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Meta Morfoß App Testing @Medienfestival 2014

Das Meta Morfoß App Testing am 15./16. November war ein Riesenerfolg! Rund 250 Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben uns auf dem Medienfestival besucht und ein Drittel der Leute hat die Meta Morfoß App ausführlich getestet und bewertet. Wir haben sehr viel positives Feedback für die erste Lesequest der Welt bekommen – hier unser ausführlicher Testbericht.

Diego (9)
Diego (9)

Nun hat es also endlich stattgefunden, das lang geplante und lang erwartete Meta Morfoß App Testing. Das Medienfestival 2014, auf dem der Deutsche Multimediapreis MB21 verliehen wurde, war mit 2800 Besuchern ein echter Publikumsrenner! Allein zu unserem Meta Morfoß App Testing kamen rund 250 Kinder, Jugendliche und Erwachsene. 81 von ihnen haben unsere App ausführlich getestet und bewertet. Wir danken dem Medienkulturzentrum Dresden, dass es uns diese wunderbare Möglichkeit gegeben hat, unsere erste Kinderbuch-App einem breiten Publikum bekannt zu machen. Und wir danken natürlich allen fleißigen Testerinnen und Testern für ihre Neugier und ihre Ausdauer, für die vielen anregenden Gespräche, das viele Lob sowie die konstruktive Kritik und die kreativen Ideen für die Weiterentwicklung unserer Lesequest.

Mir hat die App gut gefallen, weil man Wörter suchen und sie antippen musste. Da haben sich die Figuren im Bild bewegt. Das war sehr lustig. Ich habe so etwas noch nie gemacht, wir haben kein Tablet zu Hause. Ich lese sehr gern, für mich war es nicht schwer, den ganzen Text durchzulesen. (Lisa, 10 Jahre)

Die App war toll. Eine ziemlich hübsche Geschichte. Sehr schwer war es eigentlich nicht. Dass man Substantive rausfinden musste, das war nicht leicht. Aber es gibt ja auch noch die Lösung, wo man mal kurz lunschen kann. Ich würde die App gern noch einmal durchspielen. Und ich würde auch gern noch eine andere Lesequest ausprobieren. (Alfred, 9 Jahre)

Meta Morfoß App Testing Kids Book App
Lenka und Aya (beide 7)

Die Tatsache, dass so gut wie alle Kinder vom iPad und seinen vielen spielerischen Möglichkeiten fasziniert sind, wurde im Andrang an unserer Station offensichtlich. Die fünf iPads reichten oft nicht für alle Testwilligen. Einige warteten geduldig, bis sie an der Reihe waren. Mehrmals kamen Eltern auf uns zu und meinten: „Das ist ja eine tolle Idee. Wissen Sie, mein Kind liest nämlich eigentlich nicht so gern. Vielleicht kann Ihre App es zum Lesen motivieren?“ Und, ja, diese Kinder saßen während unseres Gesprächs bereits versunken mit dem iPad da und erlebten über das Lesen gespannt Meta Morfoß‘ Verwandlungen mit. An den beiden Festivaltagen brachen nur drei Kinder das Lesen sofort zu Beginn ab, weil sie die Aufgabe „zu schwierig“ fanden oder weil sie eine echte Spiele-App und keine Geschichte zum Lesen erwartet hatten. Die allermeisten Kinder durchwanderten die App versunken und fasziniert bis mindestens zur Mitte, viele, auch sehr junge Leserinnen und Leser im Grundschulalter, durchliefen die Geschichte bis zum Ende. Angesichts des riesigen Mitmach-Angebots auf dem Medienfestival, das auf unserer und den übrigen vier Etagen die Besucherinnen und Besucher lockte, freuen wir uns über Metas Magnetwirkung!

Ich fand es gut. Es hat viel Spaß gemacht. Die Wörter zu suchen, das war schön. Manchmal war es schwierig, manchmal leicht. (Susanne, 7 Jahre)

Wir wollten natürlich wissen, wer genau sich da für unsere App interessiert und wie die App angenommen wird. Deshalb haben alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf unsere Bitte hin nach dem Testen noch einen Fragebogen beantwortet. Hier präsentieren wir euch die Auswertung. 81 Leute haben unsere App getestet, davon 61 Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren, 19 der Testerinnen und Tester waren älter als 13 Jahre alt. Die jüngste Testerin war knapp sechs, die älteste 77 Jahre alt. Die meisten der Kinder waren Acht- bis 12-jährige. Ein bisschen mehr als die Hälfte waren männliche Tester.

Meta Morfoß App Testing Kids Book App
Lukas (23)

Man beginnt die App mit einem Tutorial, in dem man interaktiv erlebt, wie die Lesequest funktioniert. Die Frage, ob dieses Training hilfreich war, bejahten 60, 19 fanden es teilweise hilfreich, teilweise schwierig zu verstehen. Dass zwei Tester meinten, sie hätten gar nichts verstanden, erklären wir uns damit, dass diese beiden noch zu jung für eine selbständige Nutzung der App waren und der Text größtenteils von den Eltern vorgelesen wurde.

Die App ist sehr ausführlich. Man kann mit ihr viel lernen, auch, wenn man nicht so gut lesen kann. Es macht Spaß, weil etwas in den Bildern passiert. Schön, dass es die App bald gibt, ich würde sie mir kaufen. Ich spiele auch gern Computerspiele, am liebsten Rollenspiele. Ich lese nur manchmal, Computer mag ich mehr als Bücher. (Johann, 12 Jahre)

Meta Morfoß App Testing Kids Book App
Amelie (9)

Was die Suche nach den Schlüsselwörtern angeht, so fand die Mehrheit (47) es schwierig, die Schlüsselwörter zu finden. 34 dagegen meinten, dass alles leicht zu finden gewesen sei.
Peter Hacks hätte es sicher auch so gefreut wie uns, dass den meisten (75) die Geschichte über Meta Morfoß gefallen hat. Die Mehrheit jener, denen die Geschichte nicht gefallen hat, sind übrigens ältere Jungen gewesen. (Jungen interessieren sich erwiesenermaßen nicht besonders für Geschichten mit Mädchen als Protagonisten.)

Meta Morfoß App Testing Kids Book App
Die ganze Familie liest Meta Morfoß zusammen.

Unser Illustrator KClogg kann sich darüber freuen, dass fast allen (78) seine Illustrationen gefallen. Manche darunter fühlen sich allerdings von den Animationen beim Lesen gestört (10).

