und Tönen bestückt sind. In den älteren Altersgruppen finden YouTube Channels verstärkt ihren Weg zu uns. Hier artikulieren sich die Jugendlichen und stellen sich dar, hier wollen sie kommunizieren, anregen, aufregen, Fragen stellen. Außerdem sind wir jedes Jahr total begeistert, was an Computerspielen erstellt und eingereicht wird. Spielerische und praktische Zugänge finden Jugendliche auch in der Erstellung von Apps, zum Beispiel solche, die den Alltag erleichtern als auch mobile Spiele zur Stadterkundung. Und dann werden beim Wettbewerb auch Installationen eingereicht, in denen beispielsweise Mediales in den physischen Raum transportiert, Fragen gestellt und die Besucher der Installation irritiert und zum Nachdenken angeregt werden. Hier geht es in Richtung Medienkunst, mit der sich auch schon bereits zwölfjährige Teilnehmer beschäftigen. Und dann gibt es natürlich den Bereich der Computer-Animationsfilme, die uns jedes Jahr verzauben. Insgesamt kann man sagen, dass es manchmal die ganz einfachen Ideen sind, die den Benutzer oder Besucher mitreißen und begeistern.

DM: Was sagt ihr Eltern und Pädagogen, die Angst vor einem zu hohen Medienkonsum bei ihren Kindern haben oder neuen Geräten skeptisch gegenüberstehen und den Bildschirm lieber ausgeschaltet sehen?

Auf dem Medienfestival 2014 kann jeder die Meta Morfoß App testen. Foto: Daktylos Media
Auf dem Medienfestival 2014 können alle die Meta Morfoß App testen. Foto: Daktylos Media

KM: Wir empfehlen den Mediengebrauch zuzulassen und ihn zu begleiten, anstatt mit Verboten zu arbeiten . Denn dann enthalten wir unseren Kindern einen Bereich vor, der in unserem gesellschaftlichen Leben wichtig geworden ist. Medien gehören zu unserem Alltag dazu. Deshalb sollte der Umgang mit Medien neben anderen Beschäftigungen im Familienleben seinen Platz finden. Wir empfehlen, Medien gemeinsam „anzuschauen“, sich dafür zu interessieren, was ein Kind spannend findet und mit dem Computer macht. Ich denke, es ist wichtig im Gespräch zu bleiben, sich Dinge erklären zu lassen. Und Zeiten kann man ja festlegen: Es gibt Draußen-Zeiten, Essens- und Schlafenszeiten und eben auch Medienzeiten.

Medienkompetenz statt „digitaler Demenz“

DM: Was meinst du, wie ernst muss man Skeptiker nehmen, die vor der Digitalisierung der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen warnen, gar von einer „digitalen Demenz“ sprechen …

KM: Für uns zeichnet sich jährlich beim Deutschen Multimediapreis und in unserer täglichen Arbeit ein anderes Bild. Es ist wichtig hinzuschauen, was Kinder und Jugendliche zu sagen haben und mit Medien machen. Und es ist für uns alle wichtig, medial auf dem Laufenden zu bleiben, um neue Entwicklungen zu verstehen, einordnen zu können und auf Risiken aufmerksam machen zu können. Nicht alle Kinder und Jugendliche werden von ihrem sozialen Umfeld so unterstützt, dass sie kompetent mit Medien umgehen können. Deshalb ist es ganz wichtig, dass Schule, außerschulische Einrichtungen und das Elternhaus offen sind und medienpädagogische Unterstützung erhalten.

SolarKreaturen basteln auf dem MB21-Festival 2012. Foto (c) Philipp Baumgarten
SolarKreaturen basteln auf dem MB21-Festival 2012. Foto (c) Philipp Baumgarten

DM: Warum bekommen deiner Meinung nach in Deutschland diese Stimmen so viel Gewicht in den Medien?

KM: Eigentlich wiederholt sich die Geschichte. Es tauchen immer wieder „neue“ Medien auf und eine damit verbundene Unsicherheit. Das Buch war auch eine Zeit lang in der Gesellschaft nicht gut angesehen. Sich mit neuen Medien auseinanderzusetzen hat etwas mit dem Alter zu tun und ob jemand damit aufwächst oder sich die Kenntnisse später mühsam aneignen muss. Ein Ziel unserer Arbeit ist, die Auseinandersetzung mit Medien zu unterstützen, die Strukturen und Funktionsweise von Medien zu erkennen. Dann kann man auch einschätzen, wo die positiven und negativen Seiten liegen und wie man sie nutzen kann. Medienkompetenz ist gleich Handlungskompetenz.

Das Team des Medienkulturzentrums steht bereit fürs Medienfestival 2014. Foto: Medienkulturzentrum Dresden
Das Team des Medienkulturzentrums steht bereit fürs Medienfestival 2014. Foto: Medienkulturzentrum Dresden

Medienpädagogik – jeden Tag aufs Neue staunen

DM: Was macht dir am meisten Spaß bei deiner Arbeit?