Ich fand die App ganz schön, aber die Geschichte war ein bisschen kurz, ich hätte gern noch weitergelesen. Die Geräusche haben manchmal genervt, zum Beispiel die Schaukel mit dem Krokodil, die so quietscht. Aber im Großen und Ganzen fand ich alles ganz gut. Wenn die Geschichte in der App länger wäre, würde ich sie auch herunterladen. (Leon, 12 Jahre)

Auch die Töne und Geräusche gefallen den meisten (65). Einfach toll ist, dass einige der jugendlichen Testerinnen und Tester sich gleich einer neuen Herausforderung gestellt und die Geschichte auf Englisch und auf Russisch gelesen haben! Und dass 75 Prozent das App-Format der Lesequest à la Daktylos Media gefällt und sie gern noch weitere Apps dieser Art ausprobieren wollen, freut uns riesig und motiviert uns natürlich, so bald wie möglich die Produktion der nächsten App in Angriff zu nehmen.

Meta Morfoß App Testing Kids Book App
Dorothea (6) testet mit ihrem Papa

Das App Testing ist für uns ein großer Erfolg. Es wurde offensichtlich, dass die App wie vermutet am besten bei den Acht- bis Zwölfjährigen ankommt. Prinzipiell kann jedes Kind, welches schon lesen kann, die App benutzen. Allerdings verstehen manche der jüngeren Kinder noch nicht, was mit „Schlüsselwort“ gemeint ist, trotz der Erklärung dieses Begriffs im Tutorial. Und einige Erwachsene kritisierten im Gespräch, dass es oft schwierig sei, die Wörter intuitiv beziehungsweise aus der Text-Bild-Verbindung heraus selbständig zu finden, also ohne sich die gesuchten Wörter in der Hilfe anzeigen zu lassen. Wir wollen bei der nächsten Lesequest diesen Suchmechanismus intuitiver und einfacher gestalten. Uns fiel aber die große Geduld auf, mit der die Kinder die Schlüsselwörter suchten und fanden – Peter Hacks‘ witziger Text und KCloggs einzigartige animierte Illustrationen schaffen es, die jungen Leseratten gespannt bei der Stange zu halten.

Frankfurter Buchmesse 2014

„Wir wissen nicht, was morgen sein wird. Lasst uns heute feiern!“
Ein paar Splitter von der Frankfurter Buchmesse 2014

Die Entscheidung zur Frankfurter Buchmesse zu fahren fiel damit, dass Daktylos Media auf die Shortlist des diesjährigen Virenschleuder-Preises kam. Hier ein paar meiner Eindrücke, und ein Fazit am Ende gibt es auch!

App-solut unüberschaubare Bücherwelt

So stieg ich also am Donnerstagmorgen in den ICE nach Frankfurt. Ich warf der Telekom freudig fünf Euro fürs WLAN in den magentafarbenen Rachen und arbeitete fünf Stunden lang am Stück. Welch ein Genuss! Denn in der eigenen Wohnung ist der Ablenkungsfaktor sehr hoch, durch Anrufe, Kinder oder das Chaos in der Wohnung, das mich täglich zum (für mich recht aussichtslosen) Kampf herausfordert. Eine halbe Stunde vor meiner Ankunft in Frankfurt wollte ich mir dann mit der Messe-App mein individuelles Programm zusammenstellen. Das Gefühl der gigantischen Informationsmassen, die ich in 30 Minuten unmöglich strukturieren, geschweige denn überschauen konnte, ließ mich die App etwas verzweifelt wieder schließen, denn draußen rollte schon mein Ankunftsbahnsteig herbei. Etwas von diesem Gefühl holte mich dann wieder ein, als ich die Buchmesse mit ihren acht heiligen Hallen betrat, die sich auf einer Fläche von 170.000 m² qm über mehrere Etagen ausdehnen.

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Unterwegs zwischen den heiligen Hallen der Frankfurter Buchmesse. Foto: Daktylos Media
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Ankunft in Halle 3, Kinderbuch-Bereich, Frankfurter Buchmesse. Foto: Daktylos Media

Ich ließ meine Ratio mit der Messe-App in der Ecke sitzen und mich vom Instinkt willig zum Bereich Kinderbuch ziehen. Nach digitalen Angeboten musste ich hier etwas suchen. Ich stieß dann auf ARP, eine portugiesischen Produzenten von Kinderbuch-Apps, die mit Augmented Reality funktionieren. Ich probierte die App mit der Geschichte von der Ameise und der Grille aus. Unter uns darf ich es ja ehrlich sagen: Die digitale Augmentatio brauchen die gedruckten Bücher von ARP aber auch wirklich, deren sprachliche Armut und optische Aufmachung mich an gedruckte Massenware beim Discounter erinnert. Und mehr, als dass beispielsweise auf einer Seite ein netter Ameisenmann aus seinem Bau kommt und mit den Fühlern wackelt, passiert dann mit der App auch nicht. Solche Lücken in der Konzeption und die Frage nach dem Sinn multimedialer Effekthascherei schreckten die Firma Samsung jedoch nicht davon ab, diese kleine Firma aus Portugal zum Partner zu machen und die App auf den neuen Samsung Tablets vorzuinstallieren. So wird Qualität von Content heute entwickelt. … oder auch nicht. Beim Mixtvision Verlag wurde ich aber fündig, was gute, neue Inhalte und den Mut dazu betrifft. Das Buch Die Ton-Angeber in der Übersetzung aus dem Polnischen von Olaf Kühl ist eine echte Buchkunst-Perle. Und Christiane Winter, die die E-Book-Produktion leitet, durfte ich nun nach der ersten Begegnung per Facebook auch persönlich kennenlernen und ihr zur GIGA Maus 2014 gratulieren, mit der der junge, feine Kleinverlag aus München gerade erst auf der Messe für seine Kinderbuch-App Die große Wörterfabrik ausgezeichnet worden ist.

Meta Morfoß App Testing: Die Erste!

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Screenshot der Meta Morfoß App mit dem neuen UI/UX Design

Einige Leute probierten unsere Meta Morfoß App aus, die in ihrem neuen UI/UX Design erstrahlt und jetzt zu rund 50 Prozent fertig ist. Ich bekam viel positives Feedback und wichtige Anmerkungen und erinnere mich freudig an viele neugierig über die App gebeugte, lächelnde Gesichter. Eine Testerin davon war Charlotte, meine achtjährige Nichte. (Ich weiß nicht, wie viele „Groß“-Vorsilben  oder Verwandschaftsgrade ich an die Nichte dranhängen müsste. Diese Buchmesse gab mir nämlich auch die Möglichkeit, meine Burckschen Verwandten in Frankfurt näher kennenzulernen, unsere Linien laufen in einem gemeinsamen Ururgroßvater zusammen.) Charlotte las ihrer Mutter und mir also auf meinem iPad den Text aus der App vor und fand die Schlüsselwörter. Ihre Augen leuchteten und jedes Mal, wenn sie eine Animation auslöste, lachte sie. Weil es schon spät war, schickte ihre Mutter sie nach der vierten Seite ins Bett. „Schaaade“, sagte Charlotte, schaute mir fest in die Augen und sagte: „Die App gefällt mir.“ Dann wandte sie sich an ihre Mutter: „Mama, können wir die App jetzt runterladen?“ Wow! Was wollen wir mehr für Daktylos Media? Unsere Idee der Lesequest für acht- bis zehnjährige Leserinnen und Leser funktioniert! Charlotte vertröstete ich auf den kommenden ersten Advent, für den der Release im AppStore geplant ist.

Verleihung des Virenschleuder-Preises 2014

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Virenschleuder-Preisverleihung 2014: Vorstellung der Crowdfunding-Kampagne von Daktylos Media. Foto: Daktylos Media

Der nächste Tag war Freitag und am Abend sollte also endlich die Virenschleuder-Preisverleihung stattfinden. Bis dahin traf ich noch die Kollegen und Partner vom Eulenspiegel Verlag, welche auch das erste Mal einen Blick auf die App werfen konnten und sich über das Ergebnis freuten. Am riesigen Stand des Arena Verlags wollte ich eigentlich ein paar Bücher für unsere Kinder kaufen. Daraus wurde leider nichts, der Buchverkauf darf nur am Sonntag, dem letzten Messetag, stattfinden. Die Zeit schritt fort und ich schlenderte zum Lesezelt im Innenhof der Frankfurter Buchmesse hinüber, wo die Preisverleihung stattfinden sollte. Die Veranstaltung bereicherte Christiane Frohmann, die letztes Jahr den Preis gewann, mit einer Miniaturausgabe ihres Katersalons. Das Format ist etwas sehr Originelles, etwas zwischen assoziativem Vortrag und diskursiver Performance. Schwierig ist es auch, Christiane Frohmann selbst kurz beschreiben zu wollen, diese nicht mehr junge, aber noch längst nicht alte Frau mit dem durchweg traurigen Blick, die mit unbewegter Miene in einem rosafarbenem Etwas über wunderschönen Beinen in schwarzer Feinstrumpfhose mit dem Publikum ein „Real Live Twittern“ veranstaltet und dabei etwas lehrerinnenhaft wirkt. Gewonnen haben den Virenschleuder-Preis letztlich nicht wir, sondern die Buchhandlung Lessing und Kompanie, die Pinakotheken im Kunstareal München sowie die Schriftstellerin Zoë Beck. Aber wir waren dabei, wir sind auf der Shortlist der Top 10 für die beste Marketingstrategie gewürdigt worden, auf die uns unsere Fans sowie Digital Publishing Competence und Konzeptfreun.de gebracht haben. Darüber sind wir sehr glücklich!

Hotlist der unabhängigen Verlage 2014

Das inhaltlich und atmosphärisch interessantere Event an diesem Abend war dann die Preisverleihung der Hotlist der unabhängigen Verlage, die spätabends im Literaturhaus Frankfurt stattfand. Es moderierte Claudia Cosmo. Was für eine tolle Frau, sie ist genauso charmant wie belesen und es war wirklich ein großes Vergnügen, ihr zuzuhören! Jedes der Bücher, die sie mit einer einzelnen Vorstellung und einem kurzen Interview der Verlegerinnen und Verleger würdigte, weckte meine Neugier und den Wunsch, die auch haptisch sehr ansprechenden Drucksachen in die Hand zu nehmen. Den rundum sympathischen Menschen in dem proppevollen, kleinen Festsaal des Literaturhauses ging langsam die Luft aus, welche zuerst stand und zum Ende hin ganz umkippte. Aber alle hielten sich wacker auf den Beinen und am Weinglas fest. Auch die zahlreichen Anspielungen auf die in Hinsicht auf den kommerziellen Erfolg eher aussichtslose Lage der kleinen Verlage nahm man mit Humor. Witze darüber, dass du das machst, was du für gut und für wert in die Welt gebracht zu werden befindest, egal, „ob sich das rechnet“ oder nicht, gehören zum Selbstverständnis der kleinen Verlage. Endlich wurden die Verlage bekannt gegeben und ich freue mich riesig für Britta Jürgs vom AvivA Verlag, in dem ich während meiner Studienzeit mitarbeiten und Blut fürs Verlegen lecken durfte, die mit ihrem Buch Mädchenhimmel von Lili Grün den Melusine-Huss-Preis gewann.

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Hotlist-Preisverleihung der unabhängigen Verlage 2014. Auf der Bühne präsentiert Claudia Cosmo den Weidle Verlag. Foto: Daktylos Media

Qualität in der Buchproduktion: (k)eine Frage des Geldes

Vielleicht klingt es banal und wurde schon tausend Mal gesagt, aber nach meinem Besuch der Frankfurter Buchmesse dieses Jahr sehe ich klar, dass Qualität im Kulturbereich einfach nicht mit Denken in Zahlen erreicht werden kann – und auch nicht unbedingt über die Abstimmung der Masse, der Crowd. Die Vielfalt des Denkens und der Sichtweisen wird aus den kleinen, besonders schmackhaften Portionen genährt, welche kleine Verlage beisteuern: Hut ab vor allen Machern der Hotlist. Mit Daktylos Media möchte ich mich gern mit auf diese Stufe von Qualität stellen, denn – um mit Claudia Cosmo zu sprechen –: „Wir machen auch in Büchern.“ Mein Fazit für unsere Selbstpositionierung im Kosmos der Publishing-Branche ist, dass wir wirklich Qualität machen, die sich sehen lassen kann. Unsere Lesequest hat weltweit kein vergleichbares Produkt, jedenfalls habe ich bisher keine Konkurrenten gesehen. Was unseren Verdienst angeht, so fand ich auf der Buchmesse keine beruhigende Antwort … aber auch keine beunruhigende. Uns als Publisher Start-up geht es ja nicht allein so, dass unsere geschäftliche Zukunft in den Sternen steht. Mit uns versuchen auch die großen Verlage etwas durchs Fernrohr der Statistiken und Prognosen zu erkennen, in dem riesigen Raum namens „Zukunft“ da draußen. Das Objektiv scheint aber mit einem Deckel verschlossen zu sein, auf dessen Innenseite die immer wieder gepredigten Sätze geschrieben stehen: „Das gedruckte Buch wird verschwinden, aber auch nicht. Die Leute lesen nicht mehr nicht, sie lesen nur anders. Ändert die Form, aber macht gute Inhalte.” Ich nehme mir das Bild und die Atmosphäre der Hotlist-Preisverleihung mit, die ich in dem Aufruf kondensiere: „Leute, wir wissen nicht, was morgen sein wird. Aber das, was wir heute machen und können, das ist so gut und macht so viel Spaß. Lasst uns feiern!”