KM: Mich reizt, dass es immer was Neues gibt. Wir treffen ständig auf neue interessante Themen, das ist wundervoll. Es ist jedes Jahr überwältigend, mit welchen Themen Kinder und junge Erwachsenen sich auseinandersetzen. Da hat Pessimismus überhaupt keinen Platz. Man sieht eher, was sie sich für wichtige Gedanken machen und wie ernst sie sich mit bestimmten Themen auseinandersetzen. Das ist die schöne Seite. Die negativen Seiten meiner Arbeit sind, dass man sich ständig weiterbilden, sich ständig in die neuen Techniken reinarbeiten muss, das ist manchmal nervig. Manchmal möchte man einfach mal bei einer Sache verweilen und etwas ausbauen. Dies versuchen wir dann aber teilweise in zusätzlichen Projekten.

DM: Vielen Dank für das Interview. Und ganz viel Spaß und Erfolg beim Medienfestival! Wir sehen uns!

logo MKZD_wybór drugi_drukZur Info:
Das Medienkulturzentrum Dresden ist ein soziokultureller Verein, der seit 1993 medienpädagogisch arbeitet. Die Arbeit gliedert sich in vier Bereiche:
Die Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle (SAEK) sind offene Sendekanäle, wo man den Umgang mit der Technik im Bereich Fernsehen und Radio und journalistische Grundlagen erlernen und mit eigenen Beiträgen loslegen kann.
Der sächsische Kita-Bildungsserver ist ein Portal für Fachkräfte aus dem Kitabereich und für Eltern.
Das Projektbüro (Leiterin: Kirsten Mascher) organisiert Großprojekte wie die CrossMedia Tour in Dresden und den Deutschen Multimediapreis mb21. Das Büro ist verantwortlich für alles, was Neue Medien anbelangt. Arbeitsthemen sind beispielsweise der kreative Umgang mit Computerspielen, mobiles Lernen oder der Umgang mit dem Internet.
Das Trickfilmstudio Fantasia ist ein eigener Verein, aber unter dem Dach des Medienkulturzentrums ansässig.
Die Arbeit des Medienkulturzentrums Dresden wird über die Stadt Dresden, die Sächsische Landesmedienanstalt und über verschiedene Stiftungen finanziert. Den Deutschen Multimediapreis mb21 finanziert das Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend und die Stadt Dresden. Das Medienkulturzentrum ist Mitglied in verschiedenen Netzwerken: Netzwerk deutscher Medienzentren, Netzwerk für Medienpädagogik in Sachsen und Netzwerk Medienbildung Dresden.

Wie und was 10-jährige Jungen lesen

In den Weihnachtsferien hat T. endlich Zeit, stundenlang auf dem Sofa zu lesen. (c) Daktylos Media
In den Weihnachtsferien hat T. endlich Zeit,
stundenlang auf dem Sofa zu lesen. (c) Daktylos Media

Unser Sohn liest inzwischen gern, hurra! Das erste Buch ganz durch las T. in der dritten Klasse: Angstmän, eine total witzige und spannende Erzählung über bedrohliche Supermänner und sympathische Antihelden, die ich allen Kindern und ihren Familien nur empfehlen kann. Danach kam Doktor Proktors Pupspulver an die Reihe, die Geschichte über die Freundschaft eines kleinen Jungen mit einem Professor, der ein Pulver erfindet, mit dem man wie eine Rakete losstarten kann. T. las das Buch begeistert als Viertklässler und stellte es auch in der Schule vor, parallel zu Gregs Tagebuch. Sein Papa brachte T. auf Harry Potter, abwechselnd las er ihm auf Russisch vor oder T. schwartete auf Deutsch selbst. Vor einem Monat wurde diese siebenbändige Mission mit dem Seufzer „Schade, dass es nicht weitergeht!“ abgeschlossen.

Etwa zur gleichen Zeit entsorgte T. in zwei Kisten fast alle der Kinderbücher aus seinem Zimmer, die noch von mir stammten und die ich ihm ins Bücherregal gestellt hatte mit der Hoffnung, dass er sie einmal ebenso begeistert verschlingen würde wie ich als Kind. „Es stimmt ja nicht, dass ich nicht lesen will“, sagte er, „ich will nur nicht die Bücher lesen, die du mir ins Regal gestellt hast.“ Er sucht sich jetzt seine Lektüre selbst aus, unter anderem mit Hilfe der von Kindern geschriebenen Rezensionen in ZEIT LEO.Vor kurzem hat T. Vorsicht vor Fako Mustacho und Nerd Forever – Im Würgegriff der Schule durchgelesen. Auf die Geschichte über einen Zwölfjährigen mit falschem Schnurrbart, der eine Bank überfällt und die Präsidentschaftswahlen manipulieren will, ist T. in der ZEIT LEO gestoßen.

Den Nerd hatte ich in der Sendung „Quergelesen“ entdeckt – und damit 100 Prozent ins Schwarze getroffen … ein Trost nach der Absage an „meine“ Kinderbücher. Vor kurzem hat T. sich seinen lang gehegten Wunsch erfüllt und von seinem Taschengeld ein Smartphone gekauft, gebraucht. Sein Weihnachtsgeschenk in diesem Jahr: Android Apps und E-Books. Neben der Minecraft Pocket Edition suchte er sich Wie man 13 wird und überlebt aus. Ja, das Buch über einen Jungen, dessen Pubertät mit der Verwandlung in einen Halbvampir beginnt, konkurriert erfolgreich mit Minecraft! Onkel Montagues Schauergeschichten, das zweite Buch, was er ebenfalls in „Quergelesen“ entdeckt hatte, gibt es leider nicht als E-Book … Wir leihen es uns demnächst in der Bibliothek aus.