(Editiert 16.10.2014)

„Baut die beste Lese-App, die ihr euch vorstellen könnt!“ Interview mit Lolli

Dieser Tage hat uns eine besondere Mail erreicht: „Hallo Anna, ich sehe, ihr macht eine Menge Wind wegen eurer App. Ich finde das alles richtig gut. Ihr habt da Bock drauf und wisst, wovon ihr redet. Ich verfolge das ganz aufmerksam.“ Das schrieb uns Lolli, ein guter Bekannter aus wilden Jugendtagen. Bevor wir Daktylos Media überhaupt offiziell gründeten, hat er uns bereits mit vielen nützlichen Tipps für Startupper und Crowdfunder zur Seite gestanden und war dann auf Startnext einer der ersten Fans und Unterstützer unserer Meta Morfoß App. Nun schlug er vor, uns für den erfolgreichen Abschluss des Crowdfundings ein Darlehen in fünfstelliger Höhe zur Verfügung zu stellen. Für uns ist dies eine der größten Überraschungen in unserem Leben! Glücklicherweise erwischen sie einen manchmal und dann eröffnen sie völlig neue, völlig unerwartete Perspektiven. Dann fühlt man sich nicht mehr als Schildkröte, die versucht Rollschuh zu fahren, sondern als fabelhafter Drache, der endlich in die Luft steigen und losfliegen darf.

Im Interview mit Daktylos Media erzählt Lolli, warum er sich zu diesem für beide Seiten enormen Schritt entschlossen hat.

Meta Morfoss App Daktylos Media #MetaCrowd Lolli
Dank Lolli kann Meta Morfoß endlich einmal so richtig losdampfen!
Illustration: KClogg (c) Daktylos Media

„Mit nichts“ angefangen

Daktylos Media (DM): Lieber Lolli, du verfolgst von Anfang an unsere Idee, innovative Kinderbuch-Apps in die Welt zu bringen. Bald endet unsere Crowdfunding-Kampagne auf Startnext und nun kam dein überraschendes Angebot, dass du uns für einen erfolgreichen Abschluss mit einem Darlehen unterstützen willst. Wir sind baff und total glücklich und danken dir für dein großes Vertrauen in uns und unser Projekt!
Erzähl: Warum hast du dich für diesen Schritt entschieden?

Lolli (L): Ich hab selber mal „mit quasi nichts“ angefangen. Ich war sogar im Dispo bei der Sparkasse. Ich hatte aber die Idee mit dem Hostel und es gab damals zwei Leute, die mich unterstützt haben. Meine Mutter mit einem bestimmten Betrag und vor allem meine damalige Freundin. Sie ist das dritte Kind ihrer Familie. Und die erste Tochter hatte sich mal von ihrer Mutter Geld geborgt, und etwas mehr zurückgezahlt, danach die nächste Tochter und zuletzt eben meine Freundin, die mich und meine Idee mit dem Geld unterstützte. Ich hatte damals nichts, keine Sicherheiten und aus heutiger Sicht auch keine Ahnung. Aber es hat erfreulicherweise funktioniert. Ich betreibe mein Hostel nun seit mehr als 13 Jahren, es ist meine Lebensgrundlage und ein Job, der mir viel Spaß macht, mir viele Freiheiten und Gestaltungsmöglichkeiten gibt. Glücklicherweise war ich in der Lage, das geborgte Geld relativ schnell wieder zurückzuzahlen. Ich denke, man kann mit verhältnismäßig kleinen Summen eine Menge ermöglichen, und ich freue mich, wenn mutige Unternehmer eine Chance bekommen können.

Lolli Daktylos Media
Lolli mit seinem Sohn

Mit dem Crowdfunding für die Meta Morfoß App eine Lücke im Verlagsgeschäft füllen

DM: Was gefällt dir an der Meta Morfoß App? Was würdest du dir noch von uns wünschen?

L: Ich mag die Idee der anspruchsvollen Verbindung von Lesestoff mit den Möglichkeiten aktueller Technologien. Ich denke, hierin liegt ein großes Potential und eine Lücke, die innovative Gründer schneller und besser füllen können als große Verlage. Ich wünsche euch eine konsequente Umsetzung eurer Ideen. Baut die beste Lese-App, die ihr euch vorstellen könnt!

DM: Du hast auch Crowdfunding-Projekte durchgeführt. Würdest du „es wieder tun“ – und wenn ja, wie?

L: Ich hatte damit persönlich leider keine gute Erfahrung gemacht. Unser Projekt, die Kofinanzierung eines kostenlosen USE-IT Stadtplanes von Dresden für jugendliche Touristen, war zwar am Ende glücklicherweise erfolgreich. Aber der Aufwand dafür war immens. Es wäre effektiver gewesen, für den Betrag ganz normal arbeiten zu gehen und das damit verdiente Geld zu verwenden, als mit mehr Zeitaufwand Unterstützungen übers Crowdfunding zu sammeln.
Man hört immer solche Erfolgsgeschichten, wo irgendwelche Projekte Hunderttausende einsammeln. Das sind aber Leuchttürme. Für viele sehr gute Crowdfunding Projekte gibt es leider zu wenig Unterstützung.
Deswegen helfe ich euch auch gern, einfach, weil ich weiß, wie mühselig das ist und was ihr alles schon getan habt, um eurem Projekt zum Erfolg zu verhelfen. Auch wenn das natürlich nicht zählt: Ich finde, ihr habt den Erfolg verdient!

Was Start-ups für den Erfolg brauchen

DM: Was sind für dich drei wichtige Punkte für ein erfolgreiches Start-up?

L: Eine gute Idee haben und daran glauben. Auf Feedback und Erfahrungen reagieren und sein Projekt entsprechend an die Gegebenheiten immer neu anpassen. Gewinnen heißt einmal mehr aufzustehen, als man gefallen ist.

DM: Du bist selbst Unternehmer. Was genau machst du und wie sind dein Pläne für die nächste Zeit?

L: Ich betreibe das Hostel Lollis Homestay in Dresden und das Labyrinth Hostel in Weimar. Ich bin bei beiden Häusern allerdings nicht mehr im täglichen Ablauf involviert. Meine aktuelle Aufgabe ist das Backpacker Network Germany, der Verband der unabhängigen, privat geführten Hostels in Deutschland. Wir haben vor wenigen Wochen unsere neue Webseite gelauncht und da gibt es auch noch weiterhin viel Entwicklungspotential. Ich vertrete die Interessen der Hostels gegenüber der Politik, es gibt verschieden Treffen der Hostels, die ich organisiere, Flyer, Plakate, Pressearbeit, also ganz verschiedene Sachen, um die Idee des selbständigen, preisgünstigen und individuellen Reisens zu promoten. Wer in Deutschland preisgünstig übernachten will: Seht auf unsere Seite, wir haben ganz viele, ganz tolle Hostels in Deutschland, in denen ihr immer interessante Leute aus der ganzen Welt treffen könnt!

DM: Vielen Dank, Lolli, für dieses Interview! Wir hoffen, dass wir dir und deinem Sohn sehr bald die Meta Morfoß App aufs Tablet liefern können und wünschen dir alles Gute!

Daktylos Media auf der Leipziger Buchmesse 2014

Die letzten Tage und Wochen waren so mit Ereignissen angefüllt, dass ich ständig das Gefühl hatte: 48 Stunden komprimiert in 24, Nachtruhe fällt weg, Grundstimmung dabei positiv und euphorisch.

Anfang Februar suchte ich im Programm der Leipziger Buchmesse mit dem Schlüsselwort „App“ und stieß auf eine einzige Veranstaltung: „Alles nur App-etitmacher oder doch mehr? Kinder-Tablets, Lese-Apps und Co. für die Bücherfans von morgen“ – wie für uns gemacht! Sofort schrieb ich René Wagner (hoerbuch-seminare.de) an, den Moderator, und stellte unseren Verlag und unser erstes Projekt vor. Er antwortete umgehend und lud mich mit aufs Podium ein. Freudenhüpfer im Dresdner Wohnzimmer! Von René erfuhr ich, dass meine Gesprächspartnerinnen Karen Ihm von der Stiftung Lesen und Henrike Friedrichs, Medienpädagogin an der Uni Bielefeld, sein würden. Mit der Stiftung Lesen hatte ich auch im Vorfeld schon zu tun, sie wird mit einer Rezension nach dem Release Eltern hoffentlich unsere Meta Morfoß App ans Herz legen.

Vor zwei Wochen bekam ich den Führerschein, und so lieh ich mir gleich letzte Woche ein Auto aus, um damit nach Leipzig zur Buchmesse zu brausen mit dem Vorsatz, ganz viele Leute zu treffen, Veranstaltungen zu besuchen und alles zu betwittern und bei Facebook abzubilden. Auf der Messe angekommen musste ich meine Pläne diesbezüglich etwas herunterschrauben: WLAN gab es zwar in jeder Halle, aber nur an jeweils einem Hotspot,  und für die Nutzung des flächendeckenden WLAN-Netzes hätte ich noch einmal einen zweistelligen Betrag zahlen müssen. Deutschland? Medienbranche? Leider funktionierte auch das Handy als Router fürs iPad nicht immer zuverlässig. Aber das alles beiseite, nach und nach fand ich in einen Rhythmus, traf Caspar Armster und Anna Karina Birkenstock vom Tilda Marleen Verlag, trank einen Cappuccino mit Louise Carleton-Gertsch (LCG Media), die ich schon so lange kennenlernen wollte, schaute bei Britta Jürgs vom AvivA Verlag vorbei (meiner ersten Arbeitgeberin in der Branche), und nicht zuletzt stattete ich natürlich dem Eulenspiegel Verlag einen Besuch ab. Abends kam ich nach einer kleinen Odyssee durch Leipzig (noch einmal werde ich nicht vergessen vor der Autofahrt mein Handy-Navi aufzuladen) doch endlich noch im pub’n pub an, wo ich viele nette Leute traf, die alle “was mit Büchern machen”. Am nächsten Morgen lernte ich auch Stefanie Leo von dem mittlerweile traditionsreichen Blog buecherkinder.de kennen. Ich hoffe sehr, dass sich mit ihr irgendeine fruchtbare Zusammenarbeit ergibt, Ideen habe ich schon …

Teil 1 der Videoaufzeichnung “Alles nur App-etitmacher?” auf der Leipziger Buchmesse 2014

Teil 2 der Videoaufzeichnung “Alles nur App-etitmacher?” auf der Leipziger Buchmesse 2014

Am Freitagnmittag dann startete unsere Veranstaltung auf dem Forum Hörbuch und Literatur in Halle 3. Hier konnte ich unseren Verlag, unsere Meta Morfoß App und die Crowdfunding-Kampagne vorstellen. Die Veranstaltung war gut besucht, alle Plätze waren besetzt, einige der Zuhörer*innen standen sogar. Viel mehr erzählen muss ich hier nicht – dafür haben wir ja alles auf Video aufgezeichnet. Vielen Dank an dieser Stelle an meine Freundin Olga Vostretsova, die sich um die Aufnahme gekümmert hat!

Crowdfunding für die Meta Morfoß App – Beginn der Startphase!

Startnext-banner

Ab heute läuft unsere Crowdfunding-Kampagne auf Startnext.de. Mit dem Funding wollen wir die Fertigstellung unserer Meta Morfoß App finanzieren.

Jetzt läuft die Startphase der Kampagne. Mit ihr lenkt man die Aufmerksamkeit auf das Projekt und sammelt Fans. Wenn wir 100 Fans für unser Projekt gesammelt haben, kann die Finanzierungsphase beginnen.Und hier ist nun endlich das lang erwartete Pitch Video!
Darin könnt ihr auch sehen, wie unser App-Prototyp funktioniert.

Unterstützt unser Projekt, das die wunderbare Erzählung Meta Morfoß von Peter Hacks in eine einmalige Buch-App für Kinder und Literaturliebhaber bringt!
Es gibt viele gute Gründe dafür. Hier sind einige:

  1. Unsere Meta Morfoß App verbindet gute Literatur – keine Adaption, keine Nacherzählung – mit originellen Illustrationen und gutem Design.
  2. Wir haben die “Lesequest” entwickelt, ein ganz neues App-Format. Die animierten Illustrationen lenken hier nicht wie bei anderen Kinderbuch-Apps vom Text ab, sondern können erst über das Lesen aktiviert werden.
  3. In der App kann man zwischen Deutsch, Russisch und Englisch umschalten. Und als Stretch Goal, also wenn mehr Geld gespendet wird als erwartet, planen wir noch weitere Sprachversionen hinzuzufügen, beispielsweise Spanisch!
  4. Auf Deutsch gibt es bisher keine innovativen Buch-App-Angebote für Kinder im Lesealter wie überhaupt Leseangebote für diese Altersgruppe in den Stores fehlen. Wir bieten eine Buch-App für Kinder ab acht Jahren. Nach oben gibt es keine Altersbegrenzung, auch für Literaturkenner und -liebhaber ist die Meta Morfoß App eine wunderbares Schatzkästlein auf dem Tablet!
  5. Unser originelles Experiment soll den Spaß am Lesen mit dem Spaß an der Technik verbinden.

Nun brauchen wir euch: Geht auf www.startnext.de/meta-morfoss-app und werdet unser Fan! Wir brauchen 100 Fans, damit die Finanzierungsphase starten kann. Fan unseres Projekts zu sein verpflichtet euch nicht zur Spende! Mit einem Facebook oder Google+ Account könnt ihr auch Fan werden ohne euch bei Startnext zu registrieren.

Mit wem wir arbeiten. Teil 1: Der Illustrator

Nachdem wir geklärt hatten, welchen Text wir für die App nehmen wollen, und uns für Meta Morfoß von Peter Hacks entschieden haben, kam die Frage: Wie sollen die Illustrationen dazu aussehen? Eine klare Struktur der App hatten wir noch nicht vor Augen, aber es war natürlich klar, dass dieses Buch Bilder haben sollte. Und wir begannen zu suchen. Die Website illustrators.ru ist eine wunderbare Ressource, hier kann man die Suchparameter einstellen, beispielsweise dafür, dass jemand mit Vektorgrafik arbeiten soll oder eine bestimmte Technik oder einen bestimmten Stil verwendet. Ebenso haben wir andere Portfolio-Ressourcen genutzt – eine gute Adresse ist da auch behance.net.

Nach einem Illustrator für ein Buch zu suchen ist eigentlich so, als ob man einen Anwalt, Babysitter oder Zahnarzt auswählt – man muss Vertrauen haben. Wir fanden ungefähr 10 Illustratorinnen und Illustratoren, die in die Auswahl kamen. Wir überlegten zuerst, eine Ausschreibung zu machen. Aber als wir dann zu zweit am Computer saßen und in den Bildern “blätterten”, trafen wir die Entscheidung sofort, wir lagen auf einer Wellenlänge. Und eigentlich ohne große Erörterungen sagten wir fast einstimmig: Neeee, das ist nicht das Richtige. Oder: Na guuut, lass es uns später noch mal anschauen. So siebten wir immer weiter aus und legten das Ausgesiebte beiseite, bis nur noch einer übrig blieb: Maxim Litvinov aka Кclogg.

(c) Max Litvinov aka Kclogg
(c) Max Litvinov aka Kclogg
(c) Max Litvinov aka Kclogg
(c) Max Litvinov aka Kclogg

Parallel arbeiteten wir an der Grundidee und -struktur der App. So erschienen auf jeder Seite (auf jedem Screen) die Illustrationen und wurden mit dem Text zu einem interaktiven Mechanismus verbunden.

Wir hatten noch kein Storyboard, wir lasen von neuem Hacks’ Text und schauten uns immer wieder Maxims Portfolio an, es blieb kein Zweifel mehr. Zwischendurch sagten wir uns: “Stell dir vor, wie er den Lehrer Dr. Pauli zeichnen wird!” Oder: “Schau mal, so sollte Meta aussehen!”

Jetzt wissen wir, dass die Illustrationen in der gemeinsamen Arbeit entstehen. Während wir mit Maxim am Prototypen arbeiteten, testeten wir den Zugang zueinander aus – wir suchten nach einer gemeinsamen Sprache, einer gemeinsamen Welle, versuchten zwei Vorstellungen miteinander zu vereinbaren, unsere Idee mit seinen schöpferischen Impulsen.

Dass wir über die Entfernung mit unseren Mitarbeitern arbeiten, also nicht direkt miteinander kommunizieren können, hat seine Vorteile. Wir laden Freiberuflerinnen und Freiberufler ein, die am besten zu unserem Projekt passen.

Meta Morfoss sketch (c) Daktylos Media
Meta Morfoss sketch (c) Daktylos Media

An einigen Figuren haben wir lange gesessen, es hat gedauert, bis Meta oder Herr Maffrodit, die Tante, ihre endgültige Form bekommen haben. Aber der Müllfahrer Karsunke und der Lehrer Dr. Pauli sind an einem Tag entstanden. Da wir einen bestimmten Stil, die 1970er Jahre, in die App bringen wollen, haben wir viel Zeit damit verbracht, die passende Mode für unsere Figuren zu finden.

Vor uns liegt noch viel Arbeit. Bisher haben wir für den Prototyp zwei funktionierende Screens (von zwanzig) erstellt. Also, ran an die Arbeit! Und wünscht uns Erfolg!!

Buch-Apps: Interaktives Lesen auf Tablet-Computern

Versunken folgen wir den schwarzen Zeichenketten, fühlen das Papier der Buchseiten und hören sie rascheln – so sah und sieht Lesen aus, seit es gedruckte Bücher gibt. Was wird daraus werden?

Es gab viele erschrockene Reaktionen, als 2010 Alice for the iPad erschien, eine der ersten Buch-Apps für mobile Endgeräte. Mit der App-Adaption von Lewis Carrolls Kinderbuch-Klassiker landete Atomic Antelope dennoch einen Riesenerfolg: Durch Schütteln, Tippen und Wischen animiert die App John Tenniels bekannte Illustrationen. Chris Stevens, der Chef dieses jungen britische Verlags, schob seine Kritiker einfach in die Ecke der Ewiggestrigen ab: In der klassischen Buchbranche würde niemand verstehen, dass längst eine neue Zeit angebrochen sei, deren ungeahnte technologische Möglichkeiten es auszuschöpfen gelte, statt sie zu verdammen. Ein Kind, das vielleicht kein gedrucktes Buch in die Hand nehmen würde, könnte über das mediale Format einer App möglicherweise überhaupt erst für Literatur begeistert werden.

Verführerische Zeitdiebe

Spätestens seit das erste iPad auf den Markt kam, ist klar geworden, dass die Neukonzeption des Buches durch digitale Technologien weit über das E-Book hinausgeht. Anders als das E-Book, bei dem es sich um ein Dateiformat für elektronische Bücher handelt, dessen Lesbarkeit zurzeit meistens noch abhängig vom Lesegerät ist, wird eine Buch-App für ein bestimmtes Betriebssystem programmiert. Sie kann über die App-Stores auf mobile Geräte mit dem jeweiligen System heruntergeladen werden. Schon jetzt gibt es in deutschen Haushalten zehnmal mehr Tablets als E-Reader und zunehmend wird auf mobilen Computern gelesen. Kinder wachsen heute selbstverständlich mit diesen Geräten auf. Durch ihre einfache Bedienung und den hohen Unterhaltungswert sind sie verführerische Zeitdiebe und werden nicht zu Unrecht als Gefahr für das Lesen von Büchern gesehen. Aber gleichzeitig bieten sie große Chancen, Inhalte auf bequeme, attraktive und spielerische Weise vermitteln zu können – beispielsweise in Form von Buch-Apps.

(c) Daktylos Media
(c) Daktylos Media

In den großen Online-Stores tragen viele Apps das Wort „Buch“ oder „book“ in ihrer Bezeichnung. Der Begriff „Buch-App“ ist nicht eindeutig. Definiert man als „Buch“ ein mediales Format, bei dem das Geschichtenerzählen im Mittelpunkt steht und es durch eine professionelle ästhetische Gestaltung vermittelt wird, so bleiben in der Kategorie „Bücher“ in den App-Stores nur wenige Anwendungen übrig. Viele Angebote für Kinder stellen sich als Spiele heraus. Hinzu kommt, dass die grafische Gestaltung oft weit unter dem Niveau gedruckter Bücher bleibt. Solche Anwendungen sind dafür aber meistens kostenlos zu haben – im Gegensatz zu den guten, aufwendig gestalteten Buch-Apps. Produkte, die diese Bezeichnung verdienen, bieten ein anspruchsvolles Design und eine Geschichte, deren Erleben um mehrere Dimensionen erweitert wird: durch die physische Interaktion sowie durch Features wie Voice-over, Soundeffekte, Musik, animierte Illustrationen und Spiele. Im Team arbeiten Programmleiter, Autoren, Redakteure, Übersetzer und Illustratoren mit Komponisten, Musikern, Sprechern, Designern für Grafik, Sound, User Interface und User Experience sowie mit Gamedesignern und Programmierern zusammen.

Hohe Kosten, hohes Risiko

Auch nach dem Release einer Buch-App ist der Arbeitsprozess nicht abgeschlossen. In engem Austausch mit den Kunden wird die App verbessert und oft durch neue Features aufgewertet. Buch-App-Projekte brechen die Grenzen klassischer Verlagsarbeit auf. Sie sind aufwendig und kostspielig. Mit ihrer Produktion sind deshalb meist nicht klassische Verlage, sondern oft Firmen aus der Kommunikations- und Unterhaltungsbranche beschäftigt, die Auftragsarbeiten umsetzen und über ein hohes Marketing-Budget verfügen. Das Risiko, dass nach dem Buch-App-Release die Produktionskosten im durchschnittlich fünfstelligen Bereich nicht wieder eingespielt werden, ist hoch.

Buch-App-Pionierarbeit in Deutschland

In Deutschland gehört der Oetinger Verlag zu den wenigen, die sich an die eigene Entwicklung von Buch-Apps gewagt haben. Mit dem Tigerbooks-Format hat Oetinger ein App-Format entwickelt, mit dem er nach und nach seine Erfolgstitel wie Der Regenbogenfisch oder Der kleine Eisbär in interaktive Erlebnisbücher umsetzt. Diese können über die eigens dafür entwickelte Tigerbooks-Buchladen-App heruntergeladen und gelesen werden. Mit dem geplanten Release der TigerCreate-Software im Frühjahr 2014 will der Oetinger Verlag in Zusammenarbeit mit der Tigerbooks Media GmbH die von der Verlagsbranche lang ersehnte Lösung liefern, mit der es möglich werden soll, Buch-Apps für alle relevanten mobilen Betriebssysteme zu exportieren.

Eine Buch-App ist für die klassische Verlagsbranche eine relativ neue Produktvision, die ausgelotet und ausprobiert werden will. Damit ein Buch auch als App zum Lesen und Geschichtenerleben anhält, sind kreative und originelle Konzepte gefragt. Voraussichtlich werden aber Buch-Apps für die Lesenden die klassischen Bücher nicht ersetzen, sondern eher ergänzen. Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Inhalt wie Buch-Apps wird in den nächsten Jahren sicherlich steigen – spätestens dann, wenn ein Tablet wie ein Handy selbstverständlich zu jedem Haushalt dazugehören wird.


Anna Burck
(C) Goethe-Institut Januar 2014
Der Artikel ist ursprünglich erschienen auf www.goethe.de.


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Momotaro

(c) Ghost Hand Games
(c) Ghost Hand Games

Wir haben unser iPad noch nicht so lange. Vor kurzem luden wir The Legend of Momotaro herunter. „Wann schauen wir endlich mal das App mit der schönen Blüte an?“, fragte ein paar Stunden darauf unsere große Tochter T.,  sechs Jahre alt. Bisher kannte und spielte sie auf dem iPad nur einige Spiele von Toca Boca, die sie heiß liebt und mit deren Figuren sie sich stark identifiziert. (Sie wollte sogar ihrem Bruder verbieten, „ihr“ blaues Monster von Monster Kitchen zu füttern.) Zurück zu der „schönen Blüte“: Es ist eigentlich ein Pfirsich mit einer Spitze, der tatsächlich einer  prallen Knospe ähnelt – das Icon der Momotaro-App, das sich nun neben den fröhlichen Toca Boca Gesichtern eingereiht hat.

The Legend of Momotaro: Die alte Frau findet beim Wäschewaschen am Fluss einen Riesenpfirsich (c) Daktylos Media
The Legend of Momotaro:
Die alte Frau findet beim Wäschewaschen
am Fluss einen Riesenpfirsich (c) Daktylos Media

The Legend of Momotaro  ist eine Storybook App der Spiele-Firma Ghost Hand Games aus Saratoga Springs, NY. Die Anwendung ist eins jener interaktiven Bücher, welches unseren Vorstellungen auf der Suche nach guten Buch-Apps allen Beschreibungen und Rezensionen nach sehr nahe kam. Auf Deutsch haben wir Vergleichbares bisher nicht gefunden.

Die Geschichte erzählt auf Englisch eine bekannte japanische Heldenlegende. Einem alten Ehepaar wird der größte Wunsch erfüllt: Sie bekommen ein Kind. Dessen Besonderheit ist schon daran zu erkennen, dass der Junge einem Riesenpfirsich entspringt, den die alte Frau aus dem Fluss gefischt hat. Sie nennen den Jungen Momotaro, „Pfirsichjunge“. Er wächst zu einem hervorragenden Kämpfer heran und befreit das Land von Ogern.

Das Design fängt viele Elemente aus der traditionellen japanischen Kultur ein. Die Geschichte eröffnet sich auf einer Schriftrolle, die seitwärts entrollt wird. Jeder Textabschnitt hat eine eigene Szene oder „Bühne“, auf der entsprechend dem Erzählfluss kleine Veränderungen passieren. Man taucht ein in eine japanische Landschaft, in der man viele Dinge wie beispielsweise einen Pflaumenbaum, Holzschuhe oder Papierfische entdecken kann. Sie werden in der unteren Leiste in Kanjis dargestellt und man findet sie, indem man entweder das Kanji oder im Bild das Bezeichnete antippt. Dann entfaltet sich eine kleine Blume zu einem Origami-Papierblatt, auf dem der Gegenstand dargestellt und jeweils mit dem englischen und dem japanischen Wort benannt wird. Die jeweilige Aussprache kann man durch Antippen des Wortes hören. Außerdem wird das japanische Wort auch noch mit Hiragana, den japanischen Silbenzeichen, dargestellt (und ausgesprochen) sowie mit dem jeweiligen Kanji, einem einzelnen Schriftzeichen, welches man mit dem Finger nachzeichnen kann. Einige traditionelle Dinge japanischer Kultur wie der Karpfen, der Pfirsich oder der Schrein werden auf einem „Papier“ extra landeskundlich erklärt.

The Legend of Momotaro: Kanji für
The Legend of Momotaro: Kanji für “Haus” (c) Daktylos Media

Der erste Kommentar unseres zehnjährigen Sohnes, der sich die App zuerst allein anschauen durfte, war: „Langweilig!“ Er hatte erwartet, dass durch Herumtippen auf den an japanische Holzschnitte erinnernden Szenen mehr animierte Sachen passieren würden. Aber es ist kein animiertes Spielbuch wie beispielsweise Alice for the iPad. Abends vorm Schlafen war endlich Zeit, Momotaros Geschichte in Ruhe anzuschauen. Die kleine Tochter schlief schon und unsere Große und ich kuschelten uns ins Bett. Ich begann ihr den englischen Text auf Deutsch zu erzählen. Da schlich doch auch der Bruder neugierig herbei und quetschte sich mit dazu. Kinder lieben Märchen, zu jeder Tages- und Nachtzeit und in jeder Lage.

Der Sound der App ist abgesehen von den klaren, satten und durchdringenden Tönen einer Koto, mit der die App startet, ein sehr unaufdringlicher, meditativer: es gibt wenige Geräusche sommerlicher Natur wie Wasser- und Windrauschen, Grillenzirpen, Vogelzwitschern oder das leise und heimelige Blubbern kochender Suppe. Der Text wird schlicht nach klassischer Märchenstruktur erzählt. Wir hatten Zeit und so konnten die Kinder ruhig der Geschichte lauschen und dann nach jedem Abschnitt alle interaktiven Elemente ausprobieren. Meine Tochter sprach begeistert die englischen und japanischen Wörter nach und zeichnete alle Kanjis. Meinen Sohn interessierte eher der Vergleich der japanischen Wörter mit den englischen, von denen er viele kennt.

Wir sind nur etwa durch zwei Drittel der App gekommen, nach rund 40 Minuten schliefen die beiden Kinder ein. Den Rest schauen wir uns vielleicht heute Abend an.

Mein Fazit: The Legend of Momotaro ist eine wunderbare Buch-App, die für lange Zeit ein rundum sinnliches und intellektuelles Vergnügen bereiten kann. Man sollte sie unbedingt mit den Kindern zusammen anschauen. Nicht nur können alle gemeinsam eine Mußestunde genießen. So kann man auch die Erwartungen der Kinder und ihren Aufmerksamkeitsfokus steuern, sodass sie – trotz dessen, dass man nicht wild herumtippen und trickfilmartige Erlebnisse erzielen kann – erst einmal neugierig auf die Geschichte sowie die fremde Sprache und Kultur werden und dann viel Spaß beim Anschauen haben.

The Legend of Momotaro
Ghost Hand Games LLC
Preis bei iTunes: 2,69 €
Größe: 179 Mb

Daktylos Media wird gute Buch-Apps machen

Girls reading Story Book Apps on a tablet (c) Daktylos Media
Girls reading Story Book Apps
on a tablet (c) Daktylos Media

Kinder lieben Bücher und Vorlesen – und sie lesen entgegen verbreiteter Ängste auch selbst! Außerdem sind sie völlig fasziniert von mobilen Geräten wie Smartphones und Tablet Computern. Wer hat noch nicht erlebt, wie ein Kind mit so einem Gerät für mehrere Stunden in die verführerische Welt der Apps abtauchen kann, wenn es nicht von besorgten Eltern daran gehindert wird. Solche Sorgen sind verständlich, aber sie werden noch geschürt durch warnende Stimmen namhafter Autoren. Wir fragten uns: Wie kann man Lesen und die neuen technologischen Möglichkeiten miteinander so verbinden, dass letztere richtig ausgeschöpft werden, das Kind jedoch durch sie nicht abgelenkt und zerstreut, sondern erst zum eigentlichen Lesen motiviert wird? Unsere Überlegungen scheinen gerade zur rechten Zeit zu kommen, nicht nur uns fällt auf, dass es – nicht nur in Deutschland – an innovativen Buch-Apps fehlt.

So haben wir Daktylos Media gegründet, einen Verlag für die Konzeption und Produktion von interaktiven Kinder- und Jugendbüchern als Apps fürs iPad und Android Tablets. Wir erfinden neue Formate für Buch-Apps: Beginnen werden wir mit dem „Lesequest“ und danach mit der „Abenteuer Geschichte“. Das Lesequest ist eine Mischung aus E-Book und interaktivem Suchspiel. Die Leserin oder der Leser animieren die Illustrationen, indem sie die Schlüsselwörter auf jeder Seite der Erzählung finden und antippen. So lenken die Animationen in unseren Story Book Apps nicht vom Lesen ab, sondern – im Gegenteil – sie motivieren dazu. Unser zweites geplantes App-Format, die „Abenteuer Geschichte“, wird Belletristik und Sachbuch zu Themen aus Geschichte und Kultur der Menschheit miteinander verbinden. In einer Daktylos Media App kann man zwischen drei Sprachversionen umschalten: Deutsch, Englisch und Russisch. Wir wollen weltweit eine der ersten Adressen für den Kauf von hochwertigem App Content für Kinder und Jugendliche sein!

woodleywonderworks@flickr, CC BY 2.0
woodleywonderworks@flickr, CC BY 2.0

Die Stores von Apple und Google bieten keine erweiterten Suchfunktionen für Buch-Apps. Deshalb eröffnen wir dieses Blog. Hier werden wir auf Deutsch und auf Russisch zu Kinderbuch-Apps sowie zu E-Books für Kinder und Jugendliche schreiben. Wer nach gutem und sinnvollem App-Content sucht und mehr über die digitalen Trends in der Kinder- und Jugendliteratur im 21. Jahrhundert wissen möchte, ist hier richtig.

Unser erstes App wird das Meta Morfoß Lesequest sein, eine Erzählung von Peter Hacks über ein kleines Mädchen, das sich ständig in alles Mögliche verwandelt. Die App verbindet diese wunderbare Geschichte mit Illustrationen des russischen Illustrators, Animators und Gamedesigners Max Litvinov (aka  KClogg). Demnächst werden wir hier über unsere geplante Crowdfunding-Kampagne zur Produktion des Meta Morfoß Lesequests berichten